Ziel erreicht?

Die Sniper-Serie aus dem Hause CI Games hat eine lange und bewegte Zeit hinter sich. Aus dem trashigen Zwischendurch-Shooter ist mittlerweile ein ernstzunehmender AA-Titel geworden. Mit dem neusten Ableger „Contracts“ möchte man laut Entwicklerteam ein neues Kapitel aufschlagen. Ob das gelungen ist?
Lowlight Story
Auch bei der neusten Sniper-Episode bekommt eine flache Hintergrundgeschichte geboten: In Sibirien freut man sich über einen heldenhaft scheinenden Befreier, der sich aber schlussendlich auch als Tyrann entpuppt. Als Meisterscharfschütze soll man nun diesen Unterdrücker und seine Anhänger ausschalten. Mehr gibt es nicht zu erzählen. Das dünne Storygerüst dient schlussendlich nur als „Verbindungsmaterial“ für die 20 Missionen, welche knapp 15 bis 18 Stunden Spielzeit in Anspruch nehmen. Das alles fällt jedoch nicht allzu negativ ins Gewicht, da der Fokus ohnehin auf dem Spielgeschehen liegt. Schon kurz nach dem ersten Ladebildschirm wird die wichtigste Neuerung in Contracts bemerkbar: Entwickler CI Games hat sich nämlich von der häufig kritisierten Open-World-Mechanik aus Sniper Ghost Warrior 3 verabschiedet und setzt stattdessen auf insgesamt fünf größere Sandbox-Level mit jeweils mehreren Missionszielen. Das neue Leveldesign sorgt nicht nur optisch für mehr Abwechslung, sondern auch die Vorgehensweise ändert sich von Auftrag zu Auftrag. In nahezu jeder Mission gibt es mehrere Möglichkeiten, die vorgegebenen Ziele zu erreichen. In den meisten Fällen ist es sinnvoll, sich auf den Kern des Spiels zu konzentrieren - also das Agieren als Scharfschütze.
Pimp my rifle
Für erfolgreich abgeschlossene Missionen gibt es Geld, welches man in neue Gadgets oder das Verbessern seines Gewehrs investieren kann. So kann man zum Beispiel im Verlauf der Kampagne per Drohne Gegner markieren und diese mittels Geschützes ausschalten. Auf diese Weise ist es kein Problem, mehrere Feinde innerhalb kürzester Zeit auszuschalten. Dazu kommen noch diverse Munitionsarten. Es gibt zum Beispiel panzerbrechende Munition für Gegner hinter Wänden, EMP-Munition, um elektronische Geräte zu stören oder Köder-Munition, die Gegner die getroffene Stelle untersuchen lässt. Das Highlight ist und bleibt aber ein gezielter Slow-Motion-Kugelflug-Kill per Scharfschützengewehr. Die Schwächen
Auch wenn es beim Gameplay und der Präsentation merkliche Verbesserungen gegenüber dem Vorgänger gibt, kränkelt „Contracts“ nach wie vor an den üblichen Sniper-Krankheiten. Da wäre zunächst einmal die fehlende Abwechslung bei den Auftragszielen. In den meisten Fällen muss man einen Computer hacken oder -noch simpler- einfach nur eine Zielperson ausschalten. Aufgrund des immer gleichen Missionsaufbaus kommt nach ein paar Stunden das Gefühl der Eintönigkeit auf. Außerdem muss man sehr oft nach dem Abschluss eines Missionsziels an einen bestimmten Punkt der Map zurückkehren, was nicht selten in ebenso lange wie öde Gewaltmärsche ausartet. Ein Schnellreisesystem wäre an dieser Stelle sehr wünschenswert gewesen. Das letzte große Problem betrifft die gegnerische KI, die in vielen Situationen schlicht überfordert ist oder mit Aussetzern zu kämpfen hat. Und wenn wir schon am Meckern sind: Das Spiel ist kein Hingucker. Die Texturen sind matschig, die Grafikeinstellungen dürftig. Es gibt Settings wie „Nachbearbeitung“, „Shading“ und „Shader-Qualität“ mit Einstellungsmöglichkeiten von niedrig bis sehr hoch. Einstellungsmöglichkeiten für Ambient Occlusion oder Anti-Aliasing-Filter fehlen. Das macht Sniper Ghost Warrior Contracts nicht zwingend hässlich, wegen seiner überwältigenden Grafikpracht wird man es aber nicht installieren.
Sniper Ghost Warrior Contracts ist ab sofort für 23,58 Euro im Handel erhältlich. Den Shooter kann man auf der Xbox One, der PlayStation 4 oder am heimischen Windows-PC zocken. Als Altersfreigabe hat der Titel eine USK-18-Einstufung erhalten.

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