Kultiges Remake

Das 15 Jahre alte Destroy All Humans! feiert, dank Publisher THQ Nordic, sein Comeback. Der 2005-Klassiker konnte vor allem durch seinen Humor überzeugen. Doch wie sieht es mit dem Remake aus?
Bekannte Alienkost
Die Geschichte ist bekannt: Man schlüpft in die Alienhaut von Crypto-137. Er gehört zur Rasse der Furons, die sich mangels Genitalien nicht mehr auf natürliche Weise reproduzieren können. Sie sichern ihren Fortbestand durch Klonen, was jedoch einen Nachteil mitbringt: Mit jedem Klonvorgang verliert das verwendete Erbmaterial an Qualität. Inzwischen droht ihnen deswegen das Aussterben. Es gibt aber eine Lösung: Die Menschen auf der Erde tragen genetisch reine Furon-DNA in deren Blut. Um dieses Erbgut zu extrahieren und nebenbei noch seinen verunglückten Klon-Bruder Crypto-136 zu finden, wagt Crypto 137 einen Ausflug zur Erde des Jahres 1959. Das deutsche Entwicklerstudio Black Forest Games aus Offenburg hat bei der Story, den Dialogen und auch der Missionsstruktur keine Veränderungen vorgenommen. In der Tutorialmission lernt man die Alien-Basics: Crypto kann Gedanken lesen, per Telekinese Gegenstände durch die Gegend werfen, mit seinem Jetpack herumfliegen und sogar die Gestalt von Menschen annehmen. Das 50er-Jahre-Setting ist herrlich trashig. In den typischen Vorstädten und ländlichen Gebieten der insgesamt sechs Areale trifft man nahezu alle Klischees: den mistgabelschwingende Redneck, das blonde Cheerleader-Dummerchen oder den machtgeilen Bürgermeister, der alle Ungereimtheiten mit der kommunistischen Bedrohung erklärt. Kenner des Originals erleben beim Missionsdesign keine großen Überraschungen: Von simplen Fetchquests bis zu Ballerorgien mit Zeitlimit ist alles vertreten, was man im Rahmen kurzer, überschaubarer Szenarien erledigen könnte. Mal soll man mithilfe des Tarn-Hologramms unentdeckt bleiben, ein andermal darf man wild mit seiner Laserpistole herumballern. Das UFO kommt in bestimmten Missionen als zerstörerische Untertasse zum Einsatz. Mit Lasern, Schallwellen und Schutzschild ausgestattet haben die Menschen keine Chance gegen uns. Schade, dass das UFO nur an bestimmten Stellen der Kampagne zur Verfügung steht und nicht frei benutzt werden kann. Der Schwierigkeitsgrad schwankt in den diversen Settings, ist meist aber abhängig von den Upgrades, die man Crypto über die gesammelten Menschenhirne verpasst. Insgesamt sind die Aufgaben leider zu kurz oder taktisch zu belanglos. Knapp acht Stunden nimmt die Kampagne in Anspruch. Der Humor bleibt nach wie vor Geschmackssache (Stichwort: Analsonden-Waffe).
Neues
Anders als beim Humor wurde spielerisch spürbar mehr an aktuelle Standards angepasst. So ist es nun zum Beispiel möglich, Cryptos übersinnliche Fähigkeiten parallel zu den Waffen zu nutzen und auch das UFO lässt sich nach oben und unten bewegen, was im Original tatsächlich nicht möglich war. Ebenfalls neu sind optionale Herausforderungen, die nach Erledigung einer Mission in den offenen Gebieten zur finden sind. Dadurch schalten wir zum Beispiel neue Skins frei. Ebenfalls erfreulich: Das Entwicklerteam konnte eine verloren geglaubte Mission restaurieren. Diese spielt zwischen zwei Hauptmissionen und führt unseren Alien in die Militärbasis Area 42. Der neue Level fügt sich nahtlos in die bekannte Handlung ein. Technik
Beim 2020er Destroy All Humans! wird auf die bekannte Unreal Engine 4 gesetzt, die für schicke Effekte sorgt. Darüber hinaus haben die Entwickler das Design der Charaktere überarbeitet, die jetzt noch überdrehter aussehen. Schade: Die Animationen und die Mimik wirken insgesamt recht hölzern. Auch muss man damit leben, dass die Areale arg klein sind und die KI nicht gerade clever agiert.
Fans des Klassikers dürfen sich über die Original-Tonspur freuen. Die Übersetzung allerdings wurde neu in Auftrag gegeben und synchronisiert, so dass die Aliens im Remake nun auch Deutsch sprechen. Ebenfalls schön: PC-Zocker können auch per Maus und Tastatur bequem die Weltherrschaft anstreben.
Destroy All Humans! ist ab sofort für PC und Konsolen für 24,46 Euro im Handel erhältlich.

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