Pikachu goes Switch

Es ist schon eine kleine Ewigkeit her (Nintendo 64 lässt grüßen), dass Nintendo ein Pokémon-Spiel für seine Heimkonsolen veröffentlicht hat. Das Warten hat nun ein Ende: Mit Pokémon Let's Go spendiert der bekannte Spieleentwickler einen Switch-Ableger, der jedoch mit einigen Änderungen daherkommt.
Die bekannten Elemente
Pokémon Let's Go, Pikachu ist eine Mischung aus alt und neu. Alt, weil es auf den Spielen der ersten Generation basiert, genauer auf der Gelben Edition, die 1998 für den Game Boy Color auf dem Markt kam. Das Spielprinzip ist bekannt und kaum verändert: Man tritt nach wie vor gegen Arenaleiter an und bekämpft deren Mini-Monster in bester Schere-Stein-Papier-Manier. Auch das Sammeln und Trainieren der Pokémon nimmt einen großen Teil der Spielzeit ein. Ebenfalls ein bekanntes Konzept: Bei Pokémon Let's Go hat man die Wahl zwischen der Pikachu- und der Evoli-Edition, die bis auf das Begleiterpokémon (Pikachu oder Evoli) inhaltsgleich sind. Technisch hat sich natürlich mehr getan: Die Kanto-Region punktet mit mehr Details, schicken HD-Texturen - und im Hintergrund läuft die bekannte Alabastia-Melodie. Fans der Game-Boy-Ableger werden sich sofort wohlfühlen.
Neu hingegen: Beim Durchstreifen der Spielwelt sieht man ab sofort die Taschenmonster im dichten Gras herumlaufen. Die Pokémon werden dabei maßstabsgetreu dargestellt, ein Rattfratz ist also wirklich winzig, während ein Onyx beinahe nicht ins Bild passt. Digdas schießen aus dem Boden und Tentoxa sieht fast wie eine kleine Insel aus, wenn es halb verdeckt durchs Wasser gleitet. Gebiete wie der Vertania-Wald oder die Seeschaum-Inseln wirken dadurch erheblich lebendiger als zuvor. Und Gebäude wie die Arenen oder das Pokémon-Center haben mit Postern an den Wänden, Magazinständern und unzähligen Kleinigkeiten drumherum ein Ausstattungs-Upgrade erhalten. Tamagotchi
Ein bisschen 90er-Jahre-Tamagotchi-Feeling kommt beim neuen Pokémon-Begleiter-Menü auf, da man hier direkt mit seinem Begleiter interagieren kann. Zum Beispiel können wir Pikachu kraulen oder mit Beeren füttern. Dieses Kümmern ist auch nötig, denn unser Pikachu reagiert auf die Geschehnisse rundherum. So ist es beispielsweise verängstigt, wenn man durch den Geisterturm von Lavandia läuft, wird aber ruhiger, wenn man es krault. Für zusätzliche Abwechslung sorgen die zahlreichen Kostüme, die man dem Knirps anziehen kann. Übrigens macht die enge Bindung zum Begleiter nicht immer nur Freude, sondern manchmal auch traurig: Wird Pikachu etwa im Kampf besiegt und kommt wimmernd zurückgelaufen, fühlt man sich wirklich schlecht. Frisches
Für mehr Komfort sorgen die „neuen“ Geheimen Techniken (ehemals VMs): Ab sofort lernt immer das Begleiterpokémon sämtliche wichtige Fähigkeiten wie zum Beispiel Zerschneiden oder Surfen. Das macht das Herumfliegen, Surfen und Felsen durch die Gegend schubsen erheblich stressfreier. Auch erfreulich: Man trägt die Pokémonbox jederzeit bei sich. Monster, die man doppelt gefangen hat, darf man zu Professor Eich schicken, der einen wie in Pokémon Go mit Bonbons belohnt, die wiederum die Statuswerte der Pokémon stärken. Etwas seicht
Ein Punkt der unter Fans (und auch innerhalb der Redaktion) umstritten ist: das neue Fangsystem. Das klassische, rollenspiel-artige Kämpfen früherer Serienteile findet zwar noch in den Arenen und mit in der Gegend verstreuten Trainern statt, hat sich beim Fangen jedoch erledigt. In einem Quicktime-Event muss man genau im richtigen Moment einen Ballwurf treffen, wenn möglich beim ersten Mal, um mit einem guten Wurf besonders viele Erfahrungspunkte für das eigene Team zu ergattern. Dieses System hat seine Vor- und Nachteile. Die fehlende Taktik ist demnach ein Nachteil. Ein großer Vorteil ist jedoch, dass man seine Angriffspunkte (AP) nicht an wilden Pokémon aufbraucht und dann bei den Trainern keine mehr übrig hat. Trainer gibt es jetzt nämlich deutlich mehr in der Welt. Ein Balancing-Problem betrifft die beiden Starter-Monster, die einfach viel zu stark sind. Man dominiert die ersten Stunden komplett nur mit Pikachu - ziemlich langweilig. Das ändert sich erst später im Spiel, wenn man den ein oder anderen Trainer trifft, der einen mit seinen Pokémon und deren Immunitäten dazu zwingt, auch andere Kämpfer parat zu haben.

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