Taktische Gore-Action

Es ist das Schreien von Kettensägen, das Brüllen von Monstern und das Crescendo von Waffen. Ausnahmsweise rede ich mal nicht von Warhammer 40k, sondern von den Gears. Ihr wisst schon – of War! Die Entwickler Splash Damage und The Coalition haben den blutig-brutalen Third Person Shooter in die Welt des rundenbasierten Squad-Fights geworfen und Tadaaa! Xbox Game Studios hat's gepublisht. Buckle up, boys and girls! Wir jagen Locusts.
Diese eine Mission
Eigentlich haben wir es hinter uns gelassen, die Kriege der Menschen zu kämpfen. Schließlich sind wir Gabe Diaz. Ein hervorragender Gears, der eine strahlende Karriere vor sich hatte! Bis zu dieser einen Mission. Gatka Ridge. Gute Soldaten starben und wir hatten genug. Also haben wir uns versetzen lassen, weit weg von der Frontlinie, ins Maschinendepot. Statt hitzigem Gemetzel gab es für uns Schmiere, Schraubenschlüssel und röhrende Motoren. Bis zu dem Tag, an dem die Erde brennen sollte. Ein orbitaler, weltweiter Schlag gegen die aus dem Untergrund strömenden Locusts! Wir saßen bereits in unserem bequemen Bunker, nur um den Anruf für eine letzte Mission zu bekommen. Wenige Stunden vor dem Vernichtungsschlag sollten wir hinaus, um ein Dossier zu holen. Aber letzte Missionen laufen nie so, wie sie geplant wurden, nicht? Der Hammer kam und wir leben noch – genau wie die Locusts. Wann endet es schon? Inmitten einer verbrannten Erde jagen wir ein letztes Ziel, ein letztes Monster, einen letzten Locust: Ukkon! Einen grausamen Locust, dessen einziges Ziel darin zu bestehen scheint, neue Monstrositäten auf uns loszulassen und gezielt alle Menschen zu töten, denen er habhaft werden kann. Gut, dass wir keine leichten Ziele und nicht alleine sind. Auch wenn er eine ganze Armee aus grotesken und schwer zu tötenden Untergrund-Monster-Soldaten zur Verfügung hat, hat sich Ukkon mit uns auf jeden Fall keine einfachen Gegner gemacht. Denn wir sind Gears. Wir machen aus jedem einen Gear
Es braucht nicht mehr als ein Kettensägen-Sturmgewehr, um einen Locust zu töten. Aber es braucht eine gute Strategie, um eine ganze Armee zu erledigen! In Gears Tactics bringen wir diese Strategie als Spieler mit an den Tisch. Mit unserer Gruppe aus bis zu vier Soldaten starten wir im X-Com-Style in Missionen, lassen unsere Männer und Frauen von Deckung zu Deckung huschen und nehmen Gegner einen nach dem anderen aus. Jeder Schuss hat eine bestimmte Chance zu treffen, die durch verschiedene Faktoren beeinflusst wird: Steht das Ziel selbst in Deckung? Ist es die passende Entfernung für die Waffe, die wir benutzen? Und haben wir vielleicht sogar einen Buff oder Debuff? Dazu kommt noch eine ausgesuchte Auswahl an Nahkampfmöglichkeiten und Exekutions. Mit denen geben wir angeschlagenen Gegnern den Rest und motivieren unsere Gears dazu, einen extra Aktionspunkt diesen Zug zu haben. Nice! Aber nicht jede Schlacht wird in unserem Zug entschieden. Reaktionsschüsse, wie man sie aus genreverwandten Spielen kennt, sind in Tactis von entscheidender Bedeutung. Klar, wir könnten einem Gegner in unserem Zug Schaden zufügen. Aber wir könnten ihn auch einfach mit unserem kegelförmigen Reaktionsschuss abdecken und darauf warten, dass er sich selbst aus seiner Deckung bewegt. Im bestenfalls unterbrechen wir dabei sogar seine Bewegungen und lassen ihn auf freiem Feld stranden. Ein gefundenes Fressen für andere Gears! Zwischen den Missionen sorgen wir dafür, dass unsere Soldaten auch die passende Feuerkraft haben. Jede unserer Klassen, vom Gatling-schwingenden Heavy bis zum Support, der für Heilung und mehr Aktionspunkte sorgt, kann in vier Richtungen geskillt werden mit den Punkten, die wir für erfolgreiches Aufleveln spendiert bekommen. Aber was wäre ein Gear ohne seine Waffe? Und seine Stiefel. Seine Rüstung. Seinen Helm! Wirklich. Hears Tactics gibt uns eine riesige Menge an Ausrüstungsoptionen. Zählen wir alle Waffenslots und Rüstungsoptionen mit, hat jeder Gear rund zehn Slots, die wir managen. Dazu kommen noch optische Einstellungen und plötzlich ist jeder Soldat ein Micromanagement on it's own. Apropos optische Optionen: Gears Tactics gibt uns die Möglichkeit, ALL unseren Soldaten und Soldatinnen Bärte zu verpassen. So beard's up!
Ein paar Ladehemmungen
Bärtig wie wir sind können wir dann ein wenig ins Detail gehen. Gears Tactics bringt nicht unbedingt viele neue Ideen mit an den Tisch, sondern setzt einfach andere Schwerpunkte. Mehr Nahkampf mehr Skill-Möglichkeiten, als wir es von anderen Titeln des Genres kennen. Das fühlt sich gut an! Nur manchmal geht es dann doch einen Schritt zu weit. Ich bin kein Neuling zu diesen Spielen, aber selbst ich war und bin stellenweise noch erschlagen durch die Flut an Waffenmodifikationen, die zu häufig kaum Unterschied machen. Statt 5% bekomme ich 7% Krit-Chance? Das hätte man mir auch übersichtlicher sagen können. Außerdem hätten die Waffenmods ein paar mehr Modelle gebrauchen können. Die Synchronisation ist gut, scheitert aber etwas am unterwältigenden Plot. Diaz als Cop... Ich meine... Als Gear, der nur noch einen letzten Auftrag erledigen will, verfällt ziemlich schnell von „Ich will das alles nicht mehr“ zu „Hey, eigentlich ist das gar nicht so übel, lass noch ein paar mehr Leute zu Soldaten machen“. Aufgemerkt: Ich schriebe diese Zeilen vor der Veröffentlichung von Gear Tactis und an diesem Punkt existiert weder eine deutsche Sprach- noch Textausgabe. Dazu kommen viele Kleinigkeiten. Die Sichtlinien unserer Soldaten sind oft nur schwer nachzuvollziehen (ernsthaft, warum kann mein Scharfschütze über den hüfthohen Zaun schauen, aber nicht über den hüfthohen Zaunpfahl?). Aber hey, das gilt auch für unsere Gegner. Mehr als einmal hat ein Locust mich versucht mit einer Granate zu treffen, die irgendwo an einer Grafikkante hängen geblieben ist und wirkungslos explodierte. Ich bin mir unsicher, ob das gewollt ist. Grafisch haut uns Gears Tactic zwar nicht vom Hocker, kann sich aber trotzdem sehen lassen. Schade nur, dass es in einem der Gears-typischen Bereiche dann doch schwächelt: Beim Gore. Unsere Gegner zerfliegen nicht nur bei Kettensägen-Angriffen in kleine Einzelteile, sondern auch bei jeder Explosion. Allerdings geschieht das ganze so steif, dass es zuweilen wirkt, als hätten wir Spielzeug-Locusts kaputt gemacht. Das generös verteilte Blut ändert daran nicht unbedingt viel. Aber die Karten sind (überwiegend) wirklich hübsch geworden!
Vom Schwierigkeitsgrad fühlt sich Gears Tactics ausgeglichen an, bietet uns allerdings auch unterschiedliche Grade an. Metzelaction für jedes Skilllevel!

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