Traumhafte Simulation

Schon über zwei Wochen ist es her, da habe ich im Microsoft Store knapp über 100 Gigabyte an Daten heruntergeladen. Und was ich schon in der Einleitung sagen bzw. schreiben kann: Jedes Gigabyte hat sich gelohnt! Ich spreche natürlich vom neusten Microsoft Flight Simulator Teil, der nach einer längeren Pause (der Vorgänger „X“ erschien im Oktober 2006) sein Comeback auf PC und Xbox One feiert. Warum mich diese Simulation tagelang vor dem Monitor gefesselt hat, könnt ihr in unserem ausführlichen Testbericht nachlesen!
Für Anfänger und Hobby-Piloten
Der MFS kann eine knallharte Simulation sein, bei der jede(!) Taste auf der Tastatur eine Funktion besitzt oder man konfiguriert ein paar Optionen so um, dass man selbst große Passagierflugzeuge problemlos mit dem Xbox-Gamepad steuern kann. Als ziemlicher Anfänger entscheide ich mich für den einfachsten „Schwierigkeitsgrad“ mit seinen unzähligen Hilfsfunktionen. Für den ersten Flug, der von Wien nach Berlin geht, soll es eine einmotorige Cessna vom Typ C172 G1000 sein. Bevor es aber in die Lüfte geht, drücke ich schnell auf die Pausetaste. Ein Klick in die Schnellzugriffsleiste am oberen Bildschirmrand ruft das Wettermenü des Flight Simulator auf. Zur Auswahl stehen: Live-Wetter, Klarer Himmel, Wenige Wolken, Durchbrochene Wolkendecke, Hochfliegende Wolken, Bedeckt, Regen, Schnee und Sturm. Ich entscheide mich -natürlich- für das Livewetter und bekomme einen sonnigen Tag geboten. Jetzt kann ich mich noch entscheiden, ob ich lieber in der detaillierten Cockpit-Ansicht spiele oder die Außenansicht anwähle, um das Panorama zu genießen. Dank der vielen Hilfsoptionen steuert sich die wendige Cessna kinderleicht und ich komme sicher in Deutschland an. Was für ein Anblick
Während des Fluges komme ich kaum aus dem Staunen heraus: Dank der stark aufgemotzten Engine aus dem Jahr 2006 bekommt man eine fotorealistische Grafik innerhalb und außerhalb des Flugzeuges geboten. Noch viel beeindruckender ist aber die fantastische Wettersimulation. Hier kann die Bedeckung fast höhenmetergenau eingestellt werden, ebenso Niederschläge. Dabei sind volumetrische Wolken, Regen und Schnee ebenso wichtig wie die Farb- und Lichtdarstellung, die die Feinheiten der Landschaft erst richtig zur Geltung kommen lässt. Letztere ist mit einer Mischung aus prozedural generierter Vegetation, Straßen und Häusern in Szene gesetzt, die durch manuell erstellte Areale ergänzt wird. Viele Sehenswürdigkeiten sind detailliert gestaltet und laden zu touristischen Ausflügen ein. Um diese Menge an Detaildaten live zu streamen kommen Microsofts Azure-Cloud-Server zum Einsatz. Allerdings ist auch ein Offline-Modus enthalten, der den enormen Platzbedarf des Programms von rund 150 GByte erklärt. Bekanntes und Neues
Im Kern ist auch der neuste Flight Simulator Ableger „altbacken“: Man plant seine Flugstrecke, wählt ein Flugzeug aus und fliegt los. Arcade-lastige Zocker können, sofern man sämtliche Simulationsoptionen deaktiviert, in knapp 30 Minuten von Wien nach Hamburg „düsen“. Wer es realistischer mag, kann auch gerne mehrere Stunden mit einer Boeing 747 von Innsbruck nach Dubai fliegen. Möchte man spielerisch das Fliegen erlernen? Kein Problem mit dem MFS! In den Einstiegsmissionen bekommt man per Funktrainer die Grundladen der Steuerung erklärt, was einen frustfreien Einstieg in den Simulator bietet. Die Aufgaben sind jeweils nur wenige Minuten lang und ermöglichen im Anschluss jeweils den freien Flug, um das Erlernte anzuwenden. Dazu regt natürlich auch an, sie in einer hübsch zerklüfteten Landschaft in Arizona stattfinden zu lassen, wo die Landebahn auf einem malerischen Plateau liegt. Ab einem bestimmten Punkt geht es aber auch nach intensivem Training nicht mehr ohne Handbuch. Die Menge an Tastenkürzeln und möglichen Funktionen ist einfach überwältigend. Glücklicherweise haben die Tabellen dafür eine Suchfunktion und sind sehr übersichtlich gestaltet. Das gilt im Übrigen für die gesamte Nutzerführung des Spiels. Freundlich bebilderte große Klickflächen verästeln sich in immer detailliertere Menüoptionen, ohne dass wir das Gefühl haben, die jeweilige Option niemals wiederzufinden. Die Steuerung funktioniert mit Maus und Tastatur einwandfrei. Für das „maximale Feeling“ empfehlen wir aber einen hochwertigen Flight Controller inklusive Pedale.
Technik-Monster
Auf höchsten Einstellungen ist der neuste Flight Simulator ein wahres „Hardware-Monster“. Selbst eine High-End-Kiste mit 16-Kern CPU, 32 Gigabyte Arbeitsspeicher und GeForce RTX 2080 Ti Grafikkarte kommt angesichts der Detailtreue ins Schwitzen. Glücklicherweise reicht die Anforderungspalette auch weit nach unten (natürlich dann mit grafischen Abstrichen) und bietet eine Menge Tuning-Potenzial. Bereits beim ersten Start prüft der Flugsimulator, welche Hardware vorhanden ist und gibt dementsprechend eine Empfehlung für eines der vier vorgefertigten Presets „Ultra“, „Hoch“, „Mittel“ und „Niedrig“. Natürlich kann man auch in den zahlreichen Grafikoptionen Feintuning durchführen. Im akustischen Bereich bekommt man authentisch klingende Motoren- und Flugzeuggeräusche geboten. Qual der Wahl
Der Microsoft Flight Simulator ist seit dem 18. August 2020 auf Steam und im Microsoft Store erhältlich. Beide Versionen sind im Multiplayermodus kompatibel und benötigen einen Microsoft-Account. Die günstigste Fassung kostet knapp 70 Euro und heißt offiziell Standard Edition. Alternativ ist sie ab dem 18. August 2020 auch über den Abodienst Xbox Game Pass für PC (Kostenpunkt: rund 4 Euro im Monat) verfügbar. Für 90 Euro - aber nicht über den Xbox Game Pass für PC - ist die Deluxe Edition erhältlich, die zusätzlich fünf detailreiche Flugzeuge sowie fünf akkurate internationale Flughäfen bietet. Für „Hardcore“-Fans gibt es zudem die Premium Deluxe Edition (120 Euro) zu kaufen, die noch mal fünf Flugzeuge und Flughäfen in voller Simulationstiefe bietet - also insgesamt 30 Flieger und 40 Flughäfen.
Laut Microsoft wird es regelmäßig Updates mit neuen Inhalten geben - auch eine eigene Plattform für Mods ist geplant.

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