Saints Row - Test/Review
Bis zum Release von GTA 6 werden noch etliche Monate (wenn nicht sogar Jahre) vergehen. Um uns die Wartezeit etwas zu erleichtern hat Entwicklerteam Volition einen neuen Ableger der Saints-Row-Serie, der kleine Bruder von Grand Theft Auto, für PC und Konsolen veröffentlicht.
Von Christoph Miklos am 17.09.2022 - 03:28 Uhr

Fakten

Plattformen

Xbox Series S

Xbox Series X

PlayStation 5

PlayStation 4 Pro

Xbox One X

PlayStation 4

Xbox One

PC

Publisher

Deep Silver

Entwickler

Volition

Release

23.08 2022

Genre

Action

Typ

Vollversion

Pegi

16

Webseite

Media (22)

Bodenständiger und besser?

Bis zum Release von GTA 6 werden noch etliche Monate (wenn nicht sogar Jahre) vergehen. Um uns die Wartezeit etwas zu erleichtern hat Entwicklerteam Volition einen neuen Ableger der Saints-Row-Serie, der kleine Bruder von Grand Theft Auto, für PC und Konsolen veröffentlicht. Auf Aliens, Dildos und Superkräfte muss man aber verzichten. Eine gute Idee?

Back to the roots


Der neuste Saints-Row-Ableger fungiert als Serien-Neustart und ist im direkten Vergleich mit den Vorgängern deutlich weniger abgedreht. Doch keine Sorge: Der Humor bleibt definitiv nicht auf der Strecke. Nach einer längeren Introsequenz hat man Zugriff zum extrem(!) umfangreichen Charaktereditor. Dort kann man nach Lust und Laune einen mehr oder weniger abgefahrenen Helden erstellen. Danach startet das recht lange Tutorial, welches einen durch mehrere, lineare Levels schickt. Nach ungefähr zwei Stunden geht es richtig los in der offenen Spielwelt: Nach ein paar Überfällen gerät man zwischen die Fronten echter Gangsterbanden. Unser Alter Ego fasst nun den Entschluss, eine eigene Verbrecherkarriere zu starten. Man erpresst den örtlichen Immobilienmakler, um an eine alte Kirche zu gelangen, die als Hauptquartier dient. So entsteht auch der Bandenname „Saints“. Zu Beginn ist das „Team“ überschaubar: unser Charakter, ein immer mit nacktem Oberkörper auftauchender Partyhengst namens Kevin, Neenah, die ehemalige Fahrerin einer Gang, sowie der Nerd Elijah. Ein wichtiges Element der kriminellen Karriere des Quartetts: Man kann in allen Vierteln der fiktiven Wüstenstadt Santo Ileso eigene Gebäude errichten. Dazu muss man in der Kirche auf den sogenannten Imperiumstisch klicken. An mit Kringeln markierten Stellen kann man dann eine Festung oder eine Food-Truck-Zentrale errichten. Die Gebäude lassen sich dann weiter ausbauen, etwa indem man zu vier Food Trucks der Konkurrenz fährt, dort feindliche Gangmitglieder in Massengefechten über den Haufen schießt, den Truck kapert und zu einem selbst überstellt. Ist man erfolgreich, steigt das Einkommen und man kann mehr bauen und kaufen. Das System ist zwar nicht extrem innovativ, man hat aber stets das Gefühl, dass man sich immer mehr in der Stadt ausbreitet und wirklich ein kriminelles Imperium aufbaut. Neben dem Karriereausbau gibt es Zwischensequenzen, Hauptmissionen und massig Neben- sowie Sammelaufgaben. Unterm Strich bietet Saints Row hier mehr als ein typisches GTA, aber längst nicht so viel wie das typische Assassin's Creed.
Die Spielzeit lässt sich nicht genau beziffern. Liegt aber im Bereich zwischen 30 und 50 Stunden. Zeitersparnis gibt es zwar mittels Schnellreisefunktion, doch geht einmal eine Mission schief, muss man, aufgrund wenig verfügbarer Checkpoints, mit massig Zeitverlust rechnen. Das hätten die Entwickler besser lösen können bzw. müssen.

Abwechslung?


Die Einsätze sind nur bedingt abwechslungsreich, da man die meiste Zeit über einfach nur zahlreiche Feinde abknallen oder mit einem Auto von A nach B fahren muss. Die Missionen sind nicht ganz so aufwendig in Szene gesetzt wie einige Jobs in GTA 5, aber es gibt teils herrlich schrägen Humor. Lediglich die langen Ballereinlagen in einem Geschütz hätten ruhig kürzer ausfallen dürfen. Oft schießt man minutenlang auf heranstürmende Gegner, die nicht wirklich eine Herausforderung darstellen. Ein Punkt, der uns in Saints Row nicht so gut fällt wie in GTA 5 (oder früheren Spielen), ist die in der Wüste um einen See gelegene Metropole Santa Ileso. Auch nach vielen Spielstunden hatten wir nicht das Gefühl, die Stadt irgendwie verstanden zu haben. Statt eines klaren Zentrums gibt es nur kulissenhafte Straßenzüge, durch die man mehr oder weniger oft fährt. Die Kampagne ist Solo und im Zweier-Koop mit jederzeitigem Drop-in/Drop-out spielbar.

Technik


Ein Augenschmaus ist der Saints Row Reboot nicht geworden. Vor allem unter Tags sieht die Spielwelt arg mau aus, was vor allem an den wenig spannenden Details und matschigen Texturen liegt. Nachts sieht der Titel, dank der schicken Lichteffekte, etwas besser aus. Das Fahrverhalten der Autos ist einfacher und viel stärker auf Action ausgelegt als in GTA. Ungewollte Überschläge und ähnliches gibt es tatsächlich gar nicht - pures Arcade-Gameplay. Die Technik der PC-Version hinterlässt Bauchschmerzen: Trotz, der bereits erwähnten Matschtexturen, aufploppenden Elementen in der Ferne und „stationären“ Explosionen kommt es selbst auf einem High-End-Rechner immer wieder zu Leistungseinbrüchen. Wir rechnen mit massig Updates. Thema Musik: Es gibt, ähnlich wie in GTA, diverse Radiosender zur Auswahl. Leider spielen diese nur mistige C-Klasse-Tracks. Das Spiel ist am 23. August 2022 erschienen, und zwar für PlayStation 4 und 5, Xbox One und Series X/S sowie für Windows-PC (49,95 Euro). Es gibt nur eine englische Sprachausgabe - deutsche Untertitel sind verfügbar, diese sind aber auch bei langsamer Einblendegeschwindigkeit (regelbar in den Optionen) noch etwas zu schnell - wer allen Dialogen folgen will, muss hier durchaus mit Problemen rechnen.

Fazit & Wertung

Grafik
Sound
Bedienung
Spielspaß
Atmosphäre
Multiplayer
Preis/Umfang
81%

Christoph meint: Humor reicht nicht immer aus!

Man muss die alten Saints-Row-Ableger nicht mögen, doch meine Wenigkeit hatte immer sehr viel Spaß mit dem übertriebenen Gameplay. Der Reboot kann ebenfalls an einigen Stellen (große Spielwelt, interessanter Hauptcharakter, stellenweise echt witzige Missionen) überzeugen, doch man hat stets das Gefühl, das sich die Entwickler, aufgrund der ernsteren Grundstimmung, immer wieder selbst ausbremsen mussten. Dazu kommt die Tatsache, dass der Titel mehr Zeit und Budget benötigt hätte. Die Optik ist, trotz des soliden Engine-Grundgerüstes, arg mau, die Tracks absolut lieblos gewählt und über die zahlreichen Bugs wollen wir gar nicht erst anfangen zu schreiben. Wirklich schade, denn das Spiel hat echt Potenzial.

Richtig gut
  • große Spielwelt
  • toller Charaktereditor
  • launiger Einstieg
  • massig Haupt- und Nebenmissionen
  • großzügige Möglichkeiten, Chaos zu veranstalten
  • gelungenes Gunplay
  • viele Fahrzeuge/Fortbewegungsmittel
  • Raytracing Ambient Occlusion
Verbesserungswürdig
  • gesamt maue Technik
  • echt schwache Tracks
  • einseitiges Missionsdesign
  • einige Missionen wiederholen sich zu oft
  • heftige KI-Aussetzer
  • gefühlt endlose Gegnerwellen
  • zu wenige Checkpoints in den Missionen
  • Bugs(!)
Anforderungen
PC (Minimum):
• Prozessor: Intel Core i3-3240 oder AMD Ryzen 3 1200
• Arbeitsspeicher: 8 GB
• Festplattenspeicher: 50 GB
• Grafikkarte: NVIDIA GeForce GTX 970 oder AMD Radeon RX 480
• Grafikspeicher: 4 GB

• Microsoft Xbox One (X) Konsole
• Sony PlayStation 4 (Pro) Konsole
• Microsoft Xbox Series X|S Konsole
• Sony PlayStation 5 Konsole
Getestet für
PC

1 Kommentar

Alex Cruba vor 10 Tagen

Ihr vergleicht allen Ernstes Spiele einer 200 Mann Softwareschmiede (236/2021) mit Rockstar (2000+/2020)?

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