Reanimal - Test/Review
Die düstere Jahreszeit mag sich allmählich dem Ende neigen, aber wenn ihr noch nicht ganz loslassen könnt, hilft euch Tarsier Studios gerne aus: Reanimal ist ein Abenteuer, das düster, gruselig und packend ist.
Von Lars Hack am 06.03.2026 - 05:27 Uhr

Fakten

Plattformen

PlayStation 5 Pro

Nintendo Switch 2

Xbox Series S

Xbox Series X

PlayStation 5

PC

Publisher

THQ Nordic

Entwickler

Tarsier Studios

Release

13.02 2026

Genre

Adventure

Typ

Vollversion

Pegi

16

Webseite

Preis

59,99 Euro

Media (11)

Atmosphärischer Horror


Die düstere Jahreszeit mag sich allmählich dem Ende neigen, aber wenn ihr noch nicht ganz loslassen könnt, hilft euch Tarsier Studios gerne aus: Reanimal ist ein Abenteuer, das düster, gruselig und packend ist. Was früher kleine Albträume waren, sind jetzt maskentragende Kinder im Kampf ums Überleben. Ich hab mir eine Taschenlampe geschnappt und mich den Gefahren des Koop-Titels gestellt - alleine größtenteils, allerdings.

Warum sind wir hier?


Was wie eine profunde Frage über den Sinn des Lebens klingt, wird in Reanimal eher eine profunde Frage des Überlebens. Denn das ist die Frage, die sich unsere beiden Hauptcharaktere ziemlich schnell zu Beginn fragen: Was tun wir hier? Aber fangen wir von vorne an. Wir spielen in Reanimal zwei junge Mädchen, die über trübe, neblige Gewässer in einem kleinen, klapprigen Boot an der Küste vor einer verlassen wirkenden Stadt anladen. Düster hängt der Himmel über uns und die Geräuschkulisse wechselt zwischen unheimlicher Stille und beunruhigenden Geräuschen. Zu Beginn läuft alles wie am Schnürchen für uns, während wir einfache Sprungrätsel lösen und lernen, wie wir unsere Weggefährtin steuern. Denn eigentlich ist Reanimal ein Koop-Titel, zwei Spieler stellen sich den Gefahren der Welt. Sind wir allerdings alleine, dann müssen wir auch ein Auge auf die Figur werfen, die eigentlich von einem zweiten Spielern gesteuert wird. Spieler 2, gesteuert durch die KI, folgt uns brav und wir haben eine extra Taste, um ihr Anweisungen zu geben, wie “Halte diesen Hebel unten, damit die große Maschine stoppt und ich darüber balancieren kann”. Auch, wenn unsere Figur nur ein kurzes “Hey, hier!” ruft. Nach einem gemütlichen Vertrautwerden mit den Controls, packen Tarsier Studios dann auch direkt ihren Handwerkskoffer aus, mit all den Tricks, die wir bereits in den Little Nightmare-Spielen kennengelernt haben. Plötzlich sehen wir uns nicht nur einer verlassenen Landschaft und knarrenden Maschinenhallen gegenüber, sondern leeren Menschenhäuten, die uns hinterher kriechen, Kinder-fressenden Eisverkäufern und scheinbar toten Menschen, die, naja, eben nur scheinbar tot sind. Selbst die Fauna hat etwas gegen unsere Erkundung. Während Christoph gerade parallel das neue Resident Evil testet und ordentlich Feuerpower dabei hat, erhalten unsere kleinen Heldinnen erst später zumindest rudimentäre Waffen. Mit denen können wir uns dann zwar nicht gegen die großen Übel dieser Welt wehren, dafür aber gegen wildgewordene Möwen und andere, klassische Gefahren für Kinder. Was anfangs wie eine Reise des reinen Überlebens anmutet, wird allmählich zu einem größeren Unterfangen. Denn wir sind nicht alleine - weitere Kinder sind in der Welt verteilt und haben mit den gleichen Schrecken wie wir zu kämpfen. Allmählich sammeln wir so eine kleine Gruppe wackerer Überlebender zusammen, die gemeinsam durch eine scheinbar vom Krieg verwüstete Welt streifen, mit verzerrten und aggressiven Erwachsenen ringen und einfach ineinander Trost finden. Oh, und hab ich bereits erwähnt, dass alle Kinder obskure, teils groteske Masken tragen?

Die Welt aus Kinderaugen sehen


Tun wir das, wird’s gruselig. Dabei hält Reanimal das Gameplay sehr simpel. Keine hunderten Actionfähigkeiten oder so. Wir laufen sehr viel, kriechen unter Hindernissen durch und wenn wir einmal Waffen haben, gibt es genau eine Taste, mit der wir eine einfache Schlagkombo durchführen. Wie bereits gesagt, damit halten wir uns aber nur kleine Ärgernisse vom Hals. Die großen Schrecken dieser Welt sind davon unbeeindruckt und wir müssen uns auf das Schleichen, Ausweichen und sonstige Vermeidungs-Taktiken verlassen, um zu überleben. Der große Clou liegt eben eher im Koop-Spiel. Oder im 1 ½-Spiel? Denn auch wenn Reanimal eben ein Koop-Titel ist, spielen wir den elegant auch solo. Alles, was wir brauchen, ist ein schneller Tastendruck, um nach Hilfe zu rufen. So simpel es für uns Solospieler auch macht, es nimmt eben auch eine gute Portion Spielspaß raus. Keine Absprache, kein Herumstolpern, kein gemeinsames Gruseln. Nur unser Solo-Schlendern, hier ein Klick und schon geht es für uns in die nächste Sprungpassage. Oder die Schleichpassage! Denn wir sind eben Kinder. Die sind nicht nur im echten Leben ziemlich klein, sondern auch im Spiel, überraschenderweise! All die Schrecken, wie der Eisverkäufer direkt im Auftakt des Spiels, zwingen uns immer wieder dazu, uns in die Schatten zurückzuziehen, vorsichtig voranzutasten und eben so leise, so still und so heimlich zu sein, wie wir nur können. Das kann mal bedeuten, dass wir uns hinter Hindernissen verstecken und aktiv dem uns nachschüffelnden Schrecken davonschleichen. Oder wir müssen unsere Bewegung auf schaurige Umgebungsgeräusche abstimmen, um nicht die Hölle auf unsere Fersen zu bringen. Das ganze läuft auch verdammt gut. Hier geht es eben nicht um Action, sondern um Spannung und Nervenkitzel. Und das bringt die Umgebung, unsere Feinde und die Atmosphäre verdammt gut rüber.

Schattenseiten im Schattenland


Also, die Atmosphäre super, das Gameplay eher simpel bis repetitiv, das könnte es eigentlich sein für einen trotzdem ganz guten Spielemix, nicht wahr? Leider noch nicht ganz. Ich habe bereits genug drüber gesprochen, dass ich das Spiel im Singleplayer gespielt habe. Einen Blick in den Multiplayer wollte ich dann trotzdem wagen und hier hakt es dann eben gewaltig. Verbindungsprobleme, Bugs, Abstürze, falsche Darstellung davon, wo der andere Spieler eben ist. Der Singleplayer-Modus ist zwar etwas einseitig, so ohne Absprache, aber dafür kommt er dann eben auch genau ohne solche Probleme aus. Aber noch etwas anderes nagt an der wahren Schauerexperience: die Länge. Nach rund 4-5 Stunden haben wir Reanimal auch schon durchgespielt. Kleine, feine Games mit guter Atmosphäre können trotzdem eine Menge Spaß machen und angenehme ein, zwei Abende bescheren. Für den stolzen Preis von rund 40€ auf den gängigen Marketplaces (und ganzen 60€ für eine Deluxe-Edition) fällt das ganze dann allerdings etwas arg dünn aus. Kaum hat man sich vollkommen in die Atmosphäre fallen lassen und beginnt den knarzenden Dielen in der eigenen Wohnung zu misstrauen, ist es auch schon wieder vorbei. Hier wird die Atmosphäre, das Feeling, der Schauder eben groß geschrieben. Auch die spärlichen, aber immerhin ins Deutsche übersetzten Voicelines tragen dazu bei. Am Ende wird es aber für Actionjunkies zu fad sein, Koop-Gespanne sehen sich mit Connection-Problemen konfrontiert und die kurze Spielzeit zerrt eben auch am guten Bild, das sonst gezeichnet wird.

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