Back to the roots

Es gibt diese Spiele, welche mich in Erinnerungen schwelgen lassen. Erinnerungen an eine Zeit, in der man mit seinen Freunden zusammen rausgegangen ist, Fußball gespielt oder Skateboard gefahren ist. Die Zeit, in der das Internet noch nicht so groß war und durch Skateboard-Legenden wie Tony Hawk oder Rodney Mullen endgültig der große Hype gekommen war. Eine Zeit voller Fliptricks, Grinds, Manuals und guter Musik. Aber auch eine Zeit, in der wir uns regelmäßig hart auf die Nase gelegt haben. Das ganze war aber noch schöner und besser, als im Jahr 1999 Tony Hawk’s Skateboarding erschienen ist.
Die gute alte Zeit
Das Remake von Tony Hawk Skateboarding, welches jetzt unter dem Namen Tony Hawk’s neu veröffentlicht wird und den ersten sowie den zweiten Teil beinhaltet, macht vor allem eines: Mich glücklich. Das Remake ist nämlich genau das, was ich gehofft habe. Eine eins zu eins Umsetzung der Playstation-Klassiker! Wie im Original schmeißen wir uns auf Maps wie Warehouse oder Burnside in die Verts und nutzen wie damals unsere Flips, Grasb, Grinds und Spezialtricks, um ellenlange Kombos anzuhäufen und eine Punkteflut nach der anderen zu schaffen. Punkte im Bereich der 500.000 sind absolut keine Seltenheit und fühlen sich einfach gut an. Die Steuerung ist weitestgehend wie im Urspiel: Durch die X Taste setzten wir zu einem Olli an und mit Viereck werden Fliptricks gestartet, wie zum Beispiel ein Kickflip oder ein Impossible. Über die Kreis-Taste können Grabtricks und über die Dreieck-Taste Grinds ausgeführt werden. Neu hinzugekommen ist der Reverse, welcher euch nun auch im Anschluss an einen Grab in der Vert den Manual danach ansetzen lässt. Selbst die Missionen sind weitestgehend gleich. Auch in Tony Hawk’s Pro Skater 1+2 müssen wir die berühmte Buchstabenkombination S-K-A-T-E einsammeln oder Polizeiautos durch Grinds zerstören. Gepaart mit einem sehr nostalgischen Soundtrack (ja es sind einige der alten Songs vorhanden) kommt hier ein wirklich geiles Gefühl auf. Ebenfalls wieder versteckt sind die Videotapes, welche uns dieses mal aber nicht die Einspieler zu einigen der enthaltenen Pros zeigen. Hierfür müssen innerhalb beider Spiele alle Stat-Punkte gesammelt werden. Was die Auswahl an Profis angeht wurde aber ordentlich nachgebessert. Neben den Legenden wie Tony Hawk, Rodney Mullen oder Eric Koston gesellen sich nun auch Stars der Neuzeit. Hierzu zählen unter anderem Nyjah Huston oder aber auch Tonys Sohnemann Riley Hawk. Schön finde ich es, dass auch weibliche Profis mit aufgenommen wurden, wie etwa Leticia Bufoni oder Aori Nishimura. Ebenfalls hat es der “Baue deinen Park”-Modus wieder in das Spiel geschafft und kann für viele Stunden unterhalten, wenn man sich wirklich damit beschäftigen will.
Die gute neue Zeit
Da wir hier ja ein Remake erhalten, sollten wir auch die Grafik nicht vernachlässigen. Zuerst kommen wir auf die Skater an sich zu sprechen, welche wir zu Beginn unserer Tour auswählen. Hier sieht man schon das die Grafik nicht unbedingt schlecht ist, aber auch nicht auf dem Niveau eines Modern Warfare spielt.Das ist jedoch komplett vergessen, wenn wir uns erstmal in den einzelnen Leveln befinden. Alleine Warehouse sieht so unglaublich toll aus. Aufgebrochener Zement, abgenutzte Rails, die einfallenden Lichter und die Animationen der Skater. Mir ist die Kinnlade runtergeklappt, nach dem ich die Skater im Hauptmenü gesehen habe. Es ist einfach nur schön. Dazu wie bereits erwähnt, die Untermalung durch alte und neue Tracks, welche absolut stimmig sind und jede einzelne Session zu einem riesigen Spaß werden lassen. Auch andere Teile des Spiels haben eine Frischzellenkur erhalten. Wir verdienen nun mit jedem abgeschlossenen Run Erfahrungspunkte und steigen so im Level auf. Nebenbei können wir Challenges erledigen, welche sich von Skater zu Skater unterscheiden und die zusätzliche XP und Geld bringen. Die Erfahrungspunkte erhöhen aber nicht nur unseren Level, sondern mit dem Levelaufstieg werden nach und nach Items im Skateshop freigeschaltet. Diese sind rein kosmetischer Natur, bieten aber durch offizielle Brands einiges an Individualisierungen. Vertreten sind Marken wie Birdhouse, Nike, Adidas oder Blind. Auch in neue Tattoos kann investiert werden. Jetzt fragt ihr euch sicherlich: “Ja geil, wir können die Skater individualisieren?”
Ja und nein ist darauf die Antwort. Ihr könnt nicht die Skater individualisieren, sondern euren Skater. Damit meine ich, dass es einen Charaktereditor gibt. Wir dürfen jetzt nämlich unser digitales Ebenbild oder nicht Ebenbild ins Spiel bringen. Der Editor fällt nicht sonderlich umfangreich aus, was ich persönlich sehr schade finde, aber er ist ausreichend genug, um einen Skater zu erstellen den man mag. Diesem dürft ihr dann Kleidung kaufen, Tattoos an den Körper klatschen oder euer Board verändern. In meinen Augen geht nichts über den Blind Reaper. Natürlich wurde Tony Hawk auch ein Onlinemodus spendiert. Der Modus, den ich spielen konnte, nannte sich Jams. Hier tritt man gegen andere Spieler in verschiedenen Minispielen an. Eines dieser Games nannte sich Graffiti. Wir mussten Tricks auf der Map ausführen. Bei Erfolg wurde der Spot/Rail/Ramp dann in unseren Farbe geändert und signalisiert so, dass wir hier nen Trick gemacht haben. Diese Bereiche können uns aber durch andere Spieler wieder geklaut werden. Ein anderes Minispiel war das Erreichen einer bestimmten Punktzahl oder so viele Punkte wie möglich in einer bestimmten Zeit zu machen.
Bail? Was ist das?
Um es einmal zu erklären: Ein Bail ist in etwa ein Sturz. Jemand, der sich auf die Fresse packt. Und hier soll es eigentlich um die Probleme gehen, welche im Tony Hawk Remake vorhanden sind. Das ist der große Punkt: Das Spiel zeigt mir, wie alt ich bin. Das ist der größte Kritikpunkt, den ich habe. Es zeigt mir, wie lange es her ist, dass ich das Original gespielt habe. Es zeigt mir aber auch, wie sehr ich diese Spiele vermisst habe. Und damit will ich bei weitem nicht sagen, es wäre perfekt. Auch die Urspiele hatten ihre Probleme. Wer nicht auf den harten Grind nach immer höheren Punktzahlen steht oder auf das dauernde Wiederholen der einzelnen Level, hat dies auch damals eventuell schon als Kritikpunkt gesehen. Ebenfalls haben wir mit Skate 3 bereits ein Spiel gehabt, welches eine teilweise Open World-Erfahrung präsentiert hat. Außerdem fallen nachladende Texturen im Skateshop unangenehm auf. Was auch noch ein wenig Unangenehm auffällt, ist die Tatsache das es nur eine Kampagne gibt. Ist diese durch gibt es für die anderen Skater keine neuen Ziele in den einzelnen Leveln. Aber dieses Remake ist ganz genau so geworden, wie ich es mir erhofft habe. Die alte Erfahrung in einem neuen Gewand, mit sinnvollen Verbesserungen und Erweiterungen. Hier muss ich einfach sagen, ich ziehe meinen Sturzhelm vor Vicarious Visions.

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