Noch ausreichend Luft?

Als PlayStation 5-Besitzer sieht es momentan ja leider noch etwas mau aus mit exklusiven Titeln. Da war natürlich ein Demon Souls, welches allerdings ein Remake war, und es gab Returnal. Dieses hat sich jedoch eher an die Roguelike-Hardcore-Spieler gerichtet. Mit Ratchet & Clank: Rift Apart haben die Entwickler von Insomniac Games ein weiteres heißes Eisen in der Schmiede, dessen Universum immerhin seit dem Jahr 2002 existiert und mit diesem Ableger den 16. Teil der Reihe markiert. Aber was können Ratchet & Clank noch, nach all dieser Zeit?
Zwei Lombaxe sind besser als einer
Um ehrlich zu sein: Ratchet und Clank können zur Zeit nur noch gelangweilt sein. Die ersten Szenen von Rift Apart spielen zum Zeitpunkt einer Parade für die beiden Hauptcharaktere. Allerdings wissen die beiden gar nicht so recht warum, da die Tage ihrer Heldentaten bereits einige Zeit zurückliegen. Diese großartig inszenierte Passage soll dazu dienen, neuen Spielern zu zeigen, was sie in einigen der älteren Ablegern verpasst haben und uns mit der Steuerung vertraut machen. Durch diese Parade werden wir von Captain Qwark geleitet. Neben herrlichen Übertreibungen seitens unseres Moderator feuern wir Konfettikanonen ab, springen durch die Gegend, zerschießen Gegenstände und gleiten durch die Lüfte. Wem das alles zu gemächlich vonstatten geht, braucht sich aber keine Sorgen machen! Unser Erzfeind, Dr. Nefarious, hält nämlich gar nichts von Paraden und sorgt dafür, dass wir das Gelernte auch direkt anwenden können. Nach einigen Kämpfen und einer wahnsinnigen Inszenierung der selbigen erfahren wir auch, warum Dr. Nefarious uns angegriffen hat: Clank hat nämlich für seinen Freund Ratchet den Dimensionator repariert, um mit ihm zusammen auf die Suche nach den Lombaxen zu gehen. Aber es kommt natürlich anders, als man denkt. Nefarious ist nämlich selbst auf der Suche nach einer Dimension, in der er nicht andauernd aufgehalten wird. Daher schnappt er sich den Dimensionator und ballert wie wild durch die Gegend. Um das Ganze dann endgültig auf Hochtouren zu bringen, reißt der gute Nefarious mehrere Dimensionsrisse auf - einige gelb, einige lila. Der Unterschied ist, dass die gelben Risse uns in der aktuellen Umgebung bewegen, während die lila Risse uns sogar in andere Dimensionen befördern. Mit diesem Zeitpunkt kommt dann auch das vorherige Intro zu tragen. Wir lernen nämlich Ratchets Ich aus einer anderen Dimension kennen! Rivet ist ein Lombax, eine Widerstandskämpferin gegen Unterdrückung und Überwachung, und teilt die gleichen Vorstellungen von Gerechtigkeit. Aber auch Dr. Nefarious hat natürlich ein Ich in anderen Welten. Dieses hat es zum Imperator geschafft, ist momentan auf intergalaktischer Eroberungstour und wird von Dr. Nefarious Nummer eins (unserem originalen Nefarious) vorerst ersetzt. Und der gute Doktor ist ein absolutes Highlight als Antagonist. Ich habe mehrfach herzlich gelacht, mit welch trockenem Humor und witzigen Falschinformationen uns das Leben schwer gemacht werden sollte.
Next-Gen würdig! Auch in einer anderen Dimension
Aber natürlich ist nicht nur das, was uns in der Story erwartet, unglaublich hochwertig. Auch das ganze Drumherum spielt auf einem next-Gen würdigen Niveau. Die Kämpfe sind spannend und machen stets Spaß. Es kommt hier auf ein gesundes Maß an Feuerpower, Waffenauswahl-nutzen, ausweichen und wieder und wieder angreifen an. Die Gegner sind stimmungsvoll inszeniert und bieten unterschiedliche Angriffsmuster an. Ich hatte etwas Angst, dass sich das bunte Effektgewitter auf dem Bildschirm zu schnell abnutzt. Dies ist aber zu keinem Zeitpunkt der Fall gewesen. Dafür sorgt zum einen die gut durchdachten, immer wieder auftretenden ruhigen Momente. Diese sind dann meistens mit Rätseln gefüllt, bieten Nebenaufgaben und geben uns Gelegenheit, die Map zu erkunden. Die Rätsel reichen von einfachen Schalterrätseln bis hin zum Beseitigen von Viren mit unserer Freundin Glitch, der kleinen Computerspinne. Auch das Erkunden lohnt sich. Hier gibt es verschiedene Ausrüstungsteile, Informationsbots oder goldene Schrauben. Besonders die goldenen Schrauben sind super, da hierdurch verschiedene “Cheats” freigeschaltet werden. Ein weiterer Grund, warum die Kämpfe und die Effekte sich nicht abnutzen, ist die Tatsache, dass sie extrem dynamisch sind. Ich meine nicht mal die Kämpfe selbst, sondern das was in der Umgebung passiert. Nehmen wir die ersten Kämpfe nach der Parade als Beispiel: Wir werden von Dr. Nefarious’ Schergen quer durch eine riesige Stadt gehetzt. Überall sieht man Fahrzeuge durch die Luft fliegen, Vögel erheben sich von Bäumen oder dem Boden und fliegen weg oder Aliens aller Arten kauern verängstigt in den Ecken, nur um nach dem Besiegen des letzten Gegners uns mit freudigen Sprüchen zu danken. Es ist einfach das Leben, das die Entwickler in die Welt programmiert haben, was die Kämpfe und das ganze Feuerwerk nie langweilig werden lässt. Aber selbst außerhalb der Kämpfe hat dies einfach den positiven Effekt, dass die Welt so unglaublich echt und nachvollziehbar wirkt. Als letzter lebender Lombax werden wir in Siedlungen von Aliens angeschaut und mit Sprüchen bedacht, nur um dann wieder gegen die bösen Schergen zu kämpfen. Man muss sagen, dass Erkundung, Kampf, Rätsel und Storypassagen einfach nahtlos ineinander übergehen. Und mit nahtlos meine ich auch nahtlos, da wirklich kaum Ladezeiten existieren. Aber der next-Gen Faktor hat natürlich nicht nur auf die Ladezeiten positive Auswirkungen. Denn Ratchet & Clank ist auch audiovisuell ein absolutes Meisterwerk. Die Mimik und Gestik sind auf einem Niveau, das Gefühle absolut genial vermittelt. Sei es nun die Angst von Clank um Ratchet oder der am Anfang aufkeimende Hass von Rivet auf Kit. Die Gesichtsausdrücke passen einfach nur perfekt in die aktuelle Situation. Die Animationen der Charaktere während der Bewegung, des Ausweichens oder auch während des Benutzens der Hoverstiefel sind einfach nur smooth. Es wirkt nichts hölzern oder abgehackt. Selbst die Bewegungen der Gegner sind einfach nur absolut klasse programmiert. Die lebendige Spielwelt mit all ihren verschiedenen Alienrassen oder auch den von Planeten zu Planeten unterschiedlichen Flora und Fauna sind superb. Und diese Planeten sind so abwechslungsreich gestaltet, dass jeder Planet einen unglaublich sympathisches Flair ausstrahlt. Sei es nun die hochtechnologische Megacity, ein Dschungelplanet mit Säuresümpfen oder eine Piratenwelt. Die Planeten unterscheiden sich in sämtlichen Settings und bieten einige Stehenbleiben-und-Staunen-Momente. Aber das, was mich am allermeisten beeindruckt hat, waren die Fell-Animationen von Ratchet und Rivet. In der Paradeszene bekommen wir am Anfang eine Nahaufnahme von Ratchet zu sehen, in der man gefühlt jedes einzelne Fellhaar sieht. Hinzu kommt, dass alles sehr plastisch wirkt. Hier wird nicht, wie bei anderen Spielen, mit sichtbaren tapetenartigen Bildern im Hintergrund gearbeitet. Mir war am Anfang nicht mal klar, das die Zwischensequenz vorbei war und ich Ratchet jetzt steuern konnte. Um ganz ehrlich zu sein: Mir läuft das Wasser im Munde zusammen, wenn ich an das denke, was uns grafisch noch auf der Playstation 5 erwartet, da Ratchet & Clank: Rift Apart bereits beweist, zu was dieses Stück Hardware fähig ist. Noch besser ist die Tatsache, dass es drei verschiedene Grafikmodi gibt. Es kann zwischen Wiedergabetreue, Performance-RT und Leistung gewählt werden. Der erste Modus bietet 4K 30 FPS mit Raytracing, verbesserter Belichtung und weiteren Verbesserungen. Modi zwei ist auf Raytracing mit leicht reduzierter Auflösung ausgelegt und Modi drei ist ein 4K 60FPS Modus ohne Raytracing. Ich persönlich habe mich für den Performance RT Modus entschieden und wurde nicht enttäuscht. Die FPS sind in keiner Situation merkbar gedroppt. Dies war aber auch bei den anderen Modi nie der Fall.
Tipp: Solltet ihr das Gefühl haben, dass ihr ausgewaschene Farben Ingame habt, deaktiviert den 120 Hz Modus der PS5. Dies könnt ihr unter Einstellungen -> Video -> 120Hz Ausgabe deaktivieren.
Das Beste aus allen Dimensionen
Das Spiel besteht natürlich nicht nur aus herausragender Grafik oder sehr guter Story. Audiotechnisch bietet das Spiel in allen Sprachen einen absolut hochwertigen Hörgenuss. Die deutsche Vertonung der Zwischensequenzen grenzt dabei schon Naughty Dogs Uncharted-/The Last of Us-Niveau. Aber auch die NPCs mit ihren Sprüchen sind immer wieder witzig anzuhören. Zudem habe ich keine Spruch zweimal gehört. Auch in den Kämpfen rummst und knallt es an allen Ecken und Enden. Das liegt vor allem an den knackigen Sounds der Waffen, aber auch daran, dass die Gegner uns anschreien und Kommandos geben. Und hier kommen wir jetzt auch mal zu den Waffen. Es gibt insgesamt 19 (!) verschiedene Knarren und Granaten. Und hier muss man fragen: Wer ist denn auf die Idee für diese Waffen gekommen? Eine Blaster-Pistole? Klar! Eine Schrotflinte? Okay. Ein Sägeblattwerfer wie aus Half-Life 2? Cooles Easter-Egg! Eine Waffe, die Dimensionsrisse öffnet, und den Gegner unterschiedliche Sachen auf den Kopf fallen lässt? WTF!!! Und dann lassen sich diese Waffen auch noch aufrüsten. Vier statt zwei Schüssen in der Schrotflinte? Kein Ding! Die Schüsse sollen Gegner durchschlagen? Aber sowas von! Besondere Fähigkeiten wie eine Zielsuchfunktion für den Raketenwerfer? Hab ich da! Es macht unglaublich viel Spaß die verschiedenen Waffen zu nutzen und seinen Gegnern die Hölle heiß zu machen. Aber all diese Upgrades braucht man auch. Denn während die Standardgegner durch Menge beeindrucken, sind die Zwischenbosse und richtigen Bossfights für ihre Hartnäckigkeit bekannt. Das Highlight sind dabei aber die Bossfights, welche ebenfalls vor kreativen Ideen nur so strotzen. Nehmen wir den Suchfüssler. Dieses riesige, fliegende mechanische Ding fliegt durch die Welt von Sargasso, also das mit Säuresümpfen durchzogene Dschungelareal. Wir müssen dem Suchfüssler auf dem Rücken eines Flitzkäfers durch die Säuresümpfe hinterherhetzen, Bomben ausweichen, über Rampen auf den Rücken des Suchfühlers springen und seinen Energiekern zu beschädigen, nur um ihn dann in einem Lombax-vs-Maschine Kampf gegenüberzutreten. EINFACH GENIAL! Die Steuerung geht dabei immer gut von der Hand. Die Adaptive Trigger des PS5-Controllers sind weiterhin für mich ein wenig gewöhnungsbedürftig, aber das liegt eher an meiner grobmotorischen Ader. Selbst in hektischen Situationen ist man trotzdem in der Lage, kontrolliert seinen Lombax zu stehen.
Das einzig Negative ist, dass es in einigen Situationen und bei bestimmten Kamerawinkeln zu Bugs an Charakteren und der Umgebung kommen kann. Sonst habe ich keine Abstürze gehabt oder andere Glitches oder Bugs bemerkt.

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