Indie Cyberpunk

Ihr steht auf scheinbar nicht enden wollenden Regen? Ständigen Cyberspace? Düstere Dystopien? Uuuh! Dann habe ich heute ein Treat für euch, Jungs und Mädels! Für den PC erwartet uns aus dem Hause Theta Division VirtuaVerse. Nachdem ich bereits auf der letzten Gamescom Interesse dran gefunden habe (ich stehe echt auf Cyberpunk-Dystopien), war das ein Must-Test. Also! Auf in die Zukunft!
Cyber-Alltag
Wer von uns kennt das nicht: Man geht abends in seiner gleichzeitig viel zu kleinen und doch riesigen Cyber-Wohnung zu Bett, an seiner Seite seine Freundin, und am nächsten Morgen/Mittag/Abend liegt man alleine da. Ärgerlich. Aber wo IST Jay, unsere Freundin, eigentlich? Wir finden nur eine kryptische Nachricht auf unserem Badezimmer-Spiegel... Aber wer gibt sich schon mit kryptischen Nachrichten ab? Wir müssen sie finden. Wir schnappen uns also in alter Point'n'Click-Manier alles, was in unserer Wohnung nicht angeschraubt ist, und brechen auf in die Nacht – ruinieren ein paar Leben, lösen Rätsel, knüpfen neue Freundschaften und finden hoffentlich heraus, was hier eigentlich abgeht... In einer Stadt, in der wirklich eine ganze Menge abgeht. Point it, click it
It's that easy. VirtuaVerse ist ein klassisches Point'Click-Abenteuer. Ihr bewegt euch durch pixelige, aber wahnsinnig hübsche Szenerien, klickt interessante Punkte und Objekte an und erfahrt entweder wichtige Infos oder sammelt nützliche Objekte. Der Schraubenzieher-Kasten? Den kann man auf jeden Fall gebrauchen! Die veralteten QR-Codes, die die Straßengangs als Tags benutzen? Eine nützliche Information, klar! Was man damit wohl anstellen kann? Um es dann noch etwas spannender zu machen setzt VirtuaVerse auf eine Technologie, die gerade über uns hereinschwappt: Augmented Reality (aber nur in der Spielwelt... Lasst die Brillen stecken)! Viele Szenen des Spiels haben gleich zwei Overlays: Eines, das wir mit normalen menschlichen Augen sehen können, und eines, das uns unsere Cyber-Brille offenbart. Was vorher eine Wand mit altmodischen Graffitis und Markierungen war, wird zum Schauplatz für Cyber-Werbung, 3D-Graffitis und ganz neue Hinweise! Zwischendurch sammeln wir immer neuen Stuff, verbinden Objekte in unserem Inventar oder benutzen Gegenstände auf NPCs in der Spielwelt. Und irgendwie... Irgendwie kommen wir immer weiter. Man muss einfach nur eine gehörige Prise Glück... Pardon... Cyber-Glück haben. Dazu kommen dann noch ein paar zukünftige Gags auf Kosten unserer Zeit: Wisst ihr zum Beispiel noch damals, als jeder anonym mit einem Nickname im Internet unterwegs sein konnte? Nein? Keine Sorge, die Leute in VirtuaVerse auch nicht!
Ein dreiköpfiger... Moment, falsches Spiel...
Und ja, VirtuaVerse geht klassische Wege. Wir reisen von Ort zu Ort, klicken uns von Szene zu Szene und benutzen zum Beispiel unser Bike als Schnellreisesystem. Man kann die Entwickler dafür loben, dass sie uns nicht zu viele Orte, Gegenstände und NPCs gleichzeitig geben. Immer mal wieder gibt es einen Cut, der alte Bekanntschaften und Connections rausnimmt. Trotzdem hat VirtuaVerse eine ganze Menge Optionen – zu viele in manchen Fällen. Denn die Entwickler gehen einen schmalen Grad zwischen „Monkey Island“-silly und tod-ernst. Manche Wege sind skurril und abgedreht, manche offensichtlich und simpel. Die bunte Mischung sorgt für eine Menge Ladebildschirme, Backtracking und Herumprobieren. Zumindest mir war es stellenweise einfach too much, Fans des Genres könnten aber genau hier ihren Spaß finden. Wir sind auch ein paar Bugs begegnet, wenn sich unsere Spielfigur zum Beispiel in einer endlosen Animations-Schleife wiedergefunden hat, aber das war selten und leicht zu beheben. Die Soundkulisse ist dabei großartig – ihr könnt euch gerne mit mir streiten, aber die Cyber-Beats der Stadt, in Abwechslung mit den Kompositionen der anderen Gebiete, sorgen für ein Feeling, das ich schon lange nicht mehr bei einem Spiel hatte. Hier zahlt sich der Einsatz erfahrener Genremusikanten mehr als aus. Gleiches kann man für die Ästhetik sagen! Ich weiß, es gibt da draußen so manche Gamer, die wenig mit dem Pixel-Artstyle anfangen können. Aber von der Werbung der digitalen Zukunftswelt zu den schlichten, aber eindrucksvollen Animationen, hier wird eine ganze Menge richtig gemacht.

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