Pokemon Pokopia - Test/Review
Solltet ihr aktuell keine Lust auf taktische Kämpfe mit den beliebten „Taschenmonstern“ aus dem Pokemon-Universum haben - kein Problem: Mit „Pokopia“ gibt es nun eine gemütliche Lifesim mit hohem Cozy-Faktor.
Von Christoph Miklos am 11.03.2026 - 12:38 Uhr

Fakten

Plattform

Nintendo Switch 2

Publisher

Nintendo

Entwickler

Nintendo

Release

05.03 2026

Genre

Simulation

Typ

Vollversion

Pegi

3

Webseite

Preis

ab 64,99 Euro

Media (19)

Pokemon goes Animal Crossing


Solltet ihr aktuell keine Lust auf taktische Kämpfe mit den beliebten „Taschenmonstern“ aus dem Pokemon-Universum haben - kein Problem: Mit „Pokopia“ gibt es nun eine gemütliche Lifesim mit hohem Cozy-Faktor.

Wo sind alle?


Der erste Blick täuscht: In Pokemon Pokopia schlüpft man nämlich nicht in die Polygonhaut eines jungen Menschen, sondern in die des Formwandler-Monsters „Ditto“. Dieser lebt auf einer heruntergekommenen Insel, welche keine Menschen und nur wenige Pokemon beherbergt. Das möchte das sympathische Wesen gerne ändern. Gemeinsam mit Professor Tangoloss erkundet man die aus Minecraft-artigen Blöcken bestehende Welt, sammelt Ressourcen und trifft dabei auf immer mehr Pokemon, die sich in unserem Dorf ansiedeln möchten. Allerdings nur, wenn die Umgebung auch zu ihnen passt und man ihre Lebensräume nachbaut. Denn das Wohlbefinden der Monster ist einer der wichtigsten Gameplay-Faktoren in Pokopia. Ähnlich wie in Animal Crossing und Co. füllt sich die Spielwelt also nach und nach mit den bunten Monstern. Kämpfe sucht man -natürlich- vergeblich - im Mittelpunkt steht ein friedliches Miteinander. Direkt zu Beginn des Spieles trifft man auf Bisasam, Glumanda und Schiggy. Damit sich die klassischen Starter auf der anfangs noch leeren Insel wohlfühlen, bringen sie einem ihre Fähigkeiten bei. Ditto kann nämlich die Fähigkeiten befreundeter Pokemon nachahmen und ihre Kräfte so nutzen. Mit Bisasams Blattwerk lässt man zum Beispiel Gras sprießen, während Schiggys Aquaknarre ausgetrocknete Böden und Pflanzen wieder mit Leben versorgt. Glumanda sorgt schließlich dafür, dass das erste Lagerfeuer in der neuen Heimat gemütlich knistert. Die Lebensräume der drei sind zunächst sehr schlicht: Eine kleine grüne Wiese genügt den Startern fürs Erste. Wenn jedoch weitere Pokemon einziehen sollen, müssen die Bedingungen bald spezifischer werden. Sichlor erscheint zum Beispiel, wenn man eine Wiese unter einem Baum anlegt, und bringt einem die Attacke Zerschneider bei, mit der man Holzstämme zerteilen kann. Wadribie fühlt sich in einem Blumenfeld wohl und sammelt dort Honig für einen, während Nockchan nur mitmacht, wenn Trainingsgeräte bereitstehen. Diese Habitate lassen sich entweder durch Ausprobieren oder im Verlauf der Story-Quests freischalten. Wobei man „Story“ in Pokopia durchaus in Anführungszeichen setzen sollte, denn die Handlung geht selten über das grundlegende Ziel hinaus, die Welt wieder aufzubauen und zu verschönern. Stattdessen dient sie anfangs eher als Leitfaden, um neue Mechaniken und Features kennenzulernen. Mit der Zeit entwickelt sich Pokopia immer mehr zu einer offenen Sandbox, die stark an Spiele wie Minecraft oder Dragon Quest Builders 2 erinnert. Letzteres stammt übrigens vom gleichen Entwicklerteam, Omega Force, das auch bei Pokopia maßgeblich mitgewirkt hat.

Eine Insel


Anders als in Spielen wie Minecraft starten in Pokopia alle Spieler auf derselben Insel. Die groben Strukturen der Umgebung sind dabei durch unzerstörbare Berge vorgegeben. Im Verlauf des Spiels lassen sich jedoch verschlossene Tore öffnen, die den Zugang zu neuen Gebieten ermöglichen. Nach dem ersten Areal, „Welkwüstia“, führt die Reise etwa in die Küstenregion „Trübküstia“ oder in das bergige Minengebiet „Kargbergia“. Bei allen Regionen handelt es sich um kleinere, offene Areale, in denen die dort lebenden Pokemon neue Mechaniken vermitteln. In Trübküstia herrscht zu Beginn beispielsweise Nacht, weshalb dort gelernt wird, wie sich Elektrizität und Lampen sinnvoll einsetzen lassen. Die tiefen Höhlen und Minen von Kargbergia hingegen eignen sich hervorragend, um den Umgang mit Erzen, Schmelzöfen und Werkbänken zu verstehen und daraus nützliche Gegenstände herzustellen. Während anfangs noch jede Stelle mühsam mit Schiggys Aquaknarre bewässert werden muss, ermöglichen spätere Fortschritte etwa Rituale, die Regen herbeiführen, oder selbstgebaute Schienen, auf denen Lore-Wagen deutlich schneller von Ort zu Ort transportieren. Gerade der Einstieg gestaltet sich dadurch motivierend: Neue Pokemon und Regionen bringen regelmäßig hilfreiche Funktionen mit sich, die den Spielfluss spürbar erleichtern. Gleichzeitig wächst die Neugier darauf, welche neuen Möglichkeiten und Überraschungen hinter dem nächsten geöffneten Tor warten.

Anspruchsvolle Monster


Das Erschaffen bzw. Gestalten der Lebensräume wird im Verlauf der Kampagne immer anspruchsvoller. Am Anfang reichen noch ein paar Bäume oder eine Wiese aus - später wird es deutlich konkreter. Gewisse Monster verlangen zum Beispiel nach einer bestimmten Anordnung von Möbeln - etwas zwei Stühle und ein Tisch mit Vase. Diese Objekte müssen aber erst freigeschalten werden. Auch Landschaftsformen, Höhenunterschiede, Lichtverhältnisse und Gewässer spielen eine wichtige Rolle. Das Maulwurf-Pokemon Rotomurf bevorzugt beispielsweise eine dunkle Umgebung, die entweder entdeckt oder selbst geschaffen werden muss. Onix hingegen mag es überhaupt nicht, wenn es zu feucht ist, während Mauzi ausreichend Licht benötigt, um sich wohlzufühlen. Das Experimentieren mit der Spielwelt, um immer mehr Pokemon ins eigene Dorf zu locken, erweitert den ohnehin starken Sammelreiz des Franchises um eine interessante neue Ebene. Gerade dieser Aspekt sorgt für zusätzliche Motivation und verleiht dem Spiel eine eigene Dynamik. Hinzu kommt der Reiz der Entdeckung: Es ist spannend zu sehen, welche Pokemon sich in den angelegten Habitaten niederlassen, denn oft teilen sich mehrere Monster ähnliche Vorlieben für bestimmte Lebensräume. Dadurch entsteht immer wieder ein kleiner Überraschungseffekt, der das Ausprobieren abwechslungsreich hält. Genau hier liegt auch das größte spielerische Alleinstellungsmerkmal gegenüber Cozy-Games wie Animal Crossing, Disney Dreamlight Valley oder Dragon Quest Builders. Zwar fühlt sich der Mix aus Crafting, Sammeln und Gestalten über weite Strecken vertraut an, doch mit den herumwuselnden Pokémon erhält das bekannte Spielprinzip eine ganz eigene Note. Je mehr Pokemon sich ansiedeln und je zufriedener sie sind, desto höher steigt das Level der jeweiligen Umgebung. Dadurch werden neue Crafting-Rezepte freigeschaltet und im Laden an den Pokémon-Centern zusätzliche Dekorationen sowie Upgrades gegen Münzen verfügbar. Münzen erhält man vor allem durch tägliche Challenges und Aufgaben. Da Pokopia in Echtzeit abläuft, werden diese Daily-Quests jeden Morgen aktualisiert. Wer möglichst effizient spielen möchte, schaut daher regelmäßig vorbei. Größere Fortschritte lassen sich jedoch meist auch in längeren Spielsitzungen erreichen, ohne ständig auf den täglichen Reset warten zu müssen oder sich eingeschränkt zu fühlen – mit einer wichtigen Ausnahme.

Baumeister


Wie in Minecraft lassen sich auch in Pokopia Gebäude und Strukturen Block für Block selbst errichten. Alternativ bietet der Laden vorgefertigte Bausätze, etwa für Höhlen, Häuser oder ein Pokemon-Center. Für diese werden jedoch nicht nur viele Ressourcen und Pokemon mit Baufähigkeiten benötigt, sondern auch Geduld: Größere Gebäude werden oft erst am nächsten realen Tag fertiggestellt. Das entschleunigt zwar das Spiel und erzeugt Vorfreude, hat aber einen Nachteil – während der Bauphase sind alle beteiligten Pokemon, teilweise bis zu acht gleichzeitig, nicht verfügbar. Unpraktisch wird es auch beim Umgestalten. Gebäude lassen sich nicht einfach verschieben oder abreißen. Dafür müssen zunächst spezielle Abriss- oder Verschiebe-Sets im Laden gekauft, platziert und anschließend wieder Pokemon zur Arbeit eingeteilt werden. Das macht Änderungen umständlich und zeitaufwendig. Gerade im Vergleich zu Spielen wie Disney Dreamlight Valley, das komfortable Drag-and-Drop beim Dekorieren erlaubt, wirkt das Gebäudemanagement in Pokopia unnötig sperrig und kann die Freude am Gestalten deutlich bremsen. Ähnlich unhandlich fällt auch das Lagermanagement aus. Zwar lassen sich Rucksack und Lagerkisten mit der Zeit erweitern, und Werkbänke greifen auf direkt angeschlossene Kisten zu. Wichtige Komfortfunktionen fehlen jedoch – etwa das automatische Auffüllen bestehender Itemstapel aus dem Rucksack per Knopfdruck. Besonders mit größeren Inventaren wird das Sortieren dadurch schnell mühsam. Zusätzlich sind Lagerkisten nicht gebietsübergreifend zugänglich. Materialien, die beispielsweise in Welkwüstia gelagert wurden, stehen für Bauprojekte in Trübküstia zunächst nicht zur Verfügung. Zwar schaltet das Spiel später Schnellreisefunktionen und weitere Hilfen frei, doch ein zentrales Lager oder ein globaler Zugriff auf alle Kisten wäre deutlich komfortabler gewesen. Trotz dieser Schwächen bietet Pokopia enormes Langzeitpotenzial. Wer nach dem Sammeln den Drang verspürt, eine möglichst schöne und funktionale Insel zu erschaffen, kann problemlos viele Stunden damit verbringen, an der perfekten Idylle zu arbeiten. Dazu tragen die umfangreichen Gestaltungsmöglichkeiten bei. Elektrische Geräte wie Lampen oder Maschinen benötigen zunächst Strom, der etwa durch Wind- oder Wasserkraft erzeugt werden muss – inklusive dem Verlegen von Leitungen. Ebenso lassen sich unterirdische Kanäle bauen, um wichtige Bereiche mit Wasser zu versorgen. Neben den Storygebieten, die zu Beginn für alle gleich aufgebaut sind, gibt es außerdem die Insel „Neulandia“, die über eine lange Brücke vom Startgebiet erreichbar ist. Sie dient im Grunde als große, weitgehend leere Spielwiese mit nur wenigen vorgegebenen Bergen und Gewässern. Dort lässt sich die Sandbox besonders frei ausleben – allerdings wird dieser Bereich erst im Endgame richtig interessant, wenn alle wichtigen Fähigkeiten und Mechaniken freigeschaltet sind.
Ebenfalls schön: Als Pokemon-Fan bekommt immer mal wieder einen Gastauftritt legendärer Monster geboten.

Multiplayer - und Download-only


Pokopia lässt sich komplett offline spielen. Optional können über die PCs in den Pokemon-Centern jedoch auch Onlinefunktionen genutzt werden: So lassen sich die Inseln anderer Spieler besuchen oder eigene Server für bis zu vier Personen erstellen. Der Inselbesuch erinnert stark an das System aus Animal Crossing: New Horizons. Spieler können ihre Insel präsentieren, gemeinsam erkunden und zusammen Zeit verbringen – sowohl lokal als auch online. Zusätzlich gibt es sogenannte Cloud-Inseln, die wie private Server funktionieren. Dort können Gruppen frei bauen und spielen, wobei gemeinsame Fortschritte gespeichert werden, ohne dass ein Host dauerhaft online sein muss. Für sämtliche Onlinefunktionen ist allerdings eine kostenpflichtige Mitgliedschaft bei Nintendo Switch Online erforderlich. Wichtiger Hinweis: Die physische Edition von Pokemon Pokopia erscheint auf einer Game Key Card. Es befindet sich also ein Modul in der Packung, auf dem allerdings keine Daten gespeichert sind. Die Cartridge muss trotzdem zum Spielen in der Switch 2 stecken, löst aber im Wesentlichen nur den Download der digitalen Version aus.

Technik


Grafisch hinterlässt der Titel einen gemischten Eindruck. Positiv fällt der stimmige Artstyle auf, der sowohl den Cozy-Charme als auch das typische Pokemon-Flair gut einfängt. Besonders die liebevollen Animationen der Pokemon wirken oft sehr niedlich und tragen viel zur Atmosphäre bei. Weniger überzeugend sind dagegen die Umgebungen: Aus der Nähe wirken viele Landschaften recht detailarm, und die flache Beleuchtung lässt das Spiel stellenweise etwas altbacken erscheinen. Auch die geringe Sichtweite stört, da bereits nach wenigen Metern ein violetter Nebel viele Details des Terrains verschluckt. Technisch läuft das Spiel dafür sehr stabil. Es zielt auf 60 FPS ab, die meist auch gehalten werden, und größere Bugs oder Abstürze treten nicht auf. Bei der Performance auf der Nintendo Switch 2 gibt es daher wenig zu beanstanden.

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