Splatoon Raiders - Test/Review
Mit Splatoon Raiders wagt Nintendo einen durchaus mutigen Schritt.
Von Christoph Miklos am 17.08.2026 - 03:47 Uhr

Fakten

Plattform

Nintendo Switch 2

Publisher

Nintendo

Entwickler

Nintendo

Release

23.07 2026

Genre

Action-RPG

Typ

Vollversion

Pegi

3

Webseite

Preis

69,90 Euro

Media (8)

Farbenkrieg geht weiter


Mit Splatoon Raiders wagt Nintendo einen durchaus mutigen Schritt. Statt den bekannten 4-gegen-4-Multiplayer-Schlachten der Hauptserie steht dieses Mal ein umfangreiches PvE-Abenteuer im Mittelpunkt. Das Spin-off übernimmt dabei viele Elemente aus dem beliebten Salmon Run, ergänzt diese jedoch um Erkundung, Loot, Charakterfortschritt und deutlich umfangreichere Möglichkeiten bei der Zusammenstellung der eigenen Ausrüstung.
Das Ergebnis ist ein überraschend motivierender Third-Person-Shooter, der vor allem mit seinem hervorragenden Spielgefühl und dem typischen Splatoon-Charme punktet. Allerdings merkt man dem Abenteuer auch an einigen Stellen an, dass die bekannte Horde-Formel über viele Spielstunden gestreckt wurde. Darüber hinaus bleibt die technische Präsentation deutlich hinter den Möglichkeiten der Nintendo Switch 2 zurück.

Handlung


Die Ausgangslage ist schnell erklärt: Nach einem Hubschrauberabsturz landet unser selbst erstellter Charakter gemeinsam mit bekannten Gesichtern aus dem Splatoon-Universum auf den mysteriösen Spiralit-Inseln. Dort gilt es nicht nur einen Weg zurück nach Hause zu finden, sondern natürlich auch jede Menge Schätze einzusammeln. Das größte Problem dabei sind die zahlreichen Salmoniden. Fans der Serie kennen die fischartigen Gegner bereits aus dem Salmon-Run-Modus von Splatoon 2 und Splatoon 3. Entsprechend entwickelt sich die vermeintliche Schatzsuche schnell zu einer ziemlich turbulenten Monsterjagd.
Die Handlung selbst bleibt dabei eher Mittel zum Zweck. Eine besonders spannende Geschichte sollte man nicht erwarten. Zwischen den Einsätzen gibt es zwar zahlreiche Gespräche mit den bekannten Charakteren, doch gerade die teilweise recht langen Dialoge treffen mit ihrer überdrehten Art nicht immer ins Schwarze.

Bekannte Formel, neuer Schwerpunkt


Spielerisch bleibt Nintendo den wichtigsten Grundlagen der Serie treu. Aus der Third-Person-Perspektive verschießen wir keine Kugeln, sondern literweise Tinte. Zahlreiche bekannte Waffengattungen wie Shooter, Pinsel, Eimer oder Distanzwaffen stehen zur Auswahl. Mindestens genauso wichtig bleibt die Möglichkeit, in die eigene Tinte einzutauchen. Dadurch bewegen wir uns schneller durch die Umgebung und regenerieren gleichzeitig unsere Munition. Dieses Zusammenspiel aus Schießen, Einfärben und Bewegung funktioniert auch in Splatoon Raiders hervorragend. Besonders gelungen ist erneut die optionale Bewegungssteuerung. Kleine Bewegungen des Controllers werden zum präzisen Zielen verwendet, während der rechte Stick hauptsächlich größere Kamerabewegungen übernimmt. Nach einer kurzen Eingewöhnungsphase funktioniert das erstaunlich präzise und unterstreicht einmal mehr, wie gut Gyro-Aiming zu schnellen Konsolen-Shootern passen kann.

Raids und Missionen


Die einzelnen Einsätze fallen vergleichsweise kompakt aus. Viele Missionen lassen sich innerhalb von etwa zehn bis 15 Minuten abschließen. Dabei wechseln sich lineare Abschnitte mit offener gestalteten Arealen, zeitlich begrenzten Herausforderungen und großen Gegnerwellen ab. Das eigentliche Highlight sind die Massenschlachten. Wenn dutzende Salmoniden gleichzeitig über den Spieler hereinbrechen, der Boden mit Farbe überzogen wird und Spezialfähigkeiten sowie Gadgets gleichzeitig explodieren, entwickelt Splatoon Raiders eine enorme Dynamik. Dabei geht es nicht ausschließlich um schnelle Reflexe. Die richtige Positionierung und Ausrüstung spielen ebenfalls eine wichtige Rolle. Automatische Geschütze können beispielsweise bestimmte Bereiche absichern, während Fallen ganze Gegnergruppen ausschalten. Gerade gegen stärkere Feinde oder Bosse lohnt es sich daher, das eigene Loadout auf die jeweilige Situation abzustimmen.

Looten, Leveln und Experimentieren


Eine der größten Neuerungen ist das deutlich umfangreichere Fortschrittssystem. Während unserer Einsätze sammeln wir Erfahrungspunkte, Ressourcen, Waffen und Verbesserungen. Damit werden wiederum neue Möglichkeiten für kommende Raids freigeschaltet. Zur Verfügung stehen unterschiedliche Tintentanks, die verschiedene Spielstile unterstützen. Wer möglichst schnell und beweglich unterwegs sein möchte, setzt beispielsweise auf entsprechende Bewegungsboni und Distanzwaffen. Andere Zusammenstellungen konzentrieren sich stärker auf Nahkampf oder Gadgets. Zusätzlich lassen sich mehrere aktive und passive Boni, Spezialattacken sowie verschiedene Gimmicks miteinander kombinieren. Automatische Geschütze, offensive Satelliten oder andere Hilfsmittel sorgen dafür, dass sich das eigene Setup deutlich an den persönlichen Spielstil anpassen lässt.
Genau hier entwickelt Splatoon Raiders seinen größten Motivationsfaktor. Nach einem Raid fehlt vielleicht nur noch eine Ressource für das nächste Upgrade – und plötzlich startet man doch noch eine Mission. Neue Ausrüstung auszuprobieren und passende Kombinationen zu entdecken, macht lange Zeit enorm viel Spaß. Der klassische "Nur noch eine Runde"-Effekt funktioniert ausgezeichnet.

Auf Dauer fehlt Abwechslung


Ganz ohne Probleme kommt das Konzept allerdings nicht aus. Je länger wir spielen, desto stärker fällt auf, dass Nintendo die grundlegende Spielstruktur nur begrenzt variiert. Viele Areale funktionieren letztlich nach einem ähnlichen Schema: Gegner beseitigen, Ressourcen sammeln, Schatz erreichen und zurück zur Basis. Interessante Rätsel oder größere spielerische Überraschungen bleiben vergleichsweise selten. Noch problematischer wird dies in Verbindung mit dem Fortschrittssystem. Im späteren Spielverlauf müssen teilweise bereits bekannte Missionen auf höheren Schwierigkeitsstufen erneut absolviert werden, um ausreichend Ressourcen für bessere Ausrüstung zu sammeln. Aus dem anfangs äußerst motivierenden Loot-System wird dadurch stellenweise Grind. Schade, denn grundsätzlich besitzt Splatoon Raiders genügend gute Mechaniken, um deutlich abwechslungsreicher zu sein. Gerade einige speziellere Herausforderungen zeigen, dass Nintendo durchaus kreativere Ideen für das Spielprinzip besitzt.

Koop-Modus


Wer nicht alleine gegen die Salmoniden antreten möchte, kann gemeinsam mit anderen Spielern auf Beutezug gehen. Mit mehreren Spielern wird das ohnehin vorhandene Chaos natürlich noch einmal deutlich größer. Gerade die großen Gegnerwellen profitieren davon. Unterschiedliche Loadouts können sich ergänzen und gemeinsam eingesetzte Gadgets verwandeln manche Arenen innerhalb weniger Sekunden in ein buntes Effektgewitter.
Die grundlegenden Schwächen des Missionsdesigns verschwinden dadurch allerdings nicht. Auch gemeinsam bleiben Wiederholungen und das Sammeln benötigter Ressourcen ein wichtiger Bestandteil des Spiels.

Technik und Grafik


Technisch hinterlässt Splatoon Raiders einen zwiespältigen Eindruck. Positiv fällt zunächst die Performance auf. Selbst wenn zahlreiche Gegner gleichzeitig auf dem Bildschirm erscheinen und überall Tinte, Explosionen und Partikeleffekte zu sehen sind, bleibt das Spiel flüssig. Die getesteten Quellen berichten von stabilen 60 Bildern pro Sekunde auch während größerer Gefechte. Weniger überzeugend ist dagegen die eigentliche Grafikqualität. Charaktermodelle wirken teilweise kantig, Umgebungen sind vergleichsweise detailarm und manche Texturen könnten problemlos aus der ersten Switch-Generation stammen. Besonders die größeren Areale erscheinen stellenweise leer und funktional. Der farbenfrohe Splatoon-Stil kaschiert diese Schwächen während hektischer Gefechte recht gut. Sobald man jedoch etwas genauer hinsieht, wird deutlich, dass Splatoon Raiders die Möglichkeiten der Nintendo Switch 2 kaum ausreizt. Das ist besonders schade, weil gerade ein Spiel mit derart vielen Farb- und Partikeleffekten visuell deutlich stärker von der neuen Hardware profitieren könnte.

Sound


Akustisch präsentiert sich Splatoon Raiders dagegen gewohnt stark. Die Mischung aus elektronischen Klängen, Rock und dem typisch schrägen Splatoon-Sound passt hervorragend zum bunten Geschehen. Vor allem während größerer Gefechte sorgt die Musik für zusätzliche Dynamik. Auch die Soundeffekte der verschiedenen Waffen und Gadgets besitzen genügend Druck und geben gutes Feedback. Die Kunstsprache der Charaktere dürfte dagegen weiterhin Geschmackssache bleiben. Gerade bei längeren Gesprächen kann das permanente Gebrabbel durchaus etwas anstrengend werden.

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