War Hospital - Test/Review
Gefühlt habe ich in den letzten Monaten viele meiner Tests mit irgendeiner Einleitung zu den Weltkriegen angefangen.
Von Lars Hack am 29.01.2024 - 15:48 Uhr

Fakten

Plattformen

Xbox Series S

Xbox Series X

PlayStation 5

PC

Publisher

Nacon

Entwickler

Brave Lamb Studio S.A.

Release

11.01 2024

Genre

Strategie

Typ

Vollversion

Pegi

12

Webseite

Preis

39,90 Euro

Media (9)

Wären da nicht die Bugs...


Gefühlt habe ich in den letzten Monaten viele meiner Tests mit irgendeiner Einleitung zu den Weltkriegen angefangen. Tatsächlich war es aber eigentlich nur Companies of Heroes. Dieses Mal nähern wir uns dem Thema etwas anders: Statt unseren Fokus auf die Frontlinien zu legen, gehen wir dieses Mal hinter die eigenen, mit War Hospital von Entwickler Brave Lamb Studio.

Sanitäter!


Der Name des Spiels ist Programm: Im Krieg, der eigentlich alle Kriege beenden sollte, starben hunderttausende Soldaten, gefangen zwischen den labyrinthischen Schützengräben, die sich an den Frontlinien entlang zogen. Unser Job ist es dafür zu sorgen, dass es ein paar weniger sind, wenn das Morden in ganz Europa vorüber ist. Dafür übernehmen wir die Kontrolle über ein Krankenhaus der britischen Armee. Hinter der eigenen Front, in zerbombten Straßen, zwischen zerschossenen Häusern, errichten wir unser Lager, finden Platz für unsere Sanitäter, schaffen Kapazitäten für Operationssäle, Krankenzimmer und Vorratslager. In den Wirren des Krieges sorgen wir für den Nachschub an Material für die Verletzten, senden so manche Soldaten nach Hause und am Ende doch so viele wieder zurück an die Front. Wir müssen aber immer dran denken: nur weil wir Leben retten, läuft es im Leben (und vor allem im Krieg) nie fair. Wir verlieren Soldaten auf dem OP-Tisch. Die Materialien sind knapp. Unsere Teams ausgebrannt, überarbeitet, am Ende. Es gibt selten genug Betten für alle. Wer darf seinen Weg in unser Hospital finden? Wen lehnen wir ab? Wer wird zurück in den Fleischwolf der Gräben geschickt, wer hat überhaupt eine Chance? War Hospital fängt die Atmosphäre, die Ausweglosigkeit, die Herausforderungen gut ein, gibt uns immer wieder das Gefühl, etwas hinterher zu sein. Krieg eben. Zumindest haben wir ein paar Berater an unserer Seite und zu Beginn noch ein wenig Hoffnung, dass wir möglichst viele retten können. Aber reden wir mal über die Spielmechaniken.

Das Spiel mit der Uhr


Ein Krankenhaus inmitten eines Krieges zu leiten verlangt uns vor allem eines ab: Planungsgeschick. Zwei zentrale Mechaniken des Spiels werden uns direkt zu Beginn, im recht detaillierten Tutorial, vorgestellt. Zum einen wären da unsere Gebäude, darunter zum Beispiel Krankenlager, der OP, Unterkünfte für unsere Mitarbeiter, Lager für Materialien und, leider auch, der Friedhof. Viele dieser Gebäude haben nur einen begrenzten Platz. Für den steten Nachschub an Verletzten, die uns von der Front aus zugesandt werden, haben wir nicht immer freie Betten, geschweige denn OP-Räume. Und selbst wenn uns mal nicht der Platz ausgeht, müssen wir immer noch unsere zweite Ressource im Auge behalten. Das sind natürlich unsere Mitarbeiter. Sanitäter, Ärzte, Krankenschwestern, sie alle sind, trotz ihrer Expertise, eben vor allem eines: Menschen. Und als solche haben sie leider weder die Fähigkeit, an zwei Orten gleichzeitig zu sein, noch rund um die Uhr und ohne Pause zu arbeiten. Wir müssen also geschickt Personal auf verschiedene Stationen verteilen, immer wieder prüfen, welches Team unbedingt eine Pause braucht und entsprechend umschichten. Wenn wir unsere Mitarbeiter überstrapazieren, fallen sie danach umso länger aus – was schnell zum ersten Dominostein werden kann, der unser Kriegskrankenhaus zum Einsturz bringt. War Hospital ist dadurch ein Spiel, in dem wir oft verschiedene Timer im Auge behalten, zum Beispiel für die Dauer von Operationen. Kaum ist der eine Patient vom Tisch, kommt der nächste drauf, ein Team muss hier ausgewechselt werden, ein neues Gebäude dort; denn auch Ingenieure stehen unter unserem Kommando, um das wachsende Krankenhaus, naja, beim Wachen zu helfen. Überlebt ein Soldat schließlich die widrigen Bedingungen im Lazarett, müssen wir entscheiden, was mit ihm geschieht: geht es zurück in die Gräben, übergeben wir den Soldaten ans Kommando oder schicken wir ihn heim. Alles drei bringt uns eigene Vorteile, wodurch gesunde Soldaten zu etwas wie unserer Krankenhaus-Währung werden. Soldaten an der Front wehren den Feind ab und reduzieren in Zukunft eintreffende, neue Verwundete. Das Kommando spendiert uns Anforderungsscheine, mit denen wir neue Vorräte per Zug ankommen lassen (dazu gleich mehr). Und schicken wir Soldaten nach Hause, steigt die Moral. Gutes Stichwort: Sinkt die Moral auf null, fällt die Front und damit auch unser Krankenhaus. Die Soldaten halten also die Front, wir aber eine dünne Linie der Hoffnung. Moral sinkt aber auch, wenn wir Soldaten im Krankenhaus verlieren. Damit das hoffentlich nicht passiert, brauchen wir immer wieder Ressourcen. Diese können wir bis zu einem gewissen Grad selbst herstellen, müssen aber auch immer wieder auf die Anforderungsscheine und den regelmäßig eintreffenden Güterzug verlassen. Damit wir uns nicht zu sehr auf unserem Erfolg ausruhen, wenn wir mal einen guten Lauf haben, hält War Hospital auch einige Zufallsevents für uns parat. Zum Beispiel könnte der Doktor während einer OP einen Weg sehen, die OP schneller, aber auch für den Patienten gefährlich durchzuführen. Normalerweise würdet ihr darauf vielleicht nicht zurückgreifen, aber wenn eure Krankenstube voll ist und mehrere weitere Soldaten kurz davor stehen, die Front von unten zu sehen, geht ihr das Risiko eventuell ein, um schnell den Operationstisch freizubekommen. Solche Events gibt es immer wieder, Flüchtlinge brauchen Hilfe, Ressourcen gehen verloren, Teams erschöpfen und schon trifft eine neue Ladung Verwundeter von der Front ein.
Nur ein weiterer Tag für uns als Kommandant des Krankenhauses.

Med Punk


Die größte Stärke von War Hospital ist zweifellos die Atmosphäre. Verwundete schreien, unsere Teams eilen über die Plätze und Event folgt auf Event. Während des Tutorials fühlen wir uns noch recht sicher, aber schnell holt uns der Kriegsalltag ein. Vielleicht müssen wir Verwundete ablehnen, wissend, dass sie sterben. Haben wir wirklich Platz für Flüchtlinge, die Hilfe brauchen? Eine Entscheidung jagt die nächste und schnell fallen einem Spiele wie Frost Punk ein, die uns auch, wann immer etwas gut lief, mit einem Schlag in die Magengrube dämpften. Die - auschließlich - englischen Sprecher unserer Ratgeber tun ihr Übriges, um die Atmosphäre zu tragen. Der großartige Christopher Tester, den wir erst vor kurzem in Warhammer 40k: Rogue Trader, hören durften, spricht auch hier mit. Allerdings gibt es eben nur die englische Sprachausgabe, wer die deutsche Experience will, muss sich auf die Texte verlassen, die immer wieder mit Macken auffallen. Ein Dorn in der Seite einer guten Atmosphäre. Dazu kommt leider auch das größte Manko an War Hospital: Die Bugs. Entwickler Brave Lamb Studio hatte eine großartige Idee mit dem Spiel, sich aber mit den Bugs aber selbst Steine in den Weg gelegt. Immer wieder werden unsere Anweisungen nicht richtig ausgeführt. Es kommt zu Abstürzen. Einmal wurden neue Verwundete deswegen nicht zu uns geliefert, weil eine Spielfigur im Weg der Transporter stand. Ergebnis: Spielstillstand. Und selbst wenn Verwundete ankommen, sieht das Spiel manches Mal leere Betten als belegt an. Auch ärgerlich: Die eigentlich sehr stimmigen Cutscenes fallen oft mit FPS-Drops auf. All diese Dinge können an und für sich bereits frustrierend sein, dazu kommt aber auch, dass War Hospital ohne Autosave auskommen muss. Wenn das Spiel aufgrund eines Bugs mal hängt und nichts mehr geht, haben wir hoffentlich rechtzeitig gespeichert und verlieren nicht zu viel von unserem Fortschritt. Wenn ihr also bereits spielt: Speichert! Speichert! Speichert!
Optisch macht es dafür einiges her (wenn sich NPCs mal nicht über die Füße laufen). Die ausgebombten Straßen wirken realistisch und unsere Krankenhäuser, sowie die Menüs und Organisations-Tabellen, glänzen mit Details, wie dem Look von altmodischen Krankenakten.

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