So muss Remake

Mittlerweile ist es über 23 Jahre her, dass Final Fantasy VII, das erste große Mammut-JRPG von Squaresoft für die Playstation 1, veröffentlicht wurde. Mittlerweile heißt Squaresoft Square Enix und das lange Bangen und Hoffen der Fans, seit der ersten Kündigung des Remakes im Jahre 2015, sind vorbei . Wir dürfen endlich die Geschehnisse um Cloud, Barret, Tifa und der restlichen Gruppe von Avalanche bei der Rettung des Planeten erneut erleben.
Eine neue Welt
Wir werden zu Beginn des Final Fantasy VII-Remakes, genau wie im Original, in die Ereignisse um die Planetenenergie Mako, den Großkonzern Shinra und die paramilitärische Umweltschutz-Organisation Avalanche geworfen. Als Söldner angeheuert schlüpfen wir in die Haut von Cloud Strife, einem ehemaligen Elite-Kämpfer des Shinra Konzerns. Angeheuert von Avalanche machen wir uns mit den Mitgliedern Barret, Jessie, Wedge und Biggs auf den Weg, um einen sogenannten Makoreaktor in die Luft zu jagen. Die Grundprämisse ist nämlich die, das Shinra das Mako nämlich dem Planeten entzieht und ihn so langsam aber sicher an den Abgrund treibt, während Avalanche es sich zum Ziel gesetzt hat, diesen zu retten. Nachdem wir endlich Kontrolle über Cloud haben, zeigt sich die erste große Veränderung der Neuauflage: Das Kampfsystem wurde grundsaniert. Damit meine ich, dass es nicht mehr rundenbasiert ist. Im Original durfte der Spieler nach dem Aufladen des ATB-Balkens angreifen, Zauber wirken oder Items nutzen. Aber das ATB-System, welches übrigens für Active Time Battle steht, ist nicht verschwunden. Heißt: Wir können jetzt jederzeit mit der Viereck-Taste Attacken auf den Gegner einprasseln lassen und ihm so Schaden zufügen. Alte Hasen werden sich sicherlich fragen: Wo ist jetzt das ATB-System? Die Antwort liegt in den vorherigen Sätzen. Durch die Attacken auf Gegner bauen wir langsam aber sicher einen ATB-Balken auf. Diesen nutzen wir schließlich, um Zauber, Fähigkeiten oder Items zu nutzen. Sind diese Balken aber leer, verlassen wir uns nur auf schlichte Attacken. Dies verleiht den Gefechten einen teilweise sehr taktischen Aspekt, welcher nicht außer Acht gelassen werden sollte. Außerdem ist es möglich, zwischen den einzelnen Charakteren der Hauptgruppe hin und her zu switchen. Bei fliegenden Gegnern bietet sich zum Beispiel viel eher Barrets Gewehrarm statt Clouds kleinem Buttermesser an. Einer der wenigen negativen Punkte: Der Fanliebling Nanaki alias Red XIII ist kein aktiv steuerbarer Charakter mehr. Fast jeder Gegner hat eine Schwäche, die wir ausnutzen können, um die aus dem 13.ten Ableger der Reihe bekannte Schockleiste zu füllen. Ist diese gefüllt, ist es möglich dem Gegner einen enormen haufen Schaden zu verpassen (Kleiner Tipp: Tifa ist ein echter Schocker). Die Gegner selber sind nämlich, in meinen Augen, auch stärker geworden und bieten eine angenehme Herausforderung, weshalb die Schockleiste nicht sinnfrei ist. Aber nicht nur das Kampfsystem hat sich verändert. Einige Fragen, die das Original aufgeworfen hat, werden aufgegriffen und erweitert oder komplett neu eingebracht. Gibt es eigentlich noch andere Elite Soldaten Shinras außer Cloud und Sephiroth? Was passiert nach den Ereignissen rund um die Slums von Sektor 7? Natürlich bleiben Clouds Reaktionen oder Sprüche auch weiterhin manchmal fragwürdig. Aber er ist nunmal ein knallharter Elite Soldat. Sehr schön ist dafür die Charakterentwicklung der damaligen Sidecharacters. Wo mir damals die anderen Mitglieder der Avalanche-Gruppe relativ egal waren, hat Square Enix es geschafft, dass ich eine emotionale Bindung zu ihnen aufbaue. Dies passiert zum Beispiel durch Sidequests, welche die Hintergründe der einzelnen Charaktere beleuchten. Warum sind sie gegen Shinra? Was haben sie vor ihrer Zeit bei Avalanche gemacht? Es kam nicht nur einmal vor, dass ich sehr gerührt vor dem Bildschirm verhaart habe und eine wohlige Gänsehaut hatte. Um hier Spoiler zu vermeiden, werde ich aber nicht weiter auf das Geschriebene eingehen. Es gibt natürlich auch noch andere Nebencharaktere, welche euch gewisse Aufgaben zukommen lassen.
Ich kann nicht wegschauen und weghören
Aber was macht eigentlich die Grafik? Damals bestanden die Charaktere noch aus dicken Polygonen und hatten Rechtecke als Unterarme. Hier muss ich ganz klar sagen: Hut ab Square. Dieses Remake ist grafisch eine Bombe. Das erste Auftreten eines Cloud sieht einfach unfassbar gut aus. Die Animationen der Bewegungen, die Mimik und Gestik, die wichtigen Umgebungen oder die wichtigen Nebencharaktere sehen fast so aus, als kämen sie aus einem Animationsfilm der Marke “Advent Children”. Fast alles befindet sich auf einem Niveau, welches ich mir nach dem Ankündigungstrailer 2015 nicht hätte vorstellen können. Man erkundet das wunderbar lebendige Slum, schlängelt sich durch enge Gassen oder das nun wesentlich verruchter anmutende Wallmarkt. Was Square aber noch besser hinbekommen hat ist die audiotechnische Untermalung. Sobald die erste orchestrale Inszenierung ins Spiel kommt, hat in mir alles gezittert. One-Winged Angel ist immernoch ein sehr gutes Musikstück, welches aber in seiner neuen Form noch mehr Angst und Glücksgefühle zur gleichen Zeit fördert. Außerdem wurde sich sehr viel Mühe mit der deutschen Synchro gegeben. Sie ist zwar nicht das non plus ultra aber trotz allem gelungen. Außerdem wurden alle Sequenzen vertont, so das lästiges Textbox-Lesen wegfällt. Auch die NPCs geben immer wieder ihren Senf zu den aktuellen Ereignissen dazu. Das zieht den Spieler noch mehr in das Spielgeschehen und hat mich manchmal dazu gebracht, stehen zu bleiben und zu hören, was die Leute zu sagen haben.
Es ist nicht alles Mythril was glänzt
Wie der Titel vielleicht schon andeuten lässt, ist aber auch ein Final Fantasy VII kein Spiel welches ohne Fehler oder Probleme auskommt. Ja, es ist in sich sehr stimmig, aber bietet auch Potenzial für Verbesserungen. Eines der größten Probleme des Remakes liegt auch im Kampfsystem verankert. Hier reden wir nicht von irgendwelchen Bugs oder Glitches, sondern von einer nicht ganz ausgereiften KI. Wie vorher erwähnt, brauchen wir die ATB-Balken, um Fähigkeiten oder Magie zu nutzen. Steuern wir die Charaktere aber nicht selbst, verhalten sie sich meistens so defensiv, dass es eine Ewigkeit dauert, bis ein Balken überhaupt gefüllt ist. Daher müssen wir immer wieder die Charaktere wechseln. Dadurch wird leider zusätzlich Druck auf die Spieler aufgebaut und führt mitunter zu einigen hektischen oder heiklen Situationen. Die Nebenmissionen sind auch nicht sonderlich kreativ. Diese sind meistens den Kategorien “Hole mir dies”, “Erledige das” oder “Töte jenes” einzuordnen. Erkunden lohnt sich leider auch kaum, da Kisten meist in der Nähe des begehbaren Bereichs versteckt sind. Selbst das Remake ist noch ein sehr lineares Spiel, welches Erkundung kaum belohnt. Selbst Chadleys (ihr werdet Chadley kennenlernen) Aufgaben für neue Materie begründen auf diese Aufgaben.
Aber auch bei der Grafik musste Square Enix ein wenig tricksen. Seien es die sichtbar schlechter designten Auftraggeber oder Menschen, welche die Slums bevölkern, verwaschene Texturen an Türen und Umgebungsobjekten oder spät aufploppende Objekte. Der größte Störenfried im visuellen Bereich ist die Verwendung von niedrig auflösenden Objekttapeten für entfernte Bereiche. Hier kann man schon aus einer sonst sehr gut inszenierten Umgebung herausgerissen werden. Das sind Details, die nicht jedem gefallen werden, die ich persönlich aufgrund der sonstigen Grafikpracht aber akzeptiere.

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