Schnappschuss 2.0

Mit „Pokemon“ verbindet man in erster Linie das Sammeln von und Kämpfen mit fantasiereichen „Taschenmonstern“. Im „Snap“-Ableger geht es aber um den perfekten Schnappschuss. Das ursprüngliche „Pokemon Snap“ wurde schon vor knapp 20 Jahren für die Nintendo 64 Konsole veröffentlicht. Ob das Konzept auch 2021 überzeugen kann?
Auf Foto-Safari
Das Sequel zum Nintendo 64-Original führt das eigenwillige Konzept fort. Erneut fährt man auf vorgefertigten Schienen durch verschiedene Areale und muss auf dem Weg so viele und so interessante Fotos von Pokemon knipsen, wie nur möglich. Nach jeder Fahrt werden die Bilder vom neu eingeführten Professor Mirror analysiert und nach festen Gesichtspunkten bewertet. Was nach einer trägen Kaffeefahrt klingt, ist tatsächlich aber ein unterhaltsamer Mix aus Puzzle-, Suchbild- und Geschicklichkeitsspiel. Bevor es mit dem Abenteuer losgeht, muss man, in einem recht übersichtlichen Editor, einen „frischgebackenen“ Fotografie-Anfänger erstellen, der bei den Forschungen von Professor Mirror und dessen Assistentin Rita aushelfen soll. Auf den Inseln des Archipels der Lentil-Region wird das seltsame Lumina-Phänomen beobachtet - Pokemon, die strahlend hell aufleuchten. Um mehr darüber in Erfahrung bringen zu können, bereist man die unterschiedlichen Biome der Region und fotografiert alles. Der Geschichte wegen sollte man das neuste Pokemon-Abenteuer aber nicht kaufen. Das eigentliche Gameplay läuft immer nach demselben Schema ab: Mit dem Fahrzeug "Neo-One" gleitet man automatisch und in einem eher langsamen Tempo über eine lineare Strecke. Während der Fahrt kann man sich frei umschauen und mit einem Druck auf die A-Taste Fotos knipsen. Insgesamt 72 Bilder können pro Ausflug gesammelt werden, dann ist nämlich der Kameraspeicher voll. Manche Pokemon laufen einem direkt vor die Linse, manche verstecken sich eher im Hintergrund, und oft gibt es nur ein kleines Zeitfenster, bevor das attraktive Motiv wieder weiterzieht. Im Snap-Nachfolger trifft man auf über 200 Taschenmonster, die fast alle Generationen abdecken. Über weite Strecken funktioniert das Bewertungssystem recht gut. Es ist fast immer nachvollziehbar, warum das eine Bild nun besser gelungen ist als das andere. Bei sehr ähnlichen Aufnahmen wird es dann schon schwieriger und es wird Geschmackssache. Ästhetische Elemente, wie beispielsweise ein goldener Schnitt, werden von Professor Mirror nicht berücksichtigt. Im Kontext der Geschichte ergibt das allerdings auch Sinn, immerhin geht es hier um die Forschung, nicht um Fotoshootings für das Modefestival von Saffronia City.
Mehr Abwechslung
Das größte Problem am Vorgänger war die geringe Abwechslung, doch wie sieht es beim New-Ableger aus? Abgesehen davon, dass es nun deutlich mehr Areale abzufotografieren gilt, bekommt man eine Reihe an großen und kleinen Zielen präsentiert, die man abarbeiten kann. So sind pro Fotodex-Eintrag beispielsweise vier Bilder zu machen, die nach Seltenheitsgrad geordnete Situationen abbilden müssen. Erst dann ist der Eintrag vollständig. Darüber hinaus gibt es zahlreiche Interaktionsmöglichkeiten, die jede Fahrt dynamischer gestalten. Hinzu kommt, dass man die einzelnen Areale (sobald freigeschaltet) auch in der Nacht besuchen kann. Als Belohnung für die Aufträge und andere kleine Herausforderungen schaltet man neue Filter, Stempel und Rahmen für die Bildbearbeitung frei, die New Pokemon Snap beiliegt. Die kreativen Möglichkeiten sind hier aber rudimentär und schmücken die Fotos eher, als dass sie tatsächlich einen Mehrwert bieten. Eine nette Dreingabe ist es aber allemal. Ebenfalls gelungen ist die neue „Foto Plus“-Funktion: Von der Helligkeit über die Unschärfe bis hin zum gewählten Ausschnitt - hier lassen sich die Bilder fast noch einmal komplett neu aufnehmen.
Als zusätzliche Dreingabe gibt es eine Online-Fotogalerie, in der man Fotos hochladen und von anderen Spieler:innen bewerten lassen kann.
Technik und Steuerung
Lob gibt es für die sehr gute Performance und hübsche Optik. So hat sich New Pokemon Snap definitiv weiterentwickelt und ist sowohl im Handheld- als auch im TV-Modus schön anzusehen. Die Landschaften sind farbenfroh, die Texturen der Pokemon schauen toll aus und der typische Pokemon-Comic-Stil überzeugt. Die Steuerung ist präzise und lässt sich sogar komplett anpassen. Auch die Hintergrundmusik unterstützt die Spielatmosphäre und fügt sich wunderbar in den Hintergrund ein – wirkt also nicht aufdringlich, mit Ausnahme der Pokeflöte.

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