Dark Souls mit Wummen

Was haben No Man's Sky, Dark Souls und Schusswaffen gemeinsam? Richtig: Eigentlich gar nichts. Aber wenn man die prozedural generierten Planeten aus No Man's Sky, den knackigen Schwierigkeitsgrad eines Dark Souls und ein gutes Gun Play kombiniert, so wie es Gunfire Games getan haben, bekommen wir Remnant. Hat sich dies gelohnt? Das zeigt der Test.
Wenn der Tod sich mehrmals meldet
Zu Beginn werden wir erstmal in einen netten kleinen Charaktereditor geworfen, in dem wir uns aus einigen Vorgaben unseren eigenen Helden bauen können. Bartwuchs und Haare angepasst, Stimme drübergelegt und los geht's. Der Editor ist nicht der größte und umfangreichste, den es bisher in einem Videospiel gab, aber es reicht, um sich in einer der Online Sessions nicht zweimal zu sehen.
Also gut. Der Charakter ist erstellt und wir werden in einer Zwischensequenz auf den Weg geschickt, uns mit der Saat, den alienhaften Antagonisten des Spiels, anzulegen und ihnen ein für alle Mal den Gar auszumachen. Dies klappt aber leider nicht ganz so gut, da unser kleines Boot, mit dem wir unterwegs sind, von einer riesigen Welle zerbröselt wird und wir uns nicht an unserem Ziel, sondern an irgendeinem Strand wiederfinden. Im Tutorial wird uns die Steuerung nähergebracht: Bewegen, ducken, laufen, über Hindernisse klettern, Ausweichrolle, Schlagen und Schießen. Spezialangriffe, Blocken und so weiter fehlen aber. Der Tod ist aber auch in Remnant ein ständiger Begleiter. Dies wird auch am Ende des Tutorials bewusst, als wir nur durch die Hilfe anderer knapp mit dem Leben davonkommen, als wir von einer Übermacht der Saat eingekesselt wurden.
Wir wachen in Bunker 13 auf, einer der letzten Bastionen der Menschheit und bekommen von Commander Ford ein paar Infos zur aktuellen Situation außerhalb des Bunkers. Um weitere Hilfe zu bekommen, müssen wir erstmal unsere Loyalität zeigen. Hierzu sollen wir den Generator wieder einschalten. Wir begeben uns also eine Etage nach unten und treffen dort auf Eve. Diese sagt uns, dass sobald wir den Generator einschalten, die Saat auch kommen würde und wir uns verteidigen müssen. Also wählen wir eine Klasse, bevor wir den Generator anmachen. Was ihr spielen wollt, bleibt jedem selbst überlassen: Ob Jäger, Plünderer oder Supporter. Das Klassensystem wird nämlich nach und nach weniger relevant, da alle Rüstungen getragen und alle Waffen gespielt werden können. Nachdem der Generator läuft, dürfen wir uns in die Außenwelt begeben. Hier zeigt sich, dass die Erde zerstört und von den hölzern aussehenden Schergen der Saat bevölkert wird. Einzeln sind diese keine große Gefahr. In einer Gruppe oder aber die Elite Mobs und Bossgegner sind da schon eine andere Nummer. Hier können wir sehr schnell das Zeitliche segnen und es kommt eine Dark Souls mäßige Stimmung auf, in der bei einem knapp gewonnenen Kampf einem ordentlich die Pumpe geht.
Wieso eigentlich No Man's Sky?
Kommen wir jetzt auf die Technik zu sprechen. Das Spiel sieht schick aus und zeigt uns ein Bild der Verwüstung. Rot, grau und trist dominiert das Bild in der Stadt. Hell und weitläufig in einem anderen Areal, grün und undurchsichtig in einem weiteren. Die Stimmung ist dabei jederzeit passend. Die Steuerung mit Maus und Tastatur ist ebenfalls sehr gut umgesetzt und die audiotechnische Untermalung ist auf hohem Niveau stabil. Auch die Synchronsprecher liefern in der deutschen und englischen Tonspur einen guten Job ab. Aber von was lebt Remnant: From the Ashes eigentlich? Die Story ist es in dem Fall leider nicht. Diese ist zwar nicht schlecht und hat auch einen guten Twist, ist aber trotzdem eher auf B-Niveau einzuordnen. Der Grund, warum Remnant so viel Spaß macht, liegt im Grind. Der Grind nach neuen Materialien für das Upgrade der Waffen, der Grind nach Erfahrungspunkten für die 30 verschiedenen Traits, welche Boni geben und vor allem der Grind nach neuen Waffen. Diese sind nur auf ein paar beschränkt, aber man kann nicht alle Waffen in einem Spieldurchlauf erhalten. Hier kommt nämlich das Prinzip der prozedural generierten Level zum Tragen. Nach einem abgeschlossenen Spiel und dem Neustart verändert sich die Spielwelt in gewissen Teilen. Die Abfolge der einzelnen Spielwelten ändert sich nicht, aber ihr Aufbau. Hierdurch wird es möglich gemacht, vorher versteckte oder nicht erreichbare Dungeons zu erreichen, neue NPC's zu treffen und somit neue Rüstungen oder Ringe zu bekommen. Aber das Interessanteste ist, neue Bossfights freizuschalten. Als Beispiel nenne ich nun die möglichen Bossfights auf der Erde: diese könnten Ent sein oder Singe. Sowohl Ent wie auch Singe geben zwei verschiedene Waffen: Vier mal müsste man die Story alleine abschließen, wenn man alle Waffen möchte.
Einsam geht man schnell zugrunde
Remnant ist ein wirklich gutes Spiel, krankt aber trotzdem an einigen Problemen. Einer davon wäre der doch sehr knackige Schwierigkeitsgrad, welcher gerade in Bosskämpfen merkbar ist. Hier zeigt Remnant, dass es eigentlich dazu ausgelegt ist, die Spielwelt zu zweit oder zu dritt zu erkunden. Spiele sind auch in öffentlichen Lobbys schnell gefunden. Gerade in einigen Bosskämpfen ist so viel los, dass man vier bis sechs Augen auch dringend nötig hat, um alles zu sehen und jede Gefahr auszuschalten. Das nächste Problem sind die Hitboxen. Gerade gegen größere Gegner und im späteren Spielverlauf, bekommt man häufig Damage durch eigentlich schützende Wände. Dies ist gerade deswegen störend da 1. Die Gegner sehr hohen Damage raushauen und 2 . Die Heilung mit den Drachenherzen zweimal durchgeführt werden muss. Außerdem fehlen manchmal einfach Umgebungsgeräusche, um die Atmosphäre noch besser zu machen. Den Grind-Charakter, den Remnant: From the Ashes uns in seiner knapp acht bis zwölf Stunden lange Kampagne bietet, sollte man ebenfalls mögen.

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