Maues Jahr?

Im Jahr 2020 kann man eigentlich auf nichts vertrauen - wäre da nicht EA. Denn wenn man nach einer Sache jedes Jahr aufs Neue die Uhr stellen kann, dann sind es die Sportsimulationen aus dem Hause Electronic Arts. Aber auch EA hat unter besonderen Umständen arbeiten müssen und deswegen wird sich herausstellen, ob Madden NFL 21 eine Weiterentwicklung, eine Stagnation oder eine Rückentwicklung erfährt.
Legacy Edition?
Kommen wir erstmal zum Grundsätzlichen: Madden NFL 21 erleidet keine Rückentwicklung. Aber Madden NFL 21 fühlt sich irgendwie sehr vertraut an. Das liegt daran, dass EA Tiburon keine Revolution des Spiels herbeiführt, sondern eher das Drehen an den richtigen Schrauben durchgeführt hat. Die wichtigsten Modi sind natürlich wieder vertreten. Neben dem Franchise, was im Endeffekt dem Karriere-Modus gleich kommt, gibt es Face of the Franchise, ein Äquivalent zum Journey-Modus aus Fifa, und auch den neuen The Yard-Modus, welcher am ehesten als Volta-Modus im Football-Gewand verstanden werden kann. Der Yard-Modus spielt sich sehr arcadelastig und die Teams bestehen auch nur aus sechs Spielern. Es wird hier um Punkte gespielt und nicht auf Zeit. Alles in allem ist The Yard ein kurzweiliger, witziger Modus welcher neuen Wind ins Altbekannte bringt. Der Franchise-Modus hat sich nicht großartig verändert. Wir coachen ein Team, spielen Trainingseinheiten wenn wir wollen, traden Spieler und spielen die Season. Erwähnenswert ist, dass die Spieler für jede Aktion XP erhalten und somit ihre Werte gesteigert werden können. Aber gerade bei Superstars wie Patrick Mahomes braucht es dafür viele Spiele. Immerhin verspricht der Modus aber 100+ Spielstunden. Das war’s dann auch schon und fühlt sich leider nach einer EA-typischen Legacy Edition an. Immerhin wurde noch an der Präsentation gefeilt. Es gibt neue Pre-Game Videos zu Beginn eines Spiel, Fangesänge für die Atmosphäre und immer mal wieder Einblendungen, zum Beispiel wenn ein Touchdown erzielt wurde. Kommen wir jetzt aber zu Face of the Franchise. Hier muss ich leider sagen, dass mir dieser Modus am wenigsten gefallen hat. Wir erstellen hier unseren eigenen Spieler, entdecken eher zufällig unsere Affinität für Football und müssen uns ganz nebenbei noch mit einem extrem nervigen Kontrahenten rumschlagen, der an einem Herzfehler leidet und fast kollabiert, aber wegen den Scouts spielen will. Ich dachte bisher, dass die Spike Lee-Story aus dem Titel NBA 2K16 hanebüchen war. Aber hier hat anscheinend das Kind von Spike Lee und Uwe Boll das Drehbuch geschrieben. Man kann zwar verschiedene Positionen, wie Quarterback, Wide Receiver oder Running Back, ausprobieren, aber im Endeffekt ist der Quarterback die beste Position in diesem Modus. Ein anderes großes Manko von Face of the Franchise ist, dass wir nicht mehr eine komplette Saison spielen, sondern nur noch die Highlights.
Immerhin ist das Spielsystem im Grunde immer noch super und hat ein paar Detailverbesserungen erhalten.
Alte Schrauben neu justiert
Kommen wir auf die Detailverbesserungen der einzelnen Bereiche wie zum Beispiel der Offense zu sprechen. Bei Rush Formationen wird schnell klar, dass mit dem Running Back mehr Skillmoves aneinander gereiht werden können oder aber, dass bei Pass Formationen die Receiver nach erfolgreichem Catch wesentlich besser den Lauf in die Endzone timen. Dies liegt mitunter an der verbesserten Receiving-Mechanik, aber auch an der leicht verbesserten KI. Das in Madden NFL 20 eingeführte X-Faktor-System hat zum Abschluss auch nochmal eine Verbesserung erfahren. Das X-Faktor-System ermöglicht es, für Starspieler bestimmte Fähigkeiten zu aktivieren, nachdem wir ein bestimmtes Ziel abgeschlossen haben. Das große Problem ist hier nur leider, dass sich das ganze System ab und an zu mächtig anfühlt. Im letzten Jahr war es so, dass ihr bei der Steuerung heftig auf eine Taste hämmern musstet, um den Verteidiger des Quarterbacks abzuschütteln. In der 2020-Version wurde dies überarbeitet und jegliche Aktionen werden über Bewegungen durch den rechten Analogstick ausgeführt. Außerdem halten sich eure Defense-Spieler nun noch mehr an ihre Positionen und versuchen noch hartnäckiger die gegnerische Offense von einem First Down abzuhalten. Insgesamt fühlt sich vor allem die Steuerung mit dem rechten Analogstick sehr gut an und hat mir einige Sacks gegen den gegnerischen Quarterback eingebracht.
Frostbite Engine
Der Look von Madden NFL 21 ist weiterhin ausgezeichnet. Die Frostbite Engine, die seit 2018 verwendet wird, zaubert super flüssige Bilder auf den Platz. Auch die Spielermodelle unterscheiden sich sichtbar voneinander. Die Kollisionsabfrage ist vollkommen okay und fast jeder Tackle tut schon beim Zusehen und Hören weh. Auf der Downside sei bemerkt, dass die Laufanimationen mitunter künstlich wirken und die Frostbite Engine immer noch keine Haare darstellen kann. Außerdem, wie wir es aus vielen anderen Sportspielen kennen, prasseln aus den Mündern der Kommentatoren sehr häufig dieselben Sätze. Das ist aber leider ein Ärgernis, das bereits seit Jahren besteht. Extrem positiv ist in meinen Augen der Soundtrack. Meistens aus dem Bereich Hip-Hop kommend, passt dieser ausgezeichnet zu Madden NFL 21.
Erwähnt werden sollte auch, dass es noch Online-Modi wie Ultimate Team und Superstar Knockout gibt. Ultimate Team besteht, wie aus FIFA bekannt, aus dem Zusammenstellen eines Teams, mit dem wir anschließend Coins erspielen. Superstar Knockout ist eher ein Modus für schnelle Spiele gegen menschliche Kontrahenten. Man wählt aus drei Superstars aus und muss dann entweder in der Offense oder der Defense agieren. Obwohl ich zuweilen wirklich schlecht bin, hatte ich hier eine Menge Spaß.
Madden NFL 21 ist seit dem 28.08.2020 für Sony PlayStation 4 und Microsoft Xbox One ab 53,75 Euro im Handel erhältlich.

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