Remember Me - Test/Review (+Video)
Nach einem verhunzten Resident Evil 6 und weiteren Fortsetzungen (zum Beispiel Lost Planet 3) traut sich Publisher und Entwickler Capcom an eine komplett neue Marke heran.
Von Christoph Miklos am 10.06.2013 - 01:25 Uhr

Fakten

Plattformen

Xbox 360

PlayStation 3

PC

Publisher

Capcom

Entwickler

Dontnod Entertainment

Release

07.06 2013

Genre

Action-Adventure

Typ

Vollversion

Pegi

16+

Webseite

Preis

ab 59,90 Euro

Media (52)

Mind Mixer

Nach einem verhunzten Resident Evil 6 und weiteren Fortsetzungen (zum Beispiel Lost Planet 3) traut sich Publisher und Entwickler Capcom an eine komplett neue Marke heran. Remember Me heißt das „gute Stück“ und ist seit Anfang Juni für PC, Xbox 360 und PlayStation 3 erhältlich. Was wir von dem Spiel halten, könnt ihr in unserem Testbericht nachlesen.
Gedanken, die neue Modedroge
Wir schreiben das Jahr 2084, Schauplatz ist Neo-Paris, ein gleichermaßen düsteres wie futuristisches Abbild der heutigen französischen Hauptstadt. Der Konzern „Memorize“ hat das Monopol auf das Konservieren, aber auch Löschen von Erinnerungen - das er natürlich missbraucht. Anstatt wie versprochen nur noch schöne Erinnerungen in den Köpfen der Kunden zu bewahren, werden Gehirne so manipuliert, dass die Menschen zu willenlosen Sklaven werden, die nach Wunsch des Konzerns agieren. Die einzige Rettung: Eine terroristische Bewegung namens „Errorists“, die in Paris gegen die mentale Unterwerfung kämpft - und dabei die Elite-Erinnerungsjägerin Nilin für den Widerstand einspannt. Aber wie kommt man an die Infos in den Köpfen der Leute ran? Dafür haben die Menschen der Zukunft im Nacken eine entsprechende Schnittstelle, die so genannte Drone. Mit der kann man sozusagen in den Kopf anderer Menschen gelangen und Erinnerungen auslesen oder verändern - dazu aber später mehr.
Atmosphärische aber lineare Welt
Dass die knapp zehn Stunden lange Kampagne fesselt liegt vor allem an dem optisch sehr interessanten Szenario: Neo-Paris, das wir zwar nicht frei erkunden dürfen, uns aber dennoch sofort ins Geschehen zieht. Das Gezeigte erinnert stark an Film-Klassiker wie Blade Runner oder Total Recall. In den belebten Gassen der französischen Hauptstadt finden wir Bäckereien, die ihre Waren im Schaufenster präsentieren. Geschäfte projizieren uns ihre Werbung direkt vor die Nase, und vor den Cafés der Metropole sitzen Menschen, die sich angeregt unterhalten, während Roboter ihre Bestellungen aufnehmen. Natürlich haben es auch die französischen Wahrzeichen wie der Notre Dame oder Sacré-Coeur in das Spiel geschafft. Schade bloß, dass die Welt arg linear aufgebaut ist und die meisten Türen verschlossen sind.
Kampf und Manipulation
Unsere Heldin wird im Laufe des Spiels immer wieder in Kämpfe verwickelt. Nilin verfügt über verschiedene Nahkampf-Fertigkeiten, mit denen sie ihre Feinde effektiv außer Gefecht setzt. Es sind sogenannte Kombo-Talente, „Pressens“ genannt - eine Mischung verschiedener Angriffsaktionen (Schläge und Tritte) -, die sich unterschiedlich kombinieren lassen. Der Clou an diesem System: Wir können uns eine eigene Kombo-Ketten zusammenstellen. Je nach Wahl fügt man besonders großen Schaden zu, heilt sich selbst oder verkürzt die Regenerations-Zeit für angewendete Spezialschläge. Das flotte Kampfsystem erinnert zwar stark an die aktuellen Batman-Teile, kommt aber nicht an dessen Qualitäten heran. Schuld daran sind die häufigen sowie nervigen „Kamera-Patzer“.
Neben den zahlreichen Kämpfen (mit von der Partie sind auch Bossfights) muss Nilin auch etliche Kletterpassagen bewältigen, die jedoch recht anspruchslos ausfallen. Grafische Hinweise zeigen dabei stets an, wo es weitergeht. Ebenfalls ein sehr interessantes Gameplayfeature: Wir können die Gedanken von Menschen manipulieren. Per Vor- und Rückspulfunktion navigiert man durch die Erinnerung und verändert so die Gedanken der betroffenen Charaktere an festgelegten Punkten. Dabei geht es darum, Erinnerungsfehler auszunutzen. Leider fallen diese Abschnitte der Kampagne recht „steif“ aus und lassen nur wenige Möglichkeiten zu. Gelegentlich profitiert man aber auch von den Erinnerungen anderer Figuren - wenn sie etwa als Geisterprojektion Lösungswege aus kniffligen Situationen aufzeigen.
Überhaupt verschenkt Remember Me an vielen Stellen Potenzial: Die Szenerien schwanken zwischen atemberaubend und steril, die Gefechte zwischen fordernd und uninspiriert, und den Figuren hätte mehr Tiefe gutgetan. Zudem mangelt es an Überraschungen, da an jeder Ecke vorhersehbar ist, dass gleich die nächste Gegnerhorde angreift.
Technik
Optisch macht Remember Me dank Unreal 3-Engine einen guten Eindruck. Die futuristische Stadt Neo-Paris glänzt mit vielen Details. Auch die grafischen Effekte und Animationen wissen stets zu gefallen. Leider trüben matschige Texturen und gelegentliche Nachladeruckler das positive Gesamtbild. Die deutsche Sprachausgabe schwankt zwischen gelungen und hölzern. Der kinoreife Soundtrack hingegen begeistert auf der ganzen Linie.
Unser PlayTime-Video zu Remember Me

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