Nur „OK“

Sagen wir es mal direkt raus: Crackdown 3 hatte eine ziemlich holprige Entwicklung hinter sich. Das Spiel wurde bereits 2014 zum Start der neuen Xbox One angekündigt und erscheint nun kurz vorm Ende der aktuellen Konsolengeneration. Nach zig Verschiebungen und Unsicherheiten bringt Microsoft Crackdown 3 aber nun doch noch auf PC (Windows 10) und die Xbox One. Stellt sich bloß die Frage: Hat sich das lange Warten gelohnt?
3 Minuten Story
Die Handlung von Crackdown 3 ist schnell erzählt: Ein Terroranschlag hat nahezu überall auf der Welt die Stromquellen lahmgelegt. Die Menschen fliehen zu tausenden in die Metropole New Providence, die von der Organisation Terra Nova und deren Anführerin Elizabeth Niemand kontrolliert wird. Aber Terra Nova hat ordentlich Dreck am Stecken, weswegen man in die Rolle eines genetisch verbesserten Agenten der sogenannten „Agency“ in der Stadt aufräumt und die Organisation zu Fall bringen soll. Kurz nach dem Intro kann man sich für einen Agent entscheiden - und ja, Terry Crews ist auch am Start. Die „Helden“ haben unterschiedlichen Fertigkeiten am Start. Zum Beispiel können einige höher springen oder präziser schießen. Auch der dritte Crackdown-Ableger setzt auf eine recht motivierende Open-World. Um die insgesamt neun Mitglieder des Terra Nova-Organigramms zur Strecke zu bringen, muss man in der Stadt unterschiedliche Ziele zerstören bzw. säubern, die den jeweiligen Mitgliedern der kriminellen Bande zugeordnet sind. Um zum Beispiel Djimon Keita aus der Reserve zu locken, muss man Chemieanlagen lahmlegen und durch das Erledigen von Enforcer-Offizieren schwächt man die Sicherheitsabteilung von Liv Sorensen.
Spielwelt
New Providence bietet zwar thematisch unterschiedliche Stadtteile (Armenviertel, Industriegebiet etc.), die meisten Gebiete wurden aber arg generisch designt. Wirkliche Highlights sucht man vergebens. Immerhin: Es laufen ein paar Passanten umher, Autos fahren über die Straßen und ganz selten sieht man auch eine Schwebebahn vorbeizischen.
Die meiste Zeit über ist man in Crackdown 3 mit flotten Ballereinlagen beschäftigt. Für ausreichend Abwechslung sorgt das üppige Waffenarsenal: Von schnöden Standards wie Schrotflinten oder Plasmagewehren über Raketenwerfern bis hin zu völlig abgefahrenen Knarren wie dem Oblivion, der erst eine Art schwarzes Loch erzeugt, das dann explodiert, wird einiges geboten. Die Steuerung geht auch mit Maus und Tastatur präzise von der Hand. Lediglich die automatische Aufschalthilfe hätte man sich sparen können, da dies den Anspruch massiv senkt. In der Stadt sind auch zahlreiche „Orbs“ platziert, die den Helden zunehmend verstärken. Zum Beispiel erhöhen die grünen Kügelchen Sprungkraft und Ausdauer. Erledigte Gegner wiederum hinterlassen Waffenpower-Orbs.
Um schnell von A nach B zu kommen kann man jederzeit ein futuristisches Vehikel beschlagnahmen. Wirklich Spaß macht das Cruisen durch New Providence aber nicht. Das liegt vor allem am schwammigen Fahrzeugverhalten. Unser Tipp: Einfach per Mega-Sprungkraft fortbewegen.
2014 lässt grüßen
Die bunte und schnelle Action kann leider nicht über die zahlreichen Schwächen von Crackdown 3 hinwegtäuschen. Die Waffen haben weder ordentlichen Sound noch gutes Trefferfeedback, dazu kommt die überschaubare Gegner-KI, die auch in großer Masse keine große Gefahr darstellt. Auch das Missionsdesign lässt sich auf zwei Komponenten reduzieren: Zum Missionspunkt hinfahren/springen und alle Gegner abknallen. Selbst die seltenen „Bossfights“ wurden öde inszeniert. Bis zum Ende von Terra Nova kann man etwa 10 bis 12 Stunden einplanen, abseits der Hauptmissionen und dem Aufleveln des Agenten haben die Entwickler zudem ein paar Nebenaufgaben eingebaut, die von „ganz nett“ (Propagandatürme erklimmen) bis hin zu „gähnend uninspiriert“ (Informationsfragmente sammeln) reichen.
Technik und Multiplayer
Technisch gesehen ist Crackdown 3 mit seinem Celshading-Look irgendwo 2016 steckengeblieben. Über die mauen Details und schwachen Texturen können auch nicht die bunten Effekte sowie der flüssige Tag- und Nachtwechsel hinwegtäuschen. Ebenfalls sehr schade: Auf der Konsole (auch auf der Xbox One X) und im Koop-Modus läuft das Spiel mit maximalen 30 Bildern pro Sekunde. Nur am PC und alleine kann die FPS-Beschränkung aufgehoben werden.
Auch beim Sound wurde geschlampt: So wurde etwa die prinzipiell ordentliche deutsche Sprachausgabe nicht konsequent durchgezogen: Während die Hauptpersonen und -Dialoge voll vertont sind, palavern die Fußvolk-Gegner und Passanten noch fröhlich auf Englisch. Außerdem kam es bei unserem Test regelmäßig zu Soundaussetzern oder Sätze waren abgeschnitten. Wie bereits erwähnt kann man die komplette Kampagne im Koop durchzocken. Das macht natürlich deutlich mehr Spaß. Zusätzlich gibt es noch die „Wrecking Zone“, hinter der sich die Versus-Modi Team Deathmatch und King of The Hill (zwei Gruppen à fünf Spieler) verbirgt. Die speziell dafür entworfenen Arenen lassen sich mit Waffengewalt komplett zerlegen, was angeblich mithilfe von externen Cloud-Berechnungen zustande kommt. Wirklich beeindrucken kann das Feature allerdings nicht, dazu ist die Grafik zu grob.

Kommentar schreiben