Hackende Oma

DedSec-Agent Dalton Wolfe kann im letzten Moment eine Bombe im britischen Parlament entschärfen. Doch Grund zur Freude gibt es nicht, denn die Terrororganisation „Zero Day“ hat weitere Bombe in der Hauptstadt von Großbritannien platziert und lässt diese alle gleichzeitig detonieren. Es gibt tausende Tote und auch Herr Wolfe wird kaltblütig hingerichtet. „Herzlich“ Willkommen im dritten Watch Dogs Teil aus dem Hause Ubisoft!
Totale Überwachung
Nach diesem wendungsreichen Tutorial gibt es einen kleinen Zeitsprung: Die Stadt an der Themse wird komplett von der privat geführten Militäreinheit Albion überwacht. Zahlreiche Drohnen und Sectioncontrols lassen den gläsernen Menschen Realität werden. Ein Großteil der Londoner DedSec-Truppe wurde verhaftet oder getötet. Doch es gibt einen kleinen Hoffnungsschimmer: Als frisch erstellter Agent kann man tatsächlich jeden NPC in der offenen Spielwelt von Watch Dogs: Legion rekrutieren. Das klappt allerdings nicht rein digital, sondern erfordert etwas körperlichen Einsatz in Form einer Rekrutierungsmission. Mit jedem potenziellen DedSec-Agenten ist nämlich eine kleine Geschichte verbunden. Manchmal muss man bestimmte Daten von einem Server löschen oder eine Person aus dem Gefängnis befreien. Diese Missionen sind angenehm kurzweilig und belohnen einen mit teils sehr skurrilen Figuren. Da wäre zum Beispiel ein Magier, der mit seiner Spezialfähigkeit Gegner hypnotisieren kann. Man kann aber auch einen gut ausgebildeten Agenten, einen Bauarbeiter mit eigener Frachtdrohne oder eine robuste Oma anwerben. Die Möglichkeiten, die sich durch die jeweiligen Agenten ergeben, reichen von einfach nur witzig bis echt hilfreich. Einige verfügen nur über ein schnelles Auto, andere können auf größere Entfernung hacken oder im Kampf Verstärkung rufen. Natürlich hat jeder Rekrut ein individuelles Outfit am Start, welches man mit der Ingame-Währung „ETO“ aufpeppen kann. Ob und wann man mit einem anderen Agenten spielt, steht einem bis auf wenige Ausnahmen völlig frei. Grundsätzlich sind nämlich sämtliche Missionen mit jeder Figur lösbar, lediglich die verfügbaren Möglichkeiten werden beeinflusst. Mit gesammelten Technikpunkten schaltet man eine Reihe hilfreicher Extras frei, die jedem Agenten zur Verfügung stehen. Dazu gehören nicht-tödliche Waffen, eine Tarnvorrichtung, verschiedene Drohnen-Hacks und der Spider-Bot.
Diese kleine Roboter-Spinne kommt häufig zum Einsatz, da sie sich bestens zum Erkunden von Gebäuden eignet. Auch können Schlösser oder Computer mit diesem Gadget gehackt werden. An einigen Stellen weicht die Spinne einer gekaperten Drohne, mit der man unter anderem Fotos von Bauplänen oder anderen wichtigen Dingen schießt. Große Stadt - mauer Inhalt
Knapp 20 bis 25 Stunden nimmt die Kampagne, welche man ab Dezember auch im Koop bestreiten kann, in Anspruch. Die Storymissionen drehen sich um die Aufklärung des Komplotts und den mysteriösen Hacker Zero Day, der für die Attentate verantwortlich scheint. Wirklich spannend sind aber nur die letzten beiden Stunden und das actionreiche Finale. Auch die Qualität der Quests lässt zu wünschen übrig: Meist muss man Daten stehlen, ein System sabotieren oder schlicht eine Person abhören. Abwechslung wird auch bei den zahlreichen Nebenaufgaben klein geschrieben. Neben der Befreiung sämtlicher Bezirke Londons, was über kleinere Aufträge geschieht, können Lieferungen abgeliefert, zusätzliche Technikpunkte gefunden sowie Audio- und Textdateien mit Hintergrundinfos eingesammelt werden. Kampf der blöden KI
Im Kampf gegen Albion helfen die zahlreichen hackbaren Gegenstände in der Spielwelt. Auf Knopfdruck werden Autos ferngesteuert, Handys gestört, Schlösser geknackt oder harmlose Stromleitungen zu explosiven Fallen umfunktioniert. Darüber hinaus stehen mächtige „Fähigkeiten“ wie zum Beispiel Tarnung, lautlose Waffen und Drohnen-Hacks zur Verfügung. Dieses enorme Hilfsrepertoire senkt den Anspruch bzw. Schwierigkeitsgrad von Watch Dogs Teil 3 enorm. Zu allem Überfluss ist die gegnerische KI strohdumm und stellt nur in einer größeren Masse eine kleine Gefahr dar. Immerhin: Wurde Permadeath aktiviert, ist der Charakter unwiederbringlich weg, sofern man einmal versagt hat. Auf Wunsch kann man diese Option im Spiel abschalten, aber danach nicht mehr nutzen.
Unser Testvideo zur Watch Dogs: Legion


Trotz Raytracing keine Next-Gen-Optik
Watch Dogs: Legion sollte eigentlich schon im März erscheinen, doch nach dem (Launch-)Debakel um Ghost Recon Breakpoint wurde das Hacker-Abenteuer um mehr als ein halbes Jahr verschoben. Aus technischer Sicht war das definitiv die richtige Entscheidung. Die hauseigene Disrupt-Engine, welche bisher nur in den Watch-Dogs-Spielen zum Einsatz kam, liefert größtenteils scharfe Texturen und schicke Effekte ab. Vor allem das optionale Raytracing sieht fantastisch aus. Gelungen ist auch der generelle Aufbau der Stadt, denn viele Straßenzüge, bekannte Orte und Sehenswürdigkeiten wurden glaubwürdig nachgebildet. Ikonische Gebäude wie der Tower of London oder Buckingham Palace stehen am rechten Fleck und sehen schick aus. Weniger schön: Die hohen (PC-)Anforderungen, der hohe Recyclinganteil bei den Charaktermodellen, die zahlreichen Clippingfehler und die schwammige Fahrzeugsteuerung mit der Tastatur.
Die deutsche Synchronisation ist solide ausgefallen - aber nicht mehr.
Watch Dogs: Legion ist seit dem 29. Oktober 2020 für Windows-PC, Xbox One, PlayStation 4 und Google Stadia ab 39 Euro erhältlich.
Am 10. November 2020 folgt eine speziell angepasste Ausgabe für die Xbox Series X|S, ab dem 12. November 2020 gibt es eine herunterladbare Fassung für die PlayStation 5 und ab dem 24. November eine Boxed-Version für die neue Sony-Konsole - die kommt in Europa am 19. November 2020 auf den Markt.

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