Saros - Test/Review
Mit Saros liefert das finnische Studio Housemarque sein nächstes großes Spiel ab.
Von Timm Woita am 20.05.2026 - 04:18 Uhr

Fakten

Plattformen

PlayStation 5 Pro

PlayStation 5

Publisher

Sony Interactive Entertainment

Entwickler

Housemarque Games

Release

30.04 2026

Genre

Action-Adventure

Typ

Vollversion

Pegi

16

Webseite

Preis

69,99 Euro

Media (13)

Returnal 2.0?


Mit Saros liefert das finnische Studio Housemarque sein nächstes großes Spiel ab. Aber kann Housemarque nach Returnal das nächste große Hitspiel liefern oder ist Saros einfach nur das Gleiche in neuem Gewand?

Das Lied vom Bullet-Ballett


Schon früh wird klar: Der geistige Nachfolger von Returnal will keine vorsichtige Evolution sein, sondern ein kompromissloses AAA-Bullet-Hell-Abenteuer, das Roguelike-Elemente, Horror, Jump-and-Run und schnelle Shooter-Action miteinander verbindet. Die Geschichte dreht sich um die Crew der Echolon IV und unseren Hauptcharakter Arjun Devraj, ein Vollstrecker der Soltari Corporation. Die Mission scheint zunächst simpel: Auf dem Planeten Carcosa soll der wertvolle Rohstoff Lucenit geborgen werden. Doch bereits nach kurzer Zeit wird deutlich, dass Carcosa alles andere als ein gewöhnlicher Planet ist. Die feindliche Umgebung, die Überreste einer uralten Zivilisation und gigantische Bauwerke vermitteln ständig das Gefühl, dass Menschen an diesem Ort eigentlich nichts verloren haben. Vor allem die Größenverhältnisse beeindrucken. Gewaltige Ruinen und monströse Gegner lassen Arjun winzig erscheinen. Manche Feinde überragen ihn mehrere Meter und verwandeln ganze Gebiete in gnadenlose Bullet-Hell-Arenen. Genau darin liegt die größte Stärke von Saros: Das Spiel versteht es hervorragend, den Spieler konstant unter Druck zu setzen, ohne dabei massiv unfair zu wirken. Das Kampfsystem ist schnell, aggressiv und verlangt volle Konzentration. Unterschiedliche Waffentypen erlauben verschiedene Spielweisen. Klassische Sturmgewehre und Schrotflinten sorgen für direkten Schaden auf kurze und mittlere Distanz, während Energiewaffen wie Armbrüste oder Klingenwerfer deutlich experimenteller ausfallen. Ergänzt wird das Arsenal durch mächtige Spezialfähigkeiten und verheerende -attacken, die selbst größere Gegnergruppen kontrollieren können. Besonders gelungen ist die Kombination aus schneller Teleportation und dem Schildsystem. Projektile im letzten Moment zu blocken, anschließend durch eine Gegnerformation zu dashen und sofort zum Gegenschlag auszuholen, fühlt sich fantastisch an. Das muss es allerdings auch, denn Saros kennt kaum Verschnaufpausen. Selbst normale Kämpfe eskalieren schnell zu chaotischen Kugelhageln. Dabei wirkt das Spiel auf den ersten Blick beinahe wie ein Flickenteppich aus unterschiedlichen Genres. Jump-and-Run-Passagen treffen auf Horror-Atmosphäre, Roguelike-Strukturen auf Third-Person-Shooter-Gameplay und Bullet-Hell-Gefechte auf cineastische AAA-Inszenierung. Im laufenden Spiel fügt sich jedoch alles überraschend stimmig zusammen.

Carcosa ist ein schönes Fleckchen Hölle


Die Spielwelt von Carcosa gehört klar zu den größten Highlights des Spiels. Der Planet ist in mehrere Biome unterteilt, die sich optisch und atmosphärisch deutlich unterscheiden. Trotzdem wirkt die Welt niemals künstlich getrennt. Bereits in der Ferne sind Städte oder andere Regionen sichtbar, die wir im weiteren Spielverlauf noch betreten, wodurch Carcosa wie ein zusammenhängender Ort erscheint. Die einzelnen Areale werden prozedural generiert und verändern sich nach jedem Tod. Dadurch bleibt die Erkundung auch nach mehreren Runs spannend. Immer wieder warten versteckte Abzweigungen mit besseren Waffen, neuen Artefakten oder riskanten Herausforderungen. Richtig beeindruckend wird Saros allerdings während der Sonnenfinsternis. In diesen Momenten verändert sich die gesamte Atmosphäre des Spiels. Dunkles Licht legt sich über die Welt, uralte Maschinen erwachen plötzlich wieder zum Leben und offenbaren erst dann ihre gigantischen Ausmaße. Besonders das Minengebiet mit seinen Lavaflüssen, feuerspeienden Maschinen und tödlichen Fallen bleibt nachhaltig im Gedächtnis. Auch das Gegnerdesign überzeugt. Unterschiedliche Gegnertypen – von Fernkämpfern bis hin zu fliegenden Kreaturen – sorgen zunächst für Abwechslung. Im späteren Spielverlauf wiederholen sich manche Feinde zwar etwas zu häufig, wirklich störend fällt das aber selten auf. Die beste Arbeit haben die Entwickler jedoch bei den Bossen geleistet. Diese sind grotesk, riesig und inszenatorisch beeindruckend. Während normale Kämpfe oft hektisch und chaotisch verlaufen, wirken die Bosskämpfe deutlich kontrollierter. Sie setzen stärker auf das Lernen von Mechaniken und auf präzises Timing. Gerade deshalb fühlen sich Siege über die riesigen Monster unglaublich befriedigend an. Und auch technisch liefert Saros eine starke Vorstellung ab. Selbst in Arealen voller Gegner, Effekten und Projektilsalven bleibt das Spielgeschehen flüssig und präzise. Die Grafik ist insgesamt eine echte Augenweide. Beleuchtung, Partikeleffekte und die enorme Sichtweite erzeugen regelmäßig spektakuläre Bilder. Selbst audiotechnisch bewegt sich Saros auf sehr hohem Niveau. Sowohl die englische als auch die deutsche Sprachausgabe überzeugen mit starken Leistungen. Gespräche wirken glaubwürdig, während die überall verstreuten Audiologs die Geschichte sinnvoll erweitern und die Grausamkeit von Carcosa zusätzlich unterstreichen. Ganz fehlerfrei ist die Präsentation allerdings nicht. Hin und wieder fallen Clipping-Fehler oder verwaschene Texturen auf. Diese Probleme treten vor allem in Nahaufnahmen oder bei Interaktionen mit NPCs auf und reißen kurzzeitig aus der ansonsten hervorragenden Atmosphäre.

Die Grausamkeit der Präzision


Saros lebt vollständig von seinem schnellen Spielfluss. Genau deshalb können die Roguelike-Mechaniken gelegentlich auch zum Problem werden. Jeder Tod wirft den Spieler zurück und nimmt immer wieder Tempo aus dem ansonsten hervorragend funktionierenden Gameplay. Das Spiel verlangt deshalb ein gewisses Maß an Frustresistenz. Der Tod gehört hier zum festen Bestandteil der Erfahrung. Selbst mit der präzisen Steuerung führen hektische Situationen manchmal zu Fehlern, die sofort bestraft werden. Besonders im späteren Verlauf verwandeln sich manche Arenen in wahre Projektil-Höllen, in denen der Bildschirm förmlich explodiert. Im Vergleich zu Returnal gibt es allerdings einige sinnvolle Komfortfunktionen. So lässt sich ein Run nun pausieren und die PlayStation 5 problemlos ausschalten, ohne den Fortschritt zu verlieren. Außerdem bietet Saros die Möglichkeit, den Schwierigkeitsgrad anzupassen, wodurch sowohl erfahrene Spieler als auch Genre-Neulinge besser abgeholt werden. Trotz kleinerer Schwächen bleibt Saros ein außergewöhnlich intensives Actionspiel. Housemarque gelingt es erneut, eine einzigartige Mischung aus Bullet Hell, Roguelike und cineastischen AAA-Shooter zu erschaffen. Wer schnelle Reflexe, fordernde Kämpfe und eine bedrückende Science-Fiction-Welt sucht, bekommt hier eines der spannendsten Actionspiele der letzten Jahre.

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