Absturz

Das Entwicklerteam BioWare hat sich mit Spielen wie Dragon Age, Star Wars: Knights of the Old Republic und -natürlich- der Mass-Effect-Triologie einen Namen innerhalb der Gamer-Community gemacht. Doch nach dem enttäuschenden Mass Effect: Andromeda aus dem Jahre 2017 blätterte etwas vom glanzvollen „Ruhmlack“ ab. Mit dem Loot-Shooter Anthem wollte das Entwicklerteam an die alten Erfolge anknüpfen. Ob das gelungen ist?
Die Geschichte
Eine der größten Stärken von BioWare ist Storytelling, doch genau in diesem Punkt versagt man in Anthem. Die Geschichte ist arg generisches SiFi-Blabla: Man schlüpft in die Rolle eines Freelancers und bekämpft die Armee des Dominion - grausame Eroberer aus dem Norden, deren Anführer „Monitor“ heißt. Mal von ein paar wenigen guten Zwischensequenzen abgesehen, muss man einen Großteil der Handlung in öden Kodextexten nachlesen. Auch bei den zahlreichen Dialogen ist man von BioWare Besseres gewohnt. Die meisten Gespräche sind komplett belanglos und auch die gelegentlichen Multiple-Choice-Antworten ändern an dieser Tatsache nichts. Auch wirken sich die Antworten überhaupt nicht auf den restlichen Verlauf der Kampagne aus. Immerhin: Als Solospieler kann man die Plaudereien mit Dauerklicken verkürzen. Dreh- und Angelpunkt sämtlicher Missionen ist der interaktive Hub „Fort Tarsis“. Das ist die Festung der Menschen, in der man mit NPCs spricht und dabei Aufträge erhält. Um die anderen Figuren zu erreichen, muss man allerdings immer und immer wieder in der Ego-Perspektive die gleichen Räume abklappern und dann auf der Übersichtskarte nachschauen, ob sich als Folge des einen Dialogs vielleicht irgendwo anders ein neuer aufgetan hat. Kurz gesagt: Ein langweiliger „Walking-Simulator“, der in den ersten Gameplay-Videos deutlich interessanter wirkte.
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Tony Stark wäre stolz
Nach den ersten Kritikpunkten kommen wir nun zum Highlight in Anthem: Den rasanten Kämpfen. Im neusten BioWare-Werk kämpft man nämlich nicht nur mit einfachen Waffen, sondern schlüpft in einen mächtigen Javelin-Anzug. Derzeit gibt es vier verschiedene Typen, die mit unterschiedlichen Fertigkeiten daherkommen. Zum Beispiel „ballert“ man als Storm mit Elementarkräften auf den Feind ein - als Interceptor geht es in den Nahkampf. Abseits dieser Spezialfähigkeiten gibt es auch klassische Wummen wie Schrotflinten, Maschinenpistolen und Massen an Scharfschützengewehre. Schade: Hier hätten wir uns etwas mehr Abwechslung gewünscht. Um schnell zu den verschiedenen Missionspunkten zu kommen, fliegt man in bester Iron-Man-Manier durch die Gegend. Das macht auch noch nach etlichen Stunden sehr viel Spaß, was an der präzisen Steuerung liegt.
Die Kämpfe sind schnell und oft chaotisch, aber zumindest im Team nur selten eine Herausforderung - während unserer Testzeit von knapp 25 Stunden sind wir auf dem mittleren Schwierigkeitsgrad gerade einmal dreimal gestorben. Wer es richtig schwierig mag, kann neben den drei von Anfang an bereitstehenden Stufen übrigens auch ab Level 30 in drei sogenannten „Großmeister“-Schwierigkeitsgraden antreten. Diese erfordern aber lediglich einen höheren Skill-/Item-Level - Änderungen an den Missionen wie zum Beispiel in Destiny 2 gibt es nicht. Das Endgame von Anthem ist derzeit noch arg überschaubar: Es gibt kein PvP, keine Raids und nur drei „Dungeons“. Pay-to-Win spielt in dem Spiel übrigens keine Rolle, alle kaufbaren Extras sind nur kosmetisch und haben keine spielerischen Auswirkungen.
Grundsätzlich kann man alle Missionen in Anthem allein angehen, aber eigentlich ist Anthem ein Koop-Spiel, in dem nur gegen computergesteuerte Gegner gekämpft wird - Player-versus-Player (PvP) gibt es gar nicht. In der Praxis funktioniert das System sehr gut, allerdings kommt dabei so gut wie keine Kommunikation zwischen den unbekannten Spielern auf. Das Matchmaking weist einem andere Spieler automatisch zu. Mit denen steuert man die jeweils vorgegebenen Ziele an, schalten dort alle Feinde aus und sammelt am Bildschirmrand vorgegebene Ressourcen oder drückt mal einen Schalter - Tiefgang sieht anders aus. Ein großes Problem von Anthem sind die häufigen und zuweilen recht langen Ladezeiten. Eine kleine Übersicht: Es gibt eine lange Ladezeit beim Spielstart. Es gibt eine recht lange Ladezeit vor jeder Mission und sogar zwischen den Abenteuern gibt es kurze „Pausen“. Nach Beendigung eines Auftrags gibt es ebenfalls einen Ladebildschirm. In einigen Fällen nimmt die Gesamt-Ladezeit mehr Zeit in Anspruch als die eigentliche Mission. Das muss unbedingt gefixt werden!
Wo es ebenfalls Ladezeiten gibt: Beim Betreten der Schmiede in Fort Tarsis. Hierbei handelt es sich um ein Computerterminal, über das man die Javelins sowie Waffen und Extras verwalten und ausrüsten kann. In Anthem gibt es keinen Talentbaum für den Charakter, stattdessen laufen alle Verbesserungen über stärkere Kampfgeräte sowie über zusätzliche Optionen am Javelin, etwa indem man zusätzliche Gewehre an ihm anbringen kann. In der Schmiede wählt man außerdem aus, welchen der Javelins man im Einsatz verwenden möchte.
Unser Testvideo zu Anthem


Technik
Anthem basiert auf der hauseigenen Frostbite-Engine und zaubert auf jeder Plattform eine hübsche Grafik auf den Monitor. Der außerirdische Planet punktet mit einer hohen Weitsicht, knackigen Texturen und einer bildhübschen Unterwasserwelt. Während der Kämpfe bekommt man flüssige Animationen extrem schicke (Kampf)Effekte zu Gesicht. Ein Nachteil der Grafikpracht sind die oft langen Ladezeiten. Neben deutscher Sprachausgabe gibt es auch zuschaltbare Untertitel in unterschiedlichen Größen, wahlweise steht die englische Tonspur zur Verfügung. Nach aktuellem Stand sind keine kostenpflichtigen Erweiterungen, Season- oder Battle-Pass-Angebote geplant. Ab März 2019 soll es kostenlose Zusatzinhalte geben.

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