Alles wird besser?

Vor knapp drei Jahren hat der französische Publisher Ubisoft den ersten Teil von The Division veröffentlicht. Der Loot-Shooter konnte aber nur bedingt überzeugen und wurde erst mit späteren (Content)Updates zu einem richtig guten Spiel. Der Höhepunkt dieses Lernprozesses ist nun The Division 2, dem man deutlich anmerkt, dass die Entwickler ihre Fehler nicht wiederholen wollten.
Alte, neue Story
The Division 2 spielt sieben Monate nach dem Ausbruch der „Dollar-Grippe“, welche die Vereinigten Staaten in ein totales Chaos getrieben hat. Man schlüpft erneut in die Rolle eines Agenten der Strategic Homeland Division, die mit viel technischen Know-How versuchen, die Kontrolle über Washington D.C. zurückzugewinnen. Nach einer umfangreichen Charaktererstellung startet man direkt mit dem Prolog, der zum Vergleich zum Vorgänger aber recht dürftig ausgefallen ist: In The Division 2 gibt es lediglich einen kurzen Kampfeinsatz an einem nicht näher definierten Ort, der damit endet, dass man einem Division-Hilferuf aus Washington D.C. folgt. Der Rest der Geschichte bleibt leider ziemlich belanglos und schafft es auch nicht, die einzelnen Charaktere interessant erscheinen zu lassen. Schade auch, dass der eigene Charakter in sämtlichen Zwischensequenzen zum stummen Objekt degradiert wird. In erster Linie dreht sich alles darum, die verbliebenen Zivilisten der Stadt zu unterstützen, die sich in kleinen Siedlungen zusammengefunden haben und im täglichen Kampf gegen drei gewalttätige Fraktionen stehen. Viele Geschichten werden über das sogenannte Environment-Storytelling erzählt. So lauscht man den Unterhaltungen von Zivilisten, den neusten Meldungen aus dem Radio oder sogar dem Plausch von ein paar Gegnern, bevor man sie angreift. Auch die bekannten Audiologs und Echos sind wieder dabei und erzählen spannende kleine Geschichten, die ein Bild von der Welt zeichnen.
Fantastische Spielwelt
Der „heimliche“ Star in The Division 2 ist definitiv die tolle Spielwelt. Die Entwickler haben es geschafft, eine lebendige und detaillierte Umgebung zu schaffen. Die Straßen in D.C. dienen nicht nur als simples Verbindungselement zwischen den einzelnen Missionen. Immer wieder müssen gegnerische Kontrollpunkte eingenommen, öffentliche Hinrichtungen verhindert und Propaganda-Übertragungen gestoppt werden. Das dient nicht nur zur Beschäftigung, sondern hilft auch den Zivilisten, die Kontrolle über die Stadt zurückzuerlangen. Je mehr Kontrollpunkte man übernimmt, umso mehr Patrouillen der Miliz sieht man auf der Straße. Die Bewohner sammeln sogar selbstständig Ressourcen und bringen diese in ihre Stützpunkte. Zusätzliche Ressourcen schafft man mittels Nebenaufgaben heran: Eine Spielecke für Kinder, eine verbesserte Stromversorgung, eine kleine Bibliothek, Bienenstöcke für die Honigproduktion. All diese Veränderungen haben zwar keinen direkten spielerischen Nutzen, tragen aber viel zur Glaubwürdigkeit der Spielwelt bei.
Gefechte mit Kopf
Das Kernelement von The Division 2 ist und bleiben natürlich die taktischen Gefechte in der hübschen Spielwelt. Erfreulich: Die Entwickler haben ordentlich Feintuning an der gegnerischen KI betrieben. Diese leistet sich nur noch seltene Aussetzer und geht ziemlich geschickt gegen die Spieler vor. Feinde agieren nicht nur cleverer in der Gruppe (Stichwort: Flankieren), sondern besitzen nun auch spezielle Fertigkeiten. Zum Beispiel treiben Grenadiere einen aus der Deckung und Sanitäter können nun sogar gefallene Kameraden wiederbeleben. Zudem setzen die Gegner nun auch deutlich mehr auf Gadgets wie Drohnen, ferngesteuerte Autos und Geschütztürme. Gerade Solospieler müssen sich im Vergleich zum Vorgänger etwas umstellen, denn das verbesserte Feindverhalten führt spürbar zu einem höheren Schwierigkeitsgrad. The Division 1 wurde häufig für seine Gegner kritisiert, die ganze Magazine an Munition in sich aufsaugen, bevor sie das Zeitliche segnen. Zwar basiert das Kampfsystem auch in The Division 2 weiterhin auf RPG-Werten und Schadenszahlen. Trotzdem fallen normale Gegner nun deutlich schneller. Um dem Spieler dennoch starke Gegner entgegenzusetzen, haben die Entwickler diese Feinde in sichtbare Rüstungen gesteckt. In diese muss zunächst eine Schwachstelle geschossen werden, um Schaden an den eigentlichen Lebenspunkten zu machen. Das fühlt sich deutlich besser und realistischer an.
Waffen und Gadgets
Ein wichtiger Bestandteil in einem Loot-Shooter ist natürlich der Loot. Im Fall von The Division 2 sind das nicht nur Klamotten mit Stats, sondern auch jede Menge Waffen. Das Programm bietet eine Vielzahl an unterschiedlichen Modellen in bekannten Kategorien wie Sturmgewehre, Maschinenpistolen und Schrotflinten. Selbst innerhalb einer Waffengattung unterscheiden sich die Knarren in ihrem Handling voneinander. Jede mit ihren eigenen Vor- und Nachteilen. Zusätzlich lässt sich das Verhalten der einzelnen Waffen über Mods beeinflussen, die diesmal aber neben positiven Eigenschaften auch negative Auswirkungen haben. Das gibt dem Spieler viel Raum für Experimente, um für den eigenen Spielstil die richtige Balance zu finden. Neben Waffen und Rüstung wird die Ausstattung des Agenten mit seinen aktiven Fähigkeiten abgerundet. Zu den acht Basis-Skills gehören alte Bekannte wie der Geschützturm und der Schild sowie Neuzugänge wie die Drohne und der Chemikalien-Werfer. Jede dieser Fähigkeiten gibt es in drei oder vier verschiedenen Varianten, die ihre Funktionsweise teilweise erheblich verändern. So kann die Drohne zum Beispiel Bomben auf ein Zielgebiet abwerfen, mit einem MG einzelne Ziele unter Beschuss nehmen oder als Reparaturdrohne die Rüstung von Spielern "heilen". Zusätzlich lassen sich die Skills auch noch mit Mods ausstatten, was auch hier für vielfältige spielerische Entfaltungsmöglichkeiten sorgt. Außerdem schaltet man im Verlauf des Spiels verschiedene passive Talente frei. Diese sorgen für mehr Stauraum im Inventar, höheren Erfahrungspunktegewinn, Zugang zu Waffenmods und vielem mehr.

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