Dieses Spiel war nie weg: Derzeit finden sogar die Weltmeisterschaften in Age of Empires 2 statt. Obwohl die Preisgelder viel kleiner als bei anderen eSports-Turnieren sind – selten ist für den Erstplatzierten einmal mehr als eine Summe im unteren vierstelligen Bereich drin – hat AoE2 eine treue Fangemeinde und eine Hand voll Vollzeit-Profis. Die im letzten Jahr veröffentlichte Definitive Edition, die das 20 Jahre alte Spiel auf Hochglanz brachte, gab einen zusätzlichen Beliebtheitskick. Auch die Tatsache, dass immer noch, bzw. wieder regelmäßig neue Patches kreiert werden, ist bemerkenswert und spricht für den Einfluss, den das Spiel hat. Das letzte lukrative Turnier war vor wenigen Wochen die Champions League, zu der der kanadische Spieler Hera eingeladen hatte. Nur die vier besten Spieler des Jahres nahmen teil: Neben Hera der Österreicher Liereyy, die norwegische Legende TheViper und die Nummer Eins aus China, Mr Yo. Wie von den meisten erwartet, entschiedet TheViper auch dieses Turnier am Ende recht deutlich für sich.
Da AoE2 so alt ist und viele Gamer eine persönliche Beziehung zu dem Spiel haben (all die schönen Stunden im dunklen Wald…), gibt es auch jede Menge hervorragende Inhalte auf Youtube, Twitch, Reddit und anderen Plattformen. Dort kann man verschiedene Strategien verinnerlichen (sogenannte Build Orders), sich über die Einsatzmöglichkeiten der Einheiten informieren oder die wichtigsten Hotkey-Kombinationen lernen. Hera scrollt etwa derzeit allein mit der Maus und die Scroll Commands komplett von der Tastatur entfernt. Viele Ranklistenspieler benutzen personalisierte Patches, die sie auf bestimmte Statistiken hinweisen (etwa die Anzahl an Dorfbewohnern ohne Beschäftigung). Zur spezialisierten Ausrüstung gehört auch eine Gaming-Maus, deren Seitentasten mit Commands belegt werden können (Hera benutzt etwa eine Steelseries Maus), und je nach Land ein VPN, um das ISP-Throttling zu reduzieren. Dies ist nicht unwichtig für Spieler in Ländern, deren Internetverbindung oft Einschränkungen unterworfen ist.
Dies ist nämlich eine weitere sympathische Besonderheit der AoE-Szene: Die bekannten Spieler kommen aus allen Regionen der Welt und nicht schwerpunktmäßig nur aus einer Region wie bei einigen anderen Spielen. Viele kennen sich untereinander und schauen sich beim Spielen zu, obwohl sie auf Turnieren gegeneinander antreten. Darüber hinaus ist die Community generationsübergreifend: Einige Spieler gehen noch zur Schule oder haben gerade – wie der norwegische Spieler MBL – mit der Uni angefangen (worüber er ab und zu im Chat plaudert). Andere wie der spanische Caster Memb sind bereits zweimal Vater geworden und waren bereits erwachsen, als die erste Version des Spiels herauskam. Age of Empires 2 ist das beste Beispiel dafür, dass Spiele mit einem genialen Konzept und ausreichend Komplexität durchaus „für die Ewigkeit“ sein können.

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