Geschichte der Menschheit

Tausend Soldaten aus tausend Kulturen... Und gefühlt ebenso viele Forschungen, Errungenschaften und Wunder der Weltgeschichte warten auf uns. Amplitude Studios lässt uns mit HUMANKIND die ganze Menschheitsgeschichte neu schreiben. Wie der Neueinsteiger sich schlägt? Das lest ihr im Test!
Auf dem Weg zu wahrer Größe
Eigentlich schreib ich hier darüber, was das Spiel so zu bieten hat im Story-Bereich. Aber ganz ehrlich? Ihr schreibt die Geschichte in HUMANKIND. Nicht nur für euch, sondern anteilig für die ganze moderne Menschheit. Alles beginnt in einem nomadischen Stammeszeitalter. Die ersten Menschen beginnen, die Erde zu erkunden – Nahrung, vergessene Wunder, tierische Gefahren, all das gehört zum Erwachsenwerden als Menschheit. Bis uns eine prägnante Idee kommt: Was wäre, wenn wir nicht mehr umherziehen? Was wäre, wenn wir uns niederlassen? Und was wäre, wenn wir beginnen, einzigartige Dinge zu tun? Dinge, die für alle Zeitalter durch die Menschheitsgeschichte echoen? Die Schrift, das Rad, Weltwunder – all das ist der Beginn einer wunderbaren Reise durch all das, was wir Menschen so getan haben. Und um unserer nomadischen Startnation ein wenig historisches Flair zu verleihen, dürfen wir in jeder Epoche eine bekannte Kultur wählen, die unser Handeln bestimmt. Lassen wir beispielsweise unsere nomadischen Wurzeln hinter uns, stehen uns zehn Kulturen der Antike zur Verfügung – darunter Ägypten, Babylon oder die Zhou. Jede dieser Kulturen steht für eine bestimmte Art, unseren weiteren Weg zu gehen. Die Harappa beispielsweise fokussieren sich auf Forschung, während die kriegerischen Hethiter eher auf kriegerische Konflikte ausgelegt sind. Neben einer einzigartigen Einheit und einem ebenso einzigartigen Kultur-Gebäude bestimmen diese Kulturen auch, wie wir in das nächste Zeitalter aufsteigen können. Genre-Kollege Civilization nutzt dafür Forschungen, HUMANKIND aber sogenannte Ära-Sterne. Die bekommen wir für so ziemlich alles, was wir tun... Forschungen, Städte-Ausbau, besiegte feindliche Einheiten. Jede Kultur bekommt außerdem extra Punkte (für ihren Sieges-Highscore) wenn sie Dinge tut, die ihrem Volk wichtig ist, wie Städte-Ausbau für die Ägypter. Haben wir sieben Sterne in einer Ära erlangt, geht das Kultur-Wechseln wieder von vorne los! Eine neue Ära bedeutet neue Kulturen, neue Einheiten, neue Gebäude und natürlich neue Forschungen! Aber denkt dran: Jede Kultur kann nur von einem Spieler im Match gewählt werden. Ihr habt euer Auge auf eine Kultur geworfen? Dann sammelt fleißig Sterne und seid einfach schneller!
Zug um Zug zum Sieg
Gameplay-technisch gibt es viele Gemeinsamkeiten zwischen HUMANKIND und Civilization. So viele sogar, dass es einer meiner Mitspieler simpel als „Civ 7“ beschrieben hat. Wie in verwandten Spielen bewegen wir unsere Einheiten turn-based auf einer Hexfeld-Karte. Jedes dieser Felder hat eigene Eigenschaften – grüne Wiesen an Flüssen eignen sich prima, um Landwirtschaft zu betreiben, Gebirge können dagegen nicht passiert werden, geben aber Boni auf Industrie. Man sollte sich also gut überlegen, wo man seine Stadt platziert. Und genau hier unterscheidet sich HUMANKIND von Genrekollegen. Statt einfach Städte in die Welt zu setzen, bauen wir Außenposten. Die sichern unseren Einfluss über eines der Gebiete, in die die gesamte Karte eingeteilt ist. Nur Gebäude können wir nicht innerhalb diesen Außenposten errichten. Sammeln wir genug Einfluss, können wir Außenposten allerdings in volle Städte ausbauen. Um unser Gebiet und alle Ressourcen darin noch besser zu nutzen, können wir Außenposten-Gebiete an Städte anheften. Auf diesem Weg wachsen unsere Städte über die Karte und werden mächtige Powerhäuser für Industrie und Forschung. Auf unsere Städte schauen alle anderen Herrscher mit Neid! Und genau darin liegt das Problem: Andere Reiche werden versuchen, euch eure Städte zu nehmen. Aber keine Sorge! Ihr habt ein breites Arsenal an Einheiten, die für euch mit Freuden in die Schlacht ziehen. Neben klassischen Einheiten, die alle Reiche rekrutieren können, habt ihr für jede eurer Kulturen eine einzigartige Einheit zu Verfügung. Die mittelalterlichen Engländer schicken beispielsweise Langbogenschützen ins Feld, währen die Deutschen des Industriezeitalters versuchen mit ihren U-Booten die Meere zu beherrschen. Jede Einheit im Spiel hat einen Stärkewert, kann aber noch weitere Sonderregeln mit sich bringen. Die Prätorianer-Garde der Römer bekommt durch ihre Sonderregel einen Bonus auf ihre Stärke, wenn ein weiterer Verbündeter neben dem Feind steht. Kommt es zum Kampf, werden aber nicht einfach Kampfwerte miteinander verglichen. Stattdessen wird ein Bereich der Karte als Schlachtfeld reserviert, mitsamt Hügeln und Flüssen, die eventuell taktische Vorteile bieten. Auf diesem Schlachtfeld können wir schließlich, erneut rundenbasiert, unsere Einheiten hin und her bewegen und bestenfalls den Feind schlagen. Ein Kampf geht über mehrere Runden und kann, sofern kein eindeutiger Sieger feststeht, auch über mehrere Spielzüge hinaus ablaufen. Auf diese Art und Weise können wir außerdem mehr Einheiten in diese Schlacht schicken! Ein kleines Scharmützel kann so zur kriegsentscheidenden Mega-Schlacht werden! Besser und schlechter
HUMANKIND hat viele gute Ideen und bringt frischen Wind mit sich! Beispielsweise sorgt das Wechseln der Kulturen durch die Zeitalter hindurch für ein viel flexibleres Spielgefühl. Natürlich können wir eine Linie an Gameplay durchziehen und zum Beispiel versuchen, durchgehend agrar-fokussierte Kulturen zu spielen... sollten wir aber bemerken, dass ein Konflikt mit den lieben Nachbarn unausweichlich ist, lohnt sich vielleicht ein Abstecher in militaristische Kulturen! Ihr hängt in Sachen Forschung hinterher? Wählt eine Kultur, deren Spezialgebiet das ist! Außerdem habt ihr in HUMANKIND zu jeder Zeit eine besondere Einheit, die euch auf den Schlachtfeldern der Geschichte einen Vorteil gibt. Außerdem ist die Diplomatie in HUMANKIND manchen Genrekollegen in seinen Facetten überlegen. Wir können sehr detailliert bestimmen, wie wir zu anderen Reichen stehen bis zu dem Punkt, dass wir ohne Kriegserklärungen Einheiten angreifen können! Diese kleinen Scharmützel helfen uns dabei, klare Grenzen zu nahen Reichen zu ziehen. Leider gibt es auch Momente, in denen HUMANKIND seine schlechten Seiten zeigt. Zunächst einmal: Verbindungsabbrüche im Multiplayer. Ich habe die meiste Zeit im Spiel in einer Multiplayer-Partie verbracht, in der wir im Schnitt zwei Verbindungsabbrüche pro Stunde hatten, manchmal sogar mehr. Auch wenn sich das mit einem schnellen Wiederaufsetzen der Partie lösen lässt, ist es schlichtweg frustrierend. Dabei können wir uns zwar auf den Autosave jede Runde verlassen, wenn wir aber gerade eine lange Schlacht schlagen und diese dadurch noch einmal gespielt werden muss, ist das einfach nur ätzend. Aber noch aus anderen Gründen können die Schlachten hinderlich sein. Die für Kämpfe reservierten Hexfelder sind für andere Einheiten nicht betretbar. In meiner letzten Partie bedeutete das, dass mein Verbündeter gegen einen gemeinsamen Feind kämpfte, ich durch die Schlacht aber komplett vom Feind abgeschnitten war und so keinen Druck auf seine Einheiten produzierenden Städte aufbauen konnte. Schlimmer noch: Kämpfe sind nur für zwei Partien ausgelegt. Selbst wenn ich also in der Nähe bin, kann ich Verbündete bei ihren Kämpfen nicht unterstützen. Kriege werden in HUMANKIND in Kriegsbereitschaft gemessen. Wenn ihr feindliche Armeen besiegt oder Städte erobert, sinkt die Kriegsbereitschaft unseres Gegners, was bedeutet, er ist eher dazu bereit, zu kapitulieren. Wenn er allerdings bei 0 Kriegsbereitschaft angekommen ist, müssen wir sein Friedensangebot annehmen. Statt also unsere eigenen Ziele zu verfolgen, müssen wir dann zuschauen, wie er munter den nächsten Krieg gegen uns vorbereitet. Dazu kommen zuteil undurchsichtige Mechaniken und fehlende Tutorials. Wenn ihr Genrekollegen wie Endless Legend oder Civilization in der Vergangenheit gespielt habt, werden ihr zwar gut reinkommen, Neulinge in dem Genre werden aber eine härtere Zeit haben. Um aber auf eine gute Note zu enden: Der Sound ist großartig! Vom Erzähler, der gelegentlich unserer Errungenschaften honoriert, bis zum Soundtrack, der an die von uns gewählten Kulturen angelehnt ist, passt es einfach!

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