Oldskool-Mechs?!?!

Lust auf eine Runde „Was wäre, wenn...?“ Ich fange an: Was wäre, wenn der erste Weltkrieg mit riesigen Kampfmechs, deren Feuerpower ganze Landschaften einebnen kann, geführt worden wäre? Zum Glück müssen wir nicht selbst mit einer Antwort daherkommen, denn Entwickler KING Art übernimmt das für uns. Es ist Zeit für eine eiserne Ernte!
Metal Gear in Osteuropa
Kaum schweigen die Waffen, zieht am Horizont erneut Krieg auf. Polania, Schauplatz der ersten von drei Kampagnen in Iron Harvest, ist besetzt durch die Truppen der Rusviets, dem Zarentum im Osten. Im Westen lauert das Kaiserreich Saxony. Alle drei Reiche stehen in einem tödlichen Wettrüsten, denn Kriege werden nicht mehr (nur) mit Gewehren ausgefochten. Die wahre Feuerkraft liegt in haushohen Kampfmechs! Schwere Geschütze, MGs, Nahkampfwaffen, Flammenwerfer, Artillerie – es gibt praktisch nichts, was man nicht an einen dieser gepanzerten Läufer schrauben kann. Wer braucht schon Panzer? In den drei Kampagnen erleben wir den aufziehenden Krieg aus der Sicht jedes dieser Reiche. Ich will euch an diesem Punkt gar nicht spoilern, starten tun wir aber mit Polania. Als Anna müssen wir früh lernen, dass die Welt ein gefährlicher Ort ist. Nachdem unser Bruder im letzten Krieg gefallen ist, haben wir nur noch unseren Vater und unseren treuen Bärengefährten Wojtek. Es ist ein einfaches Leben, das jäh endet, als rusvietische Truppen ins Dorf kommen. Mordend und plündernd ziehen sie durch die Straßen, scheinbar auf der Suche nach einem „Professor“. Nur wir und eine Handvoll Widerstandskämpfer stellen uns ihnen in den Weg. Und plötzlich liegt die Zukunft Polanias in unseren Händen!
Explosionen, Deckung und Waffenwechsel
Iron Harvest lässt uns zwar nicht die Strände der Normandie erstürmen, trotzdem hat es sich viel vom (inzwischen in die Jahre gekommenen) Genre-Kollegen Company of Heroes abgeschaut. Das soll gar nicht abwertend klingen, denn auch schon diese Heldenkompanie machte vieles richtig. Unsere Einheiten in Iron Harvest bestehen aus mehreren Figuren, die sich stets mal mehr, mal weniger in einer geschlossenen Formation bewegen. Da jeder Soldat, den man sehen kann, potenziell bereits gefallen ist, beschützen wir unsere Recken, indem wir sie in Deckungen schicken. Das können hüfthohe Mauern (die sind nämlich nicht nur für Ego-Shooter!) sein, aber auch Felsformationen, Zäune, Sandsäcke... Ihr versteht, was ich meine, nicht? Das geschieht die meiste Zeit über sehr organisch und gut, nur manchmal hatten unsere Soldaten einen witzigen Moment und liefen verwirrt VOR ihrer Deckung herum. Diese Soldaten sind heute nicht mehr. Damit sie in der Deckung nicht nur sicher sind, sondern auch zurückschlagen können, stehen dem gemeinen Soldaten verschiedene Waffen zur Verfügung. Gewehre, Granaten, Kanonen, Hauptsache es knallt und kann den Feind ins Jenseits befördern. Auf den Karten, sowohl in der Kampagne, als auch in den KI- oder Multiplayer-Gefechten, können wir neben Rohstoffen zum überschaubaren Basenbau auch neue Bewaffnung finden. Euer Trupp wurde beim letzten Mal aus einer Deckung heraus fast ausgelöscht? Mal schauen, ob es mit ein paar Granaten nicht besser funktioniert! Denn Deckung und Gebäude können mit genügend Feuerpower dem Erdboden gleich gemacht werden. Mechs müssen mit dem auskommen, was sie haben, trotzdem hat jede Fraktion ihre eigenen Läufer – Polania kommt zum Beispiel mit schlanken, riesige Gewehre schwingenden Mechs daher, deren Bajonette feindliche Mechs öffnen wie Konservendosen (das ist übertrieben, aber ich mag den Vergleich). Nicht zufrieden damit, nur die KI zu verhauen? Wie schon gesagt, es gibt einen Mehrspieler-Modus, zu dem sich bald auch ein Ranked-Mode gesellt. Dann könnt ihr mit Freunden und Fremden um die Wette kriegen!
Bunte Sprachenvielfalt
Eines muss man KING Art ja lassen: Sie haben sich wirklich Gedanken gemacht, wie man die Welt von Iron Harvest zum Leben erwecken kann. Denn neben einer deutschen Sprachausgabe für alle Völker und die Kampagne, können wir es auch einfach realistisch halten: Jeder spricht seine Landessprache! Dann sprechen die Soldaten Polanias eben polnisch und die Sturmtruppen des Kaiserreichs deutsch. Dicke Pluspunkte an dieser Stelle, genauso für den Soundtrack, der von epischen Chorälen über stimmungsvolle, düstere Stücke reicht. Auch optisch wird uns einiges geboten: Nicht nur die Cutscenes und die Alternative History-Clips (Szenen des Krieges, in die nachträglich Mechs eingefügt wurden) sehen grandios aus, auch beim ganz klassischen Gameplay wirkt die Welt lebendig und hübsch. Wenn man dann noch Explosionen, zerfallende Deckungen und ruinierte Mechs dazurechnet, sieht das einfach grandios aus. Dazu läuft das Gameplay überaus smooth. Weder offline noch online habe ich Hänger, Lags oder ähnliche Schwierigkeiten entdeckt. Wenn ich über Negativ-Punkte von Iron Harvest nachdenke, dann liegen die vor allem bei den gelegentlichen Problemen mit verirrten Soldaten. Mein Befehl war, hinter die Deckung zu gehen, nicht davor stehen zu bleiben und sich erschießen zu lassen! Tatsächlich kann man dieses System auch ein wenig abusen, aber das habt ihr nicht von mir gehört: Nachdem ich wusste, dass ich in einer Mission Wellen von Gegnern zurückschlagen musste, habe ich einfach Stacheldraht hinter ihren Deckungen ausgelegt. Das Ergebnis: Im Versuch, trotzdem hinter die Deckung zu gehen, warfen sich die feindlichen Soldaten auf MEINE Seite der Deckung und waren nichts weiter als Zielübungen für meine Soldaten.

Kommentar schreiben