Zelda 2.0?

Hey, wir haben immerhin unseren Kontinent-Namen von ihnen inspiriert bekommen – griechische Götter! In deren Welt wirft uns Immortals: Fenyx Rising, frisch aus dem Hause Ubisoft, die nicht nur Entwickler, sondern auch Publisher sind. Was bietet uns die Welt rund um den vermeintlichen Untergang der griechischen Götterwelt? Wir haben uns dem epischen Abenteuer nur für euch gestellt!
Götter und Helden
Wer kennt sie nicht? Große Helden wie Herkules, Achilles oder Odysseus? Oder die bigger-than-human griechischen Götter. Ares, der die Hörner des Krieges bläst oder Hephaistos, dessen donnernde Hammerschläge selbst die Blitze des Zeus übertönen. Eine heile Welt, sieht man mal von den gelegentlichen Tier-Eskapaden des Göttervaters oder der ein oder anderen Sterblichen-Intrige anderer Unsterblicher ab. Allerdings steht eben diese Welt nun vor einem Problem: Typhon. Dieser rotäugige Diener der Titanen (die Typen, die vor den bekannten Göttern die Zügel in der Hand hatten) plant ziemlich koordiniert den Fall des Pantheons. Schlimmer noch: Er hat damit bereits fast Erfolg! Nur Zeus ist noch über und bisher verschont vom (Beinahe-)Vernichtungsfeldzug. Denn nicht einmal Typhon kann Götter töten. Stattdessen verwandelt er diese, damit sie keine Gefahr mehr für ihn sind. So sieht sich die arrogante Aphrodite in einen Baum verwandelt, der nur darauf aus ist, andere mit Äpfeln zu versorgen! Oder Athene, die Göttin der Weisheit und Strategie, die inzwischen nur noch ein kurzsichtiges Kind ist, das die großen Stärken der Göttin hinter sich gelassen hat. Verzweifelt wendet sich der Blitzwerfer an den letzten Vertrauten: Prometheus. Ihr wisst schon: Der Typ, der uns Menschen damals das Feuer brachte, und der dafür an einen Berg gekettet zuschauen darf, wie seine Leber jeden Tag von einem Adler gefressen wird. Man muss es ihm halt lassen, Zeus ist wirklich kreativ, wenn es um Bestrafungen geht. Prometheus rät ihm allerdings, sich auf die Sterblichen zu verlassen, auf die Menschen. Zeus hält nicht wirklich viel davon – wenn zuvor Helden wie Achilles gescheitert waren, wie sollten gewöhnliche Sterbliche dieses Problem lösen können? Prometheus erzählt ihm allerdings eine Saga, die ihn eines besseren lehren soll. Die Geschichte von Fenyx; eines jungen Menschen, der oder die an die Gestade der Götterinsel angespült wurde. Sterblich wie Fenyx war, lag doch Großes vor der/dem Krieger. Nicht weniger als die Rettung der griechischen Götter und Helden, um Typhon zu bekämpfen... Eine Geschichte für Legenden! Auch wenn Zeus noch immer so seine Zweifel hat...
The Legend of Fenyx?
Ihr habt es alle gehört: Mehr als genug Vergleiche zwischen Immortals und Breath of the Wild aus dem Hause Nintendo. Wie berechtigt sie sind? Schwierig. Von der Hand zu weisen sind viele Ähnlichkeiten wirklich nicht. Das Klettern läuft zum Beispiel absolut ähnlich – an fast allen Kanten und Klippen können wir hinauf klettern! Und auch Nahrungsmittel und Zutaten sammeln wir fleißig, um daraus Tränke zu brauen. Außerdem: Waffen! Aber fangen wir vorne an! Immortal: Fenyx Rising hat alles genommen, was Assassin Creed-Spiele richtig machen, und vermischt es mit der Fröhlichkeit, dem Espirt und der Quirrligkeit, die wir früher zum Beispiel bei den Spyro-Spielen empfunden haben! Denn wir retten vielleicht nicht gesamt Griechenland, wie wir es damals mehr oder weniger in Assassins Creed: Odyssey getan haben, sondern nur das blühende Heimatland der Götter. Das sieht recht unterschiedlich aus, je nachdem, in wessen Einflussbereich wir uns befinden... Aphrodite herrscht über immergrüne Täler, Ares' Heimat ist ein Flickenteppich aus Festungen, Hephaistos übersieht ein Land, in dem Werkstätten Rauch in den Himmel speien, und Athenas Land ist voller säulengengespickter Tempel. Diese Welt können wir ziemlich frei erkunden, nachdem wir uns durch einen überschaubar ausgereiften Charaktereditor geklickt und eine kurze Tutorial-Insel durchgespielt haben. Hier bekommen wir einen Vorgeschmack von dem, was uns im Laufe von Fenyx (Ich weiß, es heißt Immortal, aber jeder sagt immer nur Fenyx!) erwartet. Wir sammeln Ambrosia, Früchte und Metalle, erschlagen Gegner, schleichend oder ganz offen, und gleiten durch mythologisch-griechisch anmutende Landschaften. Die Welt von Fenyx ist voll von Sachen, die wir sammeln können – die einen nutzen wir, um unsere Ausrüstung zu verbessern, die anderen, um uns selbst zu verbessern. Mehr Leben, mehr Schaden, mehr Ausdauer, um zu klettern, wir können es möglich machen. Das ganze ist ein guter Anreiz, die farbenfrohe Welt zu erkunden! Für die extra Portion Zelda-Charme warten dann auch noch eine ganze Reihe Dungeons auf uns. Mal sind das Kampfchallenges, mal Rätsel, am Ende wartet aber immer einer von Zeus goldenen Blitzen auf uns. Was wir damit machen? Nur ein Beispiel dafür, wie wir uns selbst verbessern: Wir investieren Blitze an der Hantelbank des Göttervaters, um unsere Muskeln mit göttlicher Kraft aufzupumpen! Und schon haben wir einen Ausdauer-Balken mehr! Und so geht es dann weiter... Mit Ambrosia stärken wir unsere Lebenskraft, mit Charons-Münzen kaufen wir Upgrades für unsere Skills und Angriffs-Kombos und Obst pressen wir aus, um Heil-, Ausdauer-, Schild- und Angriffs-Tränke zu brauen. Einfach genug, nicht? Derart ausgestattet ziehen wir dann los, um ein Held zu werden. In den Fußstapfen der Legenden tun wir unser bestes, denn wenn die Götter sich nicht selbst helfen können, liegt es an uns. Unser Questlog füllt sich rasch mit Haupt- und Nebenquests. Mal retten wir Götter, mal erlegen wir legendäre Bestien, mal lösen wir Rätsel in der offenen Spielwelt. Die Rätsel sind nicht unendlich schwierig, bestechen aber mit einer gehörigen Portion an Kreativität! Denn zu unserem Arsenal gehören nicht nur uns Köpfchen und unsere Muskelkraft. Wir führen das Schwert des Achilles, den Bogen des Odysseus, die Axt der Atalante, die Armschützer des Herkules... Oder Herakles...? Ein -les auf jeden Fall! Und natürlich die Schwingen des Daidalos (nicht zu nah an Helios fliegen). Ausgestattet mit der vollen Portion Sagenkraft schleudern wir riesige Steine, teilen mächtige Hiebe aus und bewegen uns gleitend ziemlich rasch über die Insel. Das ganze ist ein flotter Spaß, der wirklich Spaß am Erkunden macht!
Vier Götter sollt ihr sein
Um Typhon aufzuhalten, braucht es die gesammelte Kraft von Athena, Aphrodite, Hephaistos und Ares. Nur doof, dass die Götter verhindert sind. Das Team von Ubisoft Montreal hat sich allerdings einiges einfallen lassen, die Geschichte um die Götterrettung unterhaltsam zu erzählen! Das beginnt bei der Inszenierung. Ares, der gefürchtete Gott des Krieges, der an vorderster Front in der Schlacht stehen sollte, wurde vom Titanendiener in einen Hahn verwandelt, der von Selbstzweifeln zerfressen ist. Wir geben ihm seinen Kampfgeist zurück! Und das tun wir mit butterweichen Animationen, die den Charme von Fenyx ausmachen. Unser Protagonist wirkt unglaublich sympathisch, hat keine Angst davor, ahnungslos zu sein und meine Güte! Fenyx ist das griechisch-mythologische Äquivalent eines Nerds! Kaum trifft er/sie auf einen Gott oder eine Göttin, sprudelt es heraus... Die großen Geschichten, die Legenden, die Eigenheiten, all das, was die Götter größer als alle Sterblichen macht! Und es fühlt sich einfach so unfassbar herzlich an. Wunderbare deutsche Synchronstimmen für unseren Hauptcharakter runden das Bild ab. Hey, ich war nicht immer voll mit an Bord, WELCHE Stimmen für die zahlreichen Figuren benutzt wurden. Aber die Synchronsprecher sind auch im Deutschen absolute Profis, die die volle Ladung Feeling mit rüberbringen! Kudos an die Leute, die sich um die Synchro gekümmert haben. Dazu gehört eine offene Welt, die wir einfach erkunden wollen. Viele Spiele wirken öde, leer, aber die Welt der Götter hat seinen eigenen Charme, mit dem uns nicht langweilig wird. Die begleitenden Dialoge, die klug geschrieben sind und zahlreiche Anspielungen auf mythologische Sagen beherbergen (die Entwickler haben wirklich ihre Hausaufgaben gemacht) tun ihr übrigens. Allein der Dialog zwischen Prometheus und Zeus, der unser Abenteuer stetig begleitet, ist es wert, gehört zu werden. Fenyx macht also so vieles richtig. Wir haben gute Dialoge, geschickte Voice-Actors, eine einladende Open World und selten wird uns in den rund 30 Spielstunden (plus minus) wirklich langweilig. Ein paar Seitenhiebe muss es aber trotzdem hinnehmen. Zum Beispiel, dass sich Ubisoft nicht vom Altbekannten trennen kann. Wieder erklimmen wir hohe Türme, um die Gegend auszukundschaften. Dieses Mal sind es vielleicht deutlich weniger, trotzdem bleibt der Trend. Mit einem mageren, eher öden Erkundungs-Feature vom Kopf eines Gottes hat man sich echt keinen Gefallen getan. Dazu kommt, dass manche Rätsel zwar auf dem Papier ganz cool klingen, die Physics-Engine aber nicht immer zu wissen scheint, was sie eigentlich machen soll. Das sorgt dafür, dass wir Rätsel gegentlich ein paar Mal neu starten müssen, bis sie genau so funktionieren, wie wir es gerne hätten (und es sich die Entwickler gedacht haben). Das sorgt aber nur für kleine Frustmomente. Insgesamt weiß das Abenteuer rund um Fenyx' Heldensaga zu überzeugen, mit klugen Sprüchen und mit wenig Langeweile.

Kommentar schreiben