Härter als DS?

Endlich ist es soweit! Team Ninja und Koei Tecmo haben die Gebete (oder viel mehr das Wimmern) der Souls-like hungrigen Gamerwelt erhört. Endlich können wir uns in Nioh 2 wieder durch das nicht ganz korrekt-historische Japan geschnetzelt werden. Und da der zweite Teil als Prequel dient, muss man sich nicht mal durch Nioh gebissen haben, um der “Story” folgen zu können.
Groß, böse, Yokai
Fernab der Fantasywelt eines Dark Souls existieren noch weitere Welten. Wie eingangs erwähnt, spielt Nioh 2 auch diesmal wieder in Japan, allerdings im 16. Jahrhundert. Wie vielleicht aus dem Geschichtsunterricht bekannt, lag Japan zu diesem Zeitpunkt in einem langwierigen Bürgerkrieg. Aufgrund der Gewalt, der Leichen und der Tatsache, dass Nioh 2 nicht zu 100% geschichtlich korrekt ist, kommen auf den Schlachtfeldern nun auch noch Dämonen dazu. Diese heißen in Nioh 2 Yokai und reichen von kleinen Kobolden bis hin zu riesigen spinnenähnlichen Monstern. Wie für ein Souls-like Titel typisch, will uns eigentlich alles, was uns in den Missionen über den Weg läuft, sei es menschlicher Natur oder Yokai, ans Leder. Aber nicht alle wollen uns tot sehen. Es gibt auch einige Mitkämpfer, die selbst Yokai sind oder solche, die uns etwas geben. Plottwist: Unser Held ist übrigens ebenfalls ein halber Yokai und trägt einen der bekanntesten Namen in der japanischen Geschichte: Toyotomi Hideyoshi. Ebenfalls neu ist, dass wir nun nicht mehr mit einem vorgefertigten Charakter wie im ersten Teil spielen, sondern uns den relativ umfangreichen Charaktereditor zunutze machen. Ich bin mit einem Charakter auf Tour gewesen, der aussieht wie ein bekannter Hexer. Mehr sage ich nicht. Am Interface hat sich bisweilen nur wenig geändert. Oben links wird uns Leben, Ki und Anima angezeigt. Anima spiegelt dabei die Kraft wieder, mit der wir auf unsere Yokai-Kräfte zugreifen. Dazu später mehr. Ebenfalls erhalten geblieben ist das Stance-System, welches dem Spieler die Möglichkeit bietet, seine Waffen in verschiedenen Haltungen zu führen. Niedrige Haltung gleich weniger Ki-Verbrauch, aber auch nur niedriger Damage. Mittlere für moderaten Ki-Verbrauch und moderaten Damage und hohe Haltung für hohen Ki-Verbrauch und hohen Damage. Nioh 2 ist ein Spiel, welches die Spieler mit seinen Möglichkeiten teilweise erschlagen kann. Die Charakterentwicklung ist vollkommen frei. Es gibt keine Grundklassen, welche Stats beeinflussen. Habt ihr Bock auf Onmyo-Magie? Dann haut die Punkte in Magie. Wollt ihr viel Ausdauer, dann ab in Herz mit den Punkten. Auf eine Sache sollte man aber dennoch achten: Das Spiel umfasst neun verschiedene Waffentypen( Katana, Odachi, Speer, Doppelaxt, Gleve und so weiter) und jeder Waffentyp skaliert besser mit einem der Attribute. Ein Speer profitiert zum Beispiel am ehesten vom Wert Konstitution, während das Odachi eher durch den Wert Stärke profitiert. Dies sind allerdings nur Richtwerte. Weiterhin bekommt der Spieler je nachdem, welche Waffe er gerne spielt, Fähigkeitspunkte. Diese können dann in einem eigenen Talentbaum in neue Fähigkeiten investiert werden. Dazu kommen dann aber auch noch vier Unterbäume, welche sich nicht auf die Waffen beziehen, aber ebenfalls sehr interessante Fähigkeiten freischalten können. Diese Kategorien wären: Ninja, Samurai, Magie und Metamorph. Hier können Angriffe von hinten, erhöhte Ki-Regeneration, Shuriken oder auch die Verbesserung der Yokai-Fähigkeiten freigeschaltet werden. Welchen Skill auch immer man nimmt, man merkt den Unterschied sehr schnell, am Damage Output und an den zusätzlichen Animationen.
Da ist ja noch was in mir drin
Kommen wir zu einer wichtigen Neuerung: Die Verwandlung in einen Yokai und die Seelenkerne. Auch in Nioh gab es schon Yokai. In diesem Fall aber als Yokai-Schutzgeister, welche in eure Waffe gefahren sind, diese verstärkt haben und nicht als eigenständige... Transformation? Mutation? Wie man es auch immer nennen mag! Die Yokai-Schutzgeister, welche wir nutzen können, unterscheiden sich natürlich. Es gibt den Wildling, das Phantom und den Brecher. Je nachdem, was ihr wählt, unterscheiden sich die Attacken und das Aussehen in der Yokai-Form. Zusätzlich bekommen wir im Laufe der Story auch noch viele andere Yokai-Schutzgeister an unsere Seite gestellt, welche allesamt unterschiedliche Stats verbessern. Soweit bekannt. Jetzt haben sich die Jungs von Ninja Theorie aber gedacht: “Das ist noch nicht genug. Wir bauen noch Seelenkerne ein!” Seelenkerne sind sozusagen die Herzen der besiegten bösen Yokai. Diese bringen auch nochmal ihre eigenen Stat-Verbesserungen mit sich und können in doppelter Form ausgerüstet werden. Außerdem können durch die Seelenkerne Yokai-Signature-Attacken durchgeführt werden. Hier wird dann auf einmal ein riesiger Speer geworfen oder Feuersäulen erschaffen. Aber warum das Ganze? Die Gegner sind in Nioh 2 nämlich nicht einfach nur in der Lage euer Ki wegzubursten und euch in einer Kombo umzuhauen. Nein, wenn ihr ihnen lange genug auf den Zeiger geht, greifen sie euch mit einer Wuchtattacke an. Diese Angriffe sind so stark, dass ihr bei einem Hit sehr wahrscheinlich viel Leben verliert, bis hin zum Tod oder euer gesamtes Ki einfach aufgebraucht wird. Ergo steht ihr mit heruntergelassenen Hosen hechelnd vor nem riesigen Yokai und bekommt dann irgendwas Großes ins Gesicht geklatscht. Da wir das aber nicht so einfach mit uns machen lassen, können wir durch unsere Yokai-Kräfte dem Ganzen aber etwas entgegensetzten. Und zwar: Den Wuchtkonter. Dieser hilft dabei, dem Yokai Schaden zuzufügen. Aber viel wichtiger ist, dass wir so eine gehörige Menge Ki-Schaden beim Gegner anrichten. Und daraufhin können wir Yokai ordentlich eins auf die Mütze geben. Die verschiedenen Formen (Wildling, Phantom, Brecher) haben aber unterschiedliche Timings, wodurch bei einem Yokai-Wechsel erstmal Verwirrung aufkommt. Aber warum das Ganze? Will Ninja Theorie uns Nioh 2 einfacher machen? Haben sie sich etwa Gedacht: “Es tut uns leid...”
… dass du so schlecht bist!!!
Legenden erzählen sich davon, wie sich die Entwickler zusammensetzten und überlegten, wie man am besten Einsteiger vergraulen und Dark Souls wie einen tollen Sommernachtstraum aussehen lassen könnte. Entwickler A: “Hey, wie wäre es, wenn wir direkt im ersten Level einen Gegner einbauen, welcher unglaublich stark ist? So circa 20 Level zu hoch.” Entwickler B: “Das ist wirklich eine super Idee. Aber wie wäre es, wenn wir diesen Gegner direkt nach zwei Minuten auftauchen lassen, ohne dem Spieler zu viel zu erklären.” Entwickler C: “Ja, das klingt super. Aber wir lassen den Spielern offen, ob sie den Gegner besiegen oder nicht. Sagen aber keinem, dass er optional ist.” (Diabolisches Lachen) So ungefähr stelle ich mir zumindest immer wieder die Gespräche vor. Damit will ich sagen: Nioh 2 ist hart! Knallhart! Nioh 2 verzeiht noch weniger Fehler als Nioh und Dark Souls in Kombination. Wenn wir hier von einer Lernkurve reden, starten wir bei 75 und sind innerhalb von 2 Stunden bei 150 angekommen. Lässt man sei Ki aus den Augen und setzt die Impulse zum Wiederherstellen nicht richtig, stirbt man. Wird man getroffen und geht zu Boden, kann es sein, dass eine Follow Up-Attacke folgt und man stirbt. Achtet man nicht auf seine Umgebung, bekommt man nen Schlag von hinten, steht auf einmal in Feuer, Gift oder weiß der Yokai was, und natürlich kann man auch noch in Tümpel oder von Klippen fallen. Nioh 2 verzeiht, wie gesagt, nichts. Es erwartet die volle Konzentration des Spielers und es ist nicht immer einfach. Man kommt sich manchmal sogar unfair behandelt oder frustriert vor. Es ist definitiv nur ein Spiel für Genre-Masochisten. Aber was unterscheidet Nioh 2 eigentlich noch von den From Software-Titeln, abgesehen vom nochmal höheren Schwierigkeitsgrad? Da wäre zuallererst das Leveldesign. Wo Dark Souls oder Sekiro eine Open World geboten haben, gibt es in Nioh 2 abgetrennte Level. Diese werden durch die Sequenzen zwar eindrucksvoller miteinander verknüpft, bauen aber nicht ganz so viel Faszination auf wie die anderen Titel. Grafisch ist Nioh 2 alles andere als schlecht. Es macht wirklich viel Spaß, sich in den Gebirgen, Dörfern oder Schlössern rumzutreiben. Die Effekte sind hübsch anzusehen und auch die Animationen machen einen wunderbaren Eindruck. Ausgezeichnet und extrem passend ist übrigens die Sounduntermalung. Diese passt einfach perfekt zum Setting. Ein großer Kritikpunkt ist leider, dass bereits in Kapitel Vier Level aus dem ersten Teil wiederverwertet werden. Sorry Team Ninja, das ist ein No Go.

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