Bastelstunde im Weltraum

Der Vorteil an einem ruhigen Dezember (in Hinblick auf Games) ist, dass man sich bei den Reviews ein, zwei Tage länger Zeit nehmen kann. Und das ist auch bitter nötig, schließlich kam der deutsche Entwickler Egosoft Ende November mit dem vierten Teil seiner umfangreichen Simulationsreihe um die Ecke – X4: Foundations. Gut anschnallen, rocket boys and girls, wir fliegen mit euch zu den Sternen.
Und da war...
Ja, was war da eigentlich? Okay, ich weiß, was ihr jetzt denkt. Eigentlich schreiben wir an dieser Stelle ein bisschen was zur Story des Spiels, aber eigentlich sind die X-Spiele interstellare Sandkästen, in denen ihr eben macht, worauf ihr Bock habt. Klar, die verschiedenen Fraktionen im Game haben natürlich einen eigenen Charakter – manche handeln gerne, andere führen eher Krieg. Und dann sind da auch noch die unheimlichen Xenon, selbstreplizierende Roboter, deren schier unendlichen Flotten alle Reiche vor Angst erzittern lassen. Wie aber startet unsere ganz eigene Reise? Es gibt vier verschiedene Startpunkte, die euch zu Beginn an unterschiedliche Orte versetzen und regeln, mit welchen Schiffen, Geldmitteln und Stationen ihr beginnt. Und mit diesen Optionen tut ihr eben, worauf ihr Lust habt. Startet ein Handelsimperium. Werdet ein furchtloser Freelancer im Dienste der Sternenreiche. Oder beginnt euren Weg zum größten Flottenkommandanten. Am besten verdeutlichen wir euch das an unserem ganz eigenen Beispiel. Als wir in unserem ersten Spielstand überhaupt bemerkten, dass es sowas wie eine (kurze) Hauptstory gibt, waren wir bereits zehn Stunden drinnen. Wir hatten unser erstes, automatisch arbeitendes Schürferschiff, weite Teile der Galaxis erkundet und sind gerade so aus verflixt vielen Kämpfen mit Xenon entkommen. Nach den paar Storymissionen haben wir dann auch genau auf diesen Fundamenten weiter aufgebaut, auf dem Weg zu unserem eigenen Gamezoom-Sternenimperium.
Trade, fight, build, think
Das Motto der Reihe wird in X4 wieder großgeschrieben. In einer riesigen Welt ohne Ladebildschirme lassen wir unserer Endeckungswut freien Lauf. Wie gesagt, X ist eben ein Sandkasten. Von einfachen Handelswaren über Raumschiffteile bis hin zu eigenen Stationen dürfen wir alles selbst herstellen. Ihr wollt nicht kämpfen? Dann geht Konflikten aus dem Weg und stürzt euch in die Welt des Handels. Haltet euch stets auf dem Laufenden, was Preise angeht, bemannt eure Schiffe mit eigener Mannschaft und lasst sie dann gezielt für euch durch das All fliegen. Oder werdet zum Pirat – träge Handelsschiffe sind ein exzellenter Happen für denjenigen mit der dicksten Wumme am Schiff. Natürlich spielen auch die Fraktionen eine Rolle. Bei diesen sammeln wir Ansehen (oder verlieren es) und gewinnen so die Möglichkeit, größere Schiffe und ausgefallenere Bauteile für unsere Stationen zu erwerben. Außerdem haben die ihre ganz eigene Agenda. Das bedeutet, auch Kriege sind zwischen den Reichen möglich. Seit dem letzten, eher unterwältigenden Teil der Reihe hat sich Egosoft einige Neuheiten einfallen lassen. Als körperloser Avatar dürfen wir jetzt nicht nur die Brücke unseres eigenen Schiffes, sondern auch Stationen zu Fuß erkunden. Auf einer Raumbasis zwischen zwei unserer Schiffe wechseln? Das erledigen wir per Tastenkombination oder nehmen die szenische Route und laufen. Dabei ist die Grafik auf Stationen nicht atemberaubend, bei NPCs stellenweise auch eher schwach. Trotzdem, wenn ein riesiges Frachtschiff mit viel Staubgewirbel und dem Röhren seiner Triebwerke abhebt, sieht das einfach fantastisch aus. Die grafische Stärke von X4 liegt eben zwischen den Sternen. In gigantischen Schiffe, weiten Asteroidenfeldern und atemberaubenden Kulissen.
Na, aber... Wie?
X4: Foundations hat auf Steam einen seltsamen Start hingelegt. Am ersten Abend negative Reviews, bereits am zweiten Abend größtenteils positive. Das liegt nicht nur daran, dass sich die Entwickler ziemlich fix um die größten Fehler gekümmert haben, sondern auch an der Schwierigkeit, in das Spiel reinzukommen. Es gibt ein paar Tutorials, die kratzen aber eher an der Oberfläche, als dass sie bis ins kleinste Detail gehen. Wir schwärmen ja bereits, wie viel wir eigentlich machen können in X4, wir müssen nur eben auch vieles selbst rausfinden. Wer jetzt abgeschreckt ist, entspannt euch. Die X-Community hält zusammen und im Netz findet man bereits für praktisch jedes Problem oder Frage die richtige Antwort. Sogar die ersten Mods geistern bereits durch das Internet! Das alles täuscht aber nicht darüber hinweg, dass X4 eher eine Nische bedient. Zwischen Kämpfen sehen wir eben auch eine Menge Zahlen, wenn wir unser extravagantes Entrepreneurleben im Weltall aufrechterhalten wollen. Befehligen wir dann irgendwann eine ganze Armada an Schürfern und Handelsschiffen, kommen wir auch um das Micromanagement nicht herum. Außerdem können wir so ziemlich jeden Aspekt der Steuerung voll und ganz selbst einstellen. Wollen wir alle Aspekte von X4 zur Gänze genießen, müssen wir Strategie, Marktbewusstsein, Kampfgeschick und eine ganze Menge Geduld miteinander verbinden. Wer jetzt also dauerhaft Action wie in Call of Duty sucht, der sollte die Finger von X4 lassen. Und hey, kein Spiel kommte ohne ein paar Schwächen aus. NPCs sehen ab und an wirklich zum Gruseln aus. Bis man das Flottenkommandieren mit all den kleinen Fummelarbeiten gemeistert hat, vergeht auch einiges an Zeit. Wir haben den ein oder anderen kleinen Bug gesehen, davon war aber keiner gamebreaking. Die Konflikte zwischen Fraktionen fühlen sich oft ziemlich lahm und sinnlos an, leider. Und zum Schluss ist da noch der Sound. Uns gefällt das Schnaufen der Triebwerke, das Donnern der Waffen und die Ambientemusik. Aber die deutschen Sprecher hätten doch noch etwas mehr Emotion in ihre Stimme legen können. Davon hat uns aber nichts den Spaß an X4 wirklich vermiesen können.

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