Schwere Kost?

Es ist immer aufregend, wenn Paradox Interactive mit einem neuen Grand Strategy-Titel um die Ecke kommt. Vor ein paar Jahren haben wir den Weltraum in Stellaris erobert, nun geht es zurück auf die Erde. In die Antike, um genau zu sein! Imperator: Rome ebnet uns den Weg, ein Weltreich zu errichten. Mal wieder, nicht? Wir haben uns angeschaut, was das römerlastige Spektakel alles zu bieten hat!
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Während ich diese Zeilen schreibe, schließt sich meine römische Faust ganz allmählich um die Balkanhalbinsel. Wenn jemand ein paar Jahrhunderte vor Christus rote Adler-Banner gebrauchen kann, dann wohl die – hauptsächlich, weil ich an anderen Fronten feststecke. Einst war Makedonien ein Problem. Das Nachfolgereich Alexanders des Großen beherrschte große Ländereien östlich von Rom und war mit der Supermacht Ägypten verbündet. Heute stehen alle Bürger Hellas unter römischer Herrschaft. Wenn es um Handelsverträge geht, mach ich mich zuerst bei Karthago beliebt. Die mögen mich, und ich will, dass es genau so bleibt. Einmal haben sie mich schon herausgefordert und haben dafür ganz Sardinien und große Teile Südfrankreichs eingebüßt. Aus einem marmorgesäumten Palast in Rom heraus schicke ich die Söhne von Bauern, Patriziern und Senatoren aus, um in Ländern zu sterben, von denen sie vorher noch nie gehört haben. Ihr habt euch gefragt, ob wir auch einen Blick auf Imperator: Rome, vom schwedischen Publisher Paradox Interactive werfen? Als würde ich mir das entgehen lassen! Ich mach mein eigenes Spiel, mit Senatoren und Barbaren
Haben sich das die Entwickler von Imperator: Rome gedacht? Gut möglich. Nach einem extrem holprigen Start mit massiven Bugs, Abstürzen und Multiplayer-Problemen werfen wir immer mehr Blicke auf das Antike-zentrierte Grand Strategy Spiel und kommen zum Schluss: Irgendwie kennen wir das alles schon. Tatsächlich spielt sich Imperator: Rome, als hätte man Crusader Kings und Europa Universalis mit ein paar ihrer DLCs einen Abend lang unbeaufsichtigt gelassen. Voila! Schon sind wir stolze Römer, erlassen Gesetze und hadern mit Armeen die nicht uns, sondern ihrem General gegenüber loyal sind. Wer sich ein wenig mit römischer Geschichte auskennt, weiß, dass das nicht gut ausgehen kann. Allerdings sind Paradox-Titel gigantisch. Wie gesagt, der Start war holprig. An Multiplayer-Partien war dank ständiger Desyncs anfangs gar nicht zu denken. Aber ist das Spiel an und für sich selbst schlecht? Nicht wirklich. Imperator: Rome nimmt Elemente aus früheren Paradox-Titel und bastelt daraus eine ganz eigene Experience. Zum Beispiel haben wir eine allgemeine Übersicht für unser Reich, samt Beziehungen und militärischer Stärke. Aber auch unser derzeitiger Spielcharakter und dessen Werte und Eigenschaften spielen Crusader Kings-mäßig mit in den Mix. Das kann sehr viel Spaß machen und ich treibe auch noch mit Begeisterung die Grenzen meines Imperiums in alle Richtungen voran. Allerdings kommen von zahlreichen Paradox-Fans Beschwerden. „Warum soll ich [insert Paradox-Titel] ohne DLC spielen?“ Aber eben dieser Mix aus bekannten Mechaniken verschiedener Spiele macht mir momenten einen enormen Spaß! Nebene Rom sind Barbaren nochmal eine ganz andere Schule – denn wieder können wir beinahe alle Fraktionen spielen, die auf der Karte zu finden sind. Wie ausgearbeitet die dann sind, sei mal dahingestellt. Sollen sie über die Alpen kommen?
Paradox-Veteranen könnte folgender Satz reichen: „Es ist alles, wie gehabt.“ Denn tatsächlich schwächelt Imperator: Rome an den gewohnten Baustellen, die Paradox-Spiele mit sich bringen. Warum gibt man uns die Errungenschaften vergangener Titel nicht schon jetzt? All die DLCs werden wieder in den Wind geschossen und wir dürfen uns der zweifehalften Freude über zukünftige, kostenpflichtige Updates hingeben. Auch die gewohnte Unüberischtlichkeit ist wieder mit von der Partie. Es gibt ein Tutorial, aber erwartet bloß nicht, dass euch hier alles erklärt wird. Wären wir inzwischen nicht absolute Experten für Paradox-Titel, hätten wir hier echte Probleme gehabt. Trotzdem hat man hier einiges getan. Nette Kombinationsideen aus früheren Spielen und neue Kampfanimationen. Am Ende gilt für Imperator: Rome eben das gleiche Prinzip, wie für andere Paradox-Teile: Gedulded euch, wenn ihr könnt, oder springt direkt ins Geschehen, wenn ihr als Veteranen ohnehin wisst, was euch erwartet. Denn die Entwickler arbeiten ziemlich fix daran, alle Fehler auszubessern. Patch um Patch werden so die größten Kritikpunkte behoben. Dazu kommen allerdings die üblichen Übersetzungsfehler („Ein Tochter wurde geboren!“) und eben die genannten Abstürze zum Release. Bis heute sind nicht alle Macken komplett ausgebügelt. Warum also will ich Imperator: Rome nicht total in die Hölle für Paradox-Titel stoßen?

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