Endlich geht es los

Der Imperator ist tot. Lang lebe der Imperator. Die Imperatoren? Und die ganzen Könige und... Okay, glaubt mir, die politische Lage in Calradia ist kompliziert. Deswegen tut Mount & Blade II: Bannerlord das einzig richtige: Es schickt uns auf die Bühne. Einmal Heerführer zum Mitnehmen, bitte. Also sind wir ausgeritten, um zu sehen, was Entwickler und Publisher TaleWorlds Entertainment da in den Early Access geschickt hat.
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Mount & Blade ist auch in der zweiten Runde ziemlich sandbox-y angelegt. Auf einer Karte mit dutzenden Städten, Burgen und Dörfern machen wir also im Grunde, was wir wollen. Wir handeln, kämpfen und führen an. Auf der Weltkarte schicken wir unsere Gruppe von Stadt zu Stadt und von Kampf zu Kampf. Wird es dann ernst, wechseln wir in die Third Person-Perspektive. Der Kampf läuft weitestgehend wie im ersten Teil ab: Uns stehen verschiedene Waffentypen zur Verfügung, mit denen wir aus vier Richtungen angreifen und abwehren können. Bestenfalls blocken wir also feindliche Hiebe und sind schnell genug, unsererseits Treffer anzubringen. Aber hey, Mount & Blade dreht sich ja nicht nur um uns, sondern auch um unsere Armee! In Dörfern und Städten können wir zahlreiche verschiedene Truppentypen rekrutieren, die in Schlachten nur auf unser Kommando hören. Während wir also um unser eigenes Überleben kämpfen sorgen wir auch für die richtige Schlachtaufstellung, bringen Fernkämpfer in die besten Positionen, bilden Schildwälle mit der Infanterie und flankieren Gegnerformationen mit flinker Kavallerie. Das kennt man so schon aus dem Vorgänger. Ist Mount & Blade II also einfach nur eine Grafikmod? Nein. Also wirklich... Mitnichten. Viele echt gute Ideen...
TaleWorlds hat einiges verändert. Zum Beispiel haben wir mehr Möglichkeiten, um mit NPCs zu interagieren. Oder unsere namhaften Gefährten, die wir auf unseren Reisen treffen! Die sind nicht mehr nur starke Kämpfer in unserer Streitmacht, sondern nehmen inzwischen wichtige Funktionen in unserem Clan (okay, darauf komme ich gleich zurück) ein.Wenn wir für unser Königreich in den Krieg ziehen wollen, tun wir das jetzt nicht mehr nur in ungeordneten Haufen, sondern mit einer zusammenhängenden Armee, in die wir NPC-Heerführer einladen können (oder selbst beitreten). Erinnert ihr euch noch an das Level-System des Vorgängers? Wir erschlagen Leute, bekommen ein LevelUp und verteilen Punkte. Auch Bannerlord gibt uns Punkte, die wir in verschiedene Stats stecken können, geht aber inzwischen mehr den Bethesda-Way of life. Benutzen wir häufiger Einhandwaffen, können wir für diese Waffengattung auch mehr Perks wie höheren Schaden freischalten. Bezirzen wir mit dem Überredungs-System NPCs, steigt dafür unser Charisma-Skill und wir können auf Perks zurückgreifen, die uns mehr Einfluss über andere erlauben. In sechs Stats stehen uns nun 18 Perkbäume zur Verfügung, in denen wir auf fast jeder Stufe einen von zwei Perks wählen. Aber nicht nur wir! Nein, auch die Mitglieder unseres Clans. Unser Clan ist die Sippe von Wahlbekanntschaften, die wir uns im Laufe unserer Abenteuer anlachen. Die haben ihre eigenen Charaktersheets und eigene Kulturen, die im Early Access zumindest ein wenig Einfluss auf das Spiel haben. Erobern wir zum Beispiel eine Burg in Imperiumsgebiet, sind die Einheimischen eher unzufrieden, wenn man einen Gouvernor mit anderer Kultur an ihre Spitze setzt. Dafür können Clan-Mitglieder für uns eigene Streitmächte aufstellen oder zum Beispiel Handelskaravanen anführen. So ergeht es auch all den anderen NPCs in der Welt. Statt einzelner Heerführer zieren Clans das Antlitz von Calradia und seine Königreiche. Wenn ein Clanführer einem Königreich beitritt, tut das der gesamte Clan! Dazu kommen mehr RPG-Elemente und ausgebautere Quests, die im Vorgänger eher clunky Zierde waren. Allerdings funktionieren die nun nicht immer, denn... Naja. Nächster Abschnitt. … die aber stellenweise noch in den Kinderschuhen stecken
TaleWorlds Entertainment hat verflixt gut vorgelegt mit dem zweiten Teil der Mount & Blade-Saga und viel gutes umgesetzt. Trotzdem, bei allen Neuerungen, Bannerlord ist ein Early Access-Titel. Wer also ein rundum fertiges Spiel erwartet, kann sich auf eine Enttäuschung einstellen. Die Hauptstory hat schlicht einen Punkt, an dem sie nicht weiter voranschreitet. Und viele der Dialogoptionen haben nur Platzhalter! Wenn wir einen potenziellen Gefolgsmann fragen, was seine Geschichte ist und er antwortet „This is a generic backstory“, dann ist das enttäuschend, aber man kann noch darüber hinwegsehen, genau wie über die momentan noch begrenzte Auswahl an Schlachtkarten. Unerträglicher und gefährlicher sind dann aber die technischen Schwierigkeiten. Ich bin ein Glückskind. Ich hatte kaum bis gar keine Probleme. Ein, zwei Abstürze. Manch andere Spieler berichten aber von größeren Problemen. FPS-Drops, die das Spiel unspielbar machen. Memory, der sich in Schlachtszenen ins Unendliche volllädt und das Spiel zum Erlieren bringt. Und darüber kann man dann kaum hinwegsehen. Das sind Probleme! Das sind Early Access-Macken. Macken, die den Spielspaß runieren. Hier muss der Entwickler noch ordentlich anpacken. Und dann gibt es ja vielleicht auch irgendwann eine deutsche Version.

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