Europa Universalis V - Test/Review
Grafen, Herzöge, Könige und sogar Kaiser. Zum fünften Mal lassen wir die Jahrhunderte des Mittelalters hinter uns und treten den Weg in eine neue Zeit, eine erleuchtete Zeit und eine verdammt kriegerische Zeit an.
Von Lars Hack am 24.12.2025 - 03:34 Uhr

Fakten

Plattform

PC

Publisher

Paradox Interactive

Entwickler

Paradox Interactive

Release

04.11 2025

Genre

Strategie

Typ

Vollversion

Pegi

12

Webseite

Preis

59,99 Euro

Media (11)

Ganz Europa!


Grafen, Herzöge, Könige und sogar Kaiser. Zum fünften Mal lassen wir die Jahrhunderte des Mittelalters hinter uns und treten den Weg in eine neue Zeit, eine erleuchtete Zeit und eine verdammt kriegerische Zeit an. Die Rede ist natürlich von Europa Universalis V, aus dem Hause Paradox Tinto, gepublisht von den schwedischen Lehnsherren des Grand Strategy-Genre Paradox Interactive. Auf nach Europa! Und darüber hinaus…

Wenn es nicht der Krieg ist, ist es die Pest


Eigentlich sind Europa Universalis-Spiele - ähnlich wie viele der Grand Strategy-Spiele von Paradox - eine Leinwand unserer eigenen Ambitionen. Eine lose Geschichte Europas und der Welt, geformt durch unsere Entscheidungen, entlang menschlicher Entwicklung. Wie in den Vorgängern steht uns die Welt offen: Wir übernehmen die Geschickte eines Staates im Jahre 1337. Von West nach Ost, von Ost nach West, und von allen anderen Himmelsrichtungen ergibt sich ein markant anderes Weltbild, als wir es heute kennen. Deutschland? Pah! Das Heilige Römische Reich, ein Flickenteppich aus hunderten Kleinstaaten ziert Zentraleuropa, das oströmische Reich zerfällt so vor sich hin, Frankreich und England werfen sich böse Blicke über den Ärmelkanal zu, in Europa hat noch niemand von einer Landmasse namens Amerika gehört und so weiter und so fort. Jeder, der bereits einen der Grand Strategy-Titel vom schwedischen Entwickler gespielt hat, kennt das Bild im Grunde. Wenn nicht, empfehle ich euch einen Blick auf unseren Test des letzten großen Spiels, Crusader Kings 3! Während jeder Titel, neben den unterschiedlichen Epochen, seine ganz eigenen Spielemchaniken mitbringt, versucht man jetzt mit dem fünften Titel der Europa Universalis-Reihe ein wenig neue Wege zu gehen - und zwar, in dem man sich funktionierende Mechaniken und Funktionen von anderen Reihen wie Crusader Kings und Victoria ausleiht. Im 14. Jahrhunderte geben wir dann nur unseren eigenen Spin auf die Dinge, die sich seit dem vierten Teil der Reihe geändert haben: Wir haben ein ausgebautes Handelssystem, unsere Kriegstreiberei muss erst von langer Hand, aber zumindest nicht zufallsbasiert vorbereitet werden und auch unsere Stände feiern ein Comeback, dieses Mal im stärkeren Rahmen. Denn wir sind vielleicht der König (oder Graf, oder Herzog, oder, oder, oder…), aber was immer wir tun, wird sehr kritisch beäugt. Zu Beginn balancieren wir meisten nur drei Stände - Adelige, Klerus und Bauern - die später durch den rasch wachsenden Bürgerstand in unseren Städten ergänzt wird. Wir wollen unseren Adel bei Laune halten und räumen diesen Extrarechte ein? Das gefällt dem einfachen Volk nicht. Wir mischen uns in Angelegenheiten des Adels ein und entscheiden zu unser Gunsten? Das wird einige Priester sehr unglücklich stimmen. Dabei sind wir auf die Unterstützung unserer mächtigen Stände angewiesen, da diese uns sonst den Zugang zu militärischen Truppen streichen, Unterstützung bei Entscheidungen versagen oder sogar direkt den Aufstand proben und unser Land in den Bürgerkrieg stürzen. Und wenn es nicht im Inneren brodelt, dann an unseren Außengrenzen. Oder auf den Märkten. Oder Franzosen und Engländer beginnen einen hundertjährigen Krieg. Vielleicht kirchliches Schisma? Die Pest? Bereits in den ersten ein, zwei Jahrhunderten stellen wir ernüchtert fest, dass vor allem Europa ein Hexenkessel aus Gezank und Katastrophen war. Aber wir als kluge Herrscher wissen natürlich trotzdem, wie wir nicht nur den Sturm überstehen, sondern an Herausforderungen wachsen. Immer dran denken: Wenn unser Rivale härter als wir von der Pest getroffen wurde, zieht das auch seine Armeereserven in Mitleidenschaft…

Ambitionen jenseits der Krone


Rundum hat die Welt von Europa Universalis einen neuen Anstrich bekommen. Auch, wenn man nicht viel an der Verteilung der Karte drehen kann (die Welt ist nunmal, wie sie ist), kommt der fünfte Teil in neuer Optik und frischem UI daher. Das heißt für Veteranen, dass man sich an ein neues Set an Menüs gewöhnen darf, das aber zumindest an den Wurzeln noch an frühere Buttons erinnert. Veteranen dürfen sich aber auf noch etwas altbekanntes “freuen”: Die übliche Paradox-Hickser. Hier werden mal Titel nicht richtig dargestellt, da fehlt mal ein Wappen oder es lädt einfach gerade nicht richtig. Ärgerlich wird es, wenn diese kleinen Unebenheiten den Spielfluss spürbar stören. Ab und an werden uns wichtige Werte - wie unsere Wirtschaft samt Einnahmen oder der Fortschritt von Weltevents - nicht korrekt angezeigt. Dann werden diese Werte noch weiter normal berechnet, wir können sie aber nicht sehen. Beheben können wir das ganze nur mit einem Neuladen des Spielstands, was im Singleplayer nervt, aber im Multiplayer ein ziemlicher Showstopper sein kann. Und dann gibt es da natürlich noch die Sachen, die sich nicht so einfach beheben lassen. Zum Beispiel Tooltips, die uns eigentlich erklären sollen, warum wir eine Aktion nicht durchführen können, aber es einfach nicht tun, weil die Entwickler genau an dieser Stelle einfach einen generischen Text eingefügt haben. Der Multiplayer läuft dafür zwar stabil, in 20 Stunden Multiplayer mit nur einem Disconnect, kommt aber mit eigenen Stolpersteinen daher. Wenn wir in den Krieg ziehen, können wir verbündete Computer-gesteuerte Staaten automatisch vom Kriegsfenster mit in die Schlacht rufen. Für menschliche Mitspieler funktioniert das jedoch nicht. Wir können sie zwar anklicken, müssen aber trotzdem nach Ausbruch des Krieges nochmal eine Ressource ausgeben, um sie manuell mit einzuladen. Das sind aber alles patchbare Fehler. Tooltips können nachgerüstet, Ladeprobleme behoben und Anzeigebugs gefixt werden. Und wie gesagt, wir Paradox-Veteranen (Pararanen?) sind diese kleinen Fehler zum Release inzwischen gewöhnt. Und wir können uns sogar darüber freuen, dass sich Europa Universalis wie ein wirklich runder Release anfühlt, ohne, dass wir an jeder Ecke das Gefühl haben, dass Funktionen für zukünftige DLCs zurükgehalten wurden. Aber für alle, die frisch in die Welt der grand Strategy aus Schweden miteinsteigen wollen, wird es abermal schwierig. Europa Universalis V ist zwar nicht ganz auf dem Level eines Victoria III zum Release, bringt aber dennoch eine enorm steile Lernkurve mit sich. Das Tutorial dafür gibt es lediglich in Videoform… Gute drei Stunden davon, auf dem offiziellen Europa Universalis-Youtube-Channel. Ich behaupte nicht, dass man die gesamten drei Stunden anschauen muss, geschweige denn, das man nach dem abendfüllenden Tutorial-Programm ein Meister des Spiel ist. Leichte Kost ist es dennoch nicht. Zu guter Letzt, lasst uns über das wichtigste auf der Karte sprechen: Unsere Mitspieler. Jeder Staat, ob Grafschaft, freie Stadt oder Königreich, wird entweder vom Computer oder unseren menschlichen Mitspielern gesteuert. Mit menschlichen Mitspielern haben wir unsere ganz eigenen Herausforderungen, denn wer würde schon zu 100% dem Herzog von Bayern vertrauen, der vielleicht seine ganz eigene Agenda verfolgt? Computer-gesteuerte Staaten sind dafür etwas einfach einzuschätzen, deren Beziehung zu uns basiert voll und ganz auf guten alten Zahlen. Im Krieg enttäuschen sie uns aber oft genug. Mehr als einmal habe ich frustriert zugeschaut, wie meine Verbündeten ihre Armeen in hoffnungslose Schlachten geworfen haben, nicht aushalfen, als wir angegriffen wurden, oder einfach ziellos durch die Gegend marschiert sind. Das heißt nicht, dass alle Aktionen der NP-Staaten unsinnig sind, aber oft genug, dass es auffällt.

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