CoD meets GoldenEye

In den letzten Jahren wurden die Call of Duty Teile immer actionreicher inszeniert. Im 2020er-Ableger versucht es Entwicklerteam Raven Software etwas ruhiger - zumindest in der Kampagne. Ob das „Experiment“ gelungen ist?
Der Kalte Krieg
Name ist Programm: Black Ops Cold War ist in den 1980ern angesiedelt und im Fokus steht der „Kalte Krieg“ zwischen Osten und Westen. Die meiste Zeit über ist man im Jahr 1981 an Orten wir Berlin und in der Sowjetunion unterwegs, aber auch kurz in Vietnam und Kuba. Wahlweise schlüpft man in die Rolle eines männlichen, weiblichen oder diversen Agenten namens Bell. Diese Figur kann man den eigenen Wünschen anpassen und neben dem Geschlecht auch die Klasse auswählen, was einem etwas mehr Munition oder zusätzliche Primärgranaten beschert. Eine wirkliche Auswirkung hat das aber nicht auf die Kampagne. Die erste Mission startet auf einer Landebahn in Afrika, wo es, in bester Serientradition, zu massig Action und Skriptsequenzen kommt. Cold War kann aber auch anders: Im späteren Spielverlauf gibt es einen Einsatz in Berlin, wo man an der Polizei vorbeischleichen muss. Darüber hinaus sollte man -leise- ausgeschaltete Gegner verstecken - zum Beispiel in einem Schrank oder in einer dunklen Gasse. Noch später in der Kampagne ist man in einer Geheimdienstzentrale zugange und muss eine Möglichkeit finden, eine Zielperson auszuschalten. Dabei gibt es ein paar Möglichkeiten, zwischen denen man entscheiden kann. Diese Auswahl und das daraus folgende Vorgehen wurde durchaus interessant inszeniert. An vielen Stellen erinnert der neuste CoD-Teil an den Nintendo-Klassiker GoldenEye von Rare Software. Doch keine Sorge: Fans der alten Call-of-Duty-Schule bekommen ausreichend Ballerkost in gewohnt linearen Abschnitten geboten. Auch die obligatorischen Fahrzeugmissionen (Stichwort: Kampfhelikopter) sind am Start. Für zwei Zusatzlevel gibt es außerdem recht anspruchsvolle Rätselaufgaben, die bei jedem Spieler leicht variieren - es ist also nicht möglich, einfach eine fertige Lösung aus dem Netz zu verwenden. Es sind ungewohnte, aber erfrischende Ansätze, die Cold War zeigt. Hier blitzt auf, dass ein Call of Duty tatsächlich mehr sein könnte als ein geradliniger Shooter. Aber statt sie durchweg anders zu gestalten, enden auch diese Ausflüge fast immer mit Schießereien und Explosionen. In den meisten Mission ballert man unzählige Kommunisten über den Haufen, deren KI irgendwo im Jahr 2010 hängen geblieben ist. Selbst auf höheren Schwierigkeitsgraden geht es nur darum, die Feinde schnell zu erkennen und noch schneller zu erledigen. Zwar wechseln die Schauplätze angenehm häufig, jedoch bleibt es bis auf die erwähnten Ausnahmen bei der üblichen Schießbude. Zudem spart auch Cold War nicht mit fragwürdigen Motiven und unangenehmen Momenten, die etwa schreckliche Kriegshandlungen wie eine lästige Randnotiz erscheinen lassen.
Das volle Multiplayer-Paket
Im Mehrspieler-Modus gibt es Klassiker wie Team Deathmatch, Abschuss bestätigt, Herrschaft oder Frei für alle. Dabei hat man Zugriff auf allerlei Waffen wie Sturm- und Scharfschützengewehre, Maschinenpistolen, Schrotflinten und Raketenwerfer. Abschüsse und gewonnene Runden bringen einem Erfahrungspunkte ein, dank der man die Ränge hochklettert und ständig neue Knarren und passende Aufsätze freischaltet. Es gibt aber auch Neuzugänge in Form dreier Spielmodi. VIP-Eskorte macht abwechselnd einen Spieler aus den beiden Teams zur Zielperson. Diese muss zu einem Abholpunkt gebracht und mit dem Hubschrauber ausgeflogen werden, um die Runde zu gewinnen. Das andere Team versucht indes, genau das zu verhindern. Der Ablauf erinnert an Suchen und Zerstören, gibt sich jedoch eine Spur dynamischer.
Verbundene Waffen lässt 24 Spieler in zwei großen Gruppen aufeinander los. Dieser Modus ist zweigeteilt: Bei „Sturm“ wird versucht, nach und nach Zonen auf der Karte einzunehmen. Durch das Besetzen der Bereiche und Abschüsse baut sich Momentum auf, mit dem das Einnehmen der nächsten Zone schneller gelingt. In „Herrschaft“ kämpfen beide Teams um die Kontrolle über feste Gebiete auf der Karte. Je länger ein Bereich gehalten werden kann, desto mehr Punkte bekommt die jeweilige Truppe dafür. Beide Varianten bieten Fahrzeuge wie Panzer oder Schneemobile, die dem Ganzen einen kräftigen Battlefield-Anstrich verleihen. Feuerteam: Schmutzige Bombe wiederum erinnert an den Battle-Royale-Modus Warzone, der im Dezember zu Cold War stoßen soll. Vierzig Spieler teilen sich in zehn Teams auf und springen zu Beginn aus dem Flugzeug ab. Nach der Landung geht es darum, kleine Atombomben zur Explosion zu bringen. Dafür müssen sie zunächst mit Uran aufgeladen werden, das sich in Kisten befindet oder von erledigten Spielern geborgen werden kann. Ist eine Bombe bestückt, kann sie scharfgemacht werden. Die anschließende Explosion bringt nicht nur viele Punkte ein, sondern verstrahlt auch das umliegende Gebiet und beeinträchtigt die Gesundheit der Spieler. Das Ziel ist es, als erstes Team 500 Punkte zu sammeln und damit das Match zu gewinnen. Während es bei Waffen und Modi gut bestückt ist, gibt sich Cold War in Sachen Karten etwas sparsam. Acht sind es insgesamt, davon bleiben zwei jedoch dem Modus Verbundene Waffen vorbehalten. Die Palette reicht vom Flugzeugwrack in der Wüste über eine Kartellbasis im Dschungel bis zum Schlachtschiff im Nordatlantik. Der Aufbau der Karten sorgt für Abwechslung, aufgrund der geringen Anzahl wiederholen sie sich jedoch häufig.
Eine tolle Sache: Dank Cross-Play- und Cross-Save-Funktion lässt sich Call of Duty: Black Ops Cold War mit Freunden spielen, die nicht auf der gleichen Konsole oder am PC spielen. Das Matchmaking zwischen den verschiedenen Plattformen hat während unserer Testzeit einwandfrei funktioniert.
Das ewige Problem
Auch im neusten Call of Duty gibt es die bekannte „Punkteserie“ im Multiplayer, mit der man zum Beispiel ein Spionageflugzeug oder einen Kampfhelikopter anfordern kann. Neu ist, dass die Punkteserie nach dem Ableben nicht von vorne beginnt. Auch die Option, Punkteserien zu kontern, klingt nach einem besser abgestimmten Spielablauf. In der Praxis merkt man von all dem aber wenig bis nichts. Weil es kein ausgewogenes Matchmaking gibt, werden Anfänger und Gelegenheitsspieler noch immer mit absoluten Cracks zusammengeworfen, die natürlich leichtes Spiel haben. Zombies
Der Zombiemodus ist spielerisch im Großen und Ganzen aus den Vorgängern übernommen. Er ist mit Anspielungen auf die 80er-Jahre relativ bunt in Szene gesetzt. Zum Start gibt es ein gut gemachtes Areal - mehr folgt, ebenso wie im Multiplayer, erst per Erweiterung. Noch kurzweiliger geht es in Dead Ops Arcade zu. Hierbei zockt man keinen 3D-Shooter, sondern eine Twinstick-Ballerei aus der Draufsicht. Mit bis zu drei Kameraden und unbegrenzter Munition ballert man Unmengen von Zombies über den Haufen. Das ist eine wirklich erfrischende Abwechslung zur sonstigen First-Person-Action. Technik
Auch die Technik ist dieses Jahr ein zweischneidiges Schwert. Auf der einen Seite begeistern die höheren Texturenauflösungen und Raytracing-Effekte, die für einige schöne Lichtspiegelungen sorgen. Texturen erscheinen knackig scharf und selbst kleinste Schriften lassen sich gut ablesen. Dazu gibt es starke Kontraste und satte Farben. Dagegen befinden sich Gesichter, Animationen und Spielablauf nicht auf Next-Gen-Niveau. Die steife Mimik beim Sprechen und oftmals hakelige Bewegungen wirken aus der Zeit gefallen. Beim Sound gibt es gewohnt realistische Waffengeräusche, stimmige Tracks (sind auch einige 80er-Hits dabei) und solide Synchronsprecher.

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