Schockierend schlecht

Der Begriff Agonie basiert auf dem altgriechischen Wort agonia, das so viel bedeutet wie „Kampf“ oder „Qual“. Kein Wunder also, dass das neue Horror-Adventure Agony eine echte Qual geworden ist.
Höllentrip
Agony ist so ein typisches „Shock-Game“. Heißt: Die Entwickler wollen schockieren - und das mit Erfolg. In den Pre-Release-Trailern wurde viel nackte Haut, Genitalien, Blut und Mord gezeigt. Angesichts solcher Videos ist es kaum verwunderlich, dass die Crowdfunding-Kampagne binnen kürzester Zeit das Ziel von 66.666 CAD erreicht hat. Doch was haben die backers für ihr Geld bekommen? Die Story von Agony ist schnell erzählt: Man landet als gefallene Seele in der Hölle und versucht aus dieser zu entkommen - Punkt. In der Kampagne geht es durch eine eigenwillige Spielwelt, die wie eine Mischung aus Alien-Schöpfer HR Giger und Körperwelten-Erfinder Gunther von Hagens aussieht. Knackende Knochen bei jedem Schritt, dazu hysterisches Keuchen, grinnende Monster, Bastarde aus Mensch und Tier - in den ersten Minuten ist die Atmosphäre des Spiels fantastisch. Doch wie schon angedeutet, geht diese recht schnell flöten. Das liegt an verschiedenen Faktoren: Da wäre zunächst einmal die komplett verhunzte Gamma-Einstellung. Ist diese zu niedrig eingestellt sieht man gar nichts - bei einer zu hohen Einstellung blendet alles. Dann wären da noch die NPC-Dämonen, die uns zwar mit ein paar gezielten Schlägen erledigen können aber total lächerlich aussehen. Die ruckartigen Animationen und geringe Anzahl an Polygonen erinnern an die guten, alten 90er-Jahre Shooter. Ebenfalls wenig beeindruckend: Objekte, die aufgenommen werden, schweben einfach in der Hand. Darüber hinaus bleibt man ständig an winzig kleinen Ecken hängen.
Höllisch
Ein paar Sätze zum eigentlichen Gameplay: Die meiste Zeit über wird man mit einer Fackel in der Hand in finsteren Labyrinthen nach Schlüsseln suchen. Diese braucht man, um den jeweils nächsten Bereich der Hölle zu öffnen. Mal sind es Schädel, mal Herzen, mal Siegel, die man aufspüren muss. Echte Rätsel gibt es kaum. Zu allem Überfluss gibt es haufenweise Gegner, die einen ruckzuck erledigen. An das ständige Sterben muss man sich in Agony gewöhnen, da man die Feinde in den stark verwinkelten Gängen oft nicht früh genug kommen sieht. Woran man sich auch gewöhnen muss: Orientierungslosigkeit. Eine aufrufbare Schicksalslinie markiert zwar den Weg zum nächsten Ziel, doch auf den höheren Schwierigkeitsgraden kann man sie nur begrenzt einsetzen. Auf Dauer frustrieren das viele Sterben und die damit verbundene Wartezeit ebenso sehr wie die Ahnungslosigkeit. Die Luft ist raus
Die anfängliche Begeisterung über den Look von Agony ist schnell verflogen. Sogar die ungewohnt viele nackte Haut verliert schnell ihren Reiz. Die ersten vollbusigen Dämonen mögen noch ebenso überraschen wie die in vielfacher Ausführung gezeigten männlichen Geschlechtsteile. Nach mehreren Stunden wünscht man sich aber nur noch einen Klamotten-Patch. Weniger ist halt manchmal mehr. Das gilt übrigens nicht für die Geschichte: Hier hätten die Entwickler ruhig was draufpacken können. Der Abenteuermodus führt einen rund zehn Stunden lang linear durch die Hölle, bis man auf die gesuchte Königin trifft. Unterschiedliche Faktoren bestimmen dann, welches von insgesamt sieben möglichen Enden man erlebt. Darüber hinaus kann man verschiedene Collectibles wie Goldstatuen, Gemälde und Briefe finden. Nach Abschluss der Kampagne steht der Agoniemodus zur Verfügung. Darin werden nach Zufallssystem Level erstellt und mit Monstern bevölkert, in denen man dann Aufgaben erfüllen soll. Der Tod führt direkt zurück ins Hauptmenü. Ebenfalls spielbar ist der Sukkubusmodus. In Gestalt einer Dämonin kann man die Haupthandlung nun noch einmal aus einer anderen Perspektive erleben. Die Unterschiede zur Original Kampagne sind allerdings überschaubar. Bis auf kleine Änderungen am Gameplay und in den Zwischensequenzen bleibt der Ablauf der Kampagne sehr ähnlich.

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