Can it run…

Das deutsche Entwicklerteam Crytek hat vor 13 Jahren das Shooter-Genre mit dem „Hardware-Monster“ Crysis revolutioniert. Neben der beeindruckenden Technik gab es eine offene Spielwelt inklusive taktischem Gameplay. Also höchste Zeit für eine Remastered-Version? Nicht unbedingt!
Man kennt es
Nach dem Erfolg von Crysis 1 ging es mit der Serie steil bergab: War die Stand-Alone-Erweiterung „Warhead“ rund um Elite-Soldaten „Psycho“ noch recht ordentlich, konnten Teil 2 und 3 nur bedingt die Community überzeugen. Publisher EA zog daher die (Geld)Reißleine - 2013 war Schluss mit der Marke Crysis. Trotzdem will Crytek es heute nochmal wissen und bringt den atmosphärischen Actiontitel als aufgemöbelte Remastered-Fassung zurück. Diese Version wurde zusammen mit Saber Interactive entwickelt und will vor allem mit schönerer Optik punkten, das Gameplay bleibt dagegen unangetastet. Inhaltlich basiert der Remaster auf den PS3- und Xbox-360-Fassungen, was bedeutet: Man bekommt nur die acht bis zehn Stunden lange Einzelspielerkampagne geboten, aus der allerdings die „Ascension“-Flugmission herausgeschnitten wurde. Der Multiplayer fehlt ebenfalls und die Standalone-Erweiterung Crysis Warhead, in der Psycho die Hauptrolle spielt, ist auch nicht enthalten. Kurz ein paar Worte zur Story: In Crysis schlüpft man in die Polygonhaut von Elitesoldaten Nomad, der als Teil einer kleinen US-Spezialeinheit auf einer tropischen Insel landet, die von nordkoreanischen Soldaten überrannt ist. Der Grund für das hohe Militäraufkommen: Unter der Insel schlummert eine uralte Alien-Armee.
Verbesserte Technik
In die Remastered-Version wurden einige Feature implementiert. Da wäre zum Beispiel das moderne Global-Illumination-Modell (SVOGI), das vor allem in Innenräumen oder überdachten Bereichen für deutlich stimmigere Beleuchtung und Atmosphäre sorgt. Darüber hinaus gibt es schärfere Texturen, Parallax Occlusion Mapping, verbesserte Partikeleffekte, feinere Schatten, Kantenglättung, Umgebungsverdeckung und sogar (Software)Raytracing. Tatsächlich sehen -vor allem- die Dschungellevel deutlich schicker aus, auch wenn viele Abschnitte unserer Meinung nach zu hell sind. Auch das überarbeitete Wasser sieht unrealistischer aus als im Original. Was wir hingegen nicht verstehen: Viele Assets (zum Beispiel Tiere, diverse Map-Gegenstände und Waffenmodels) wurden einfach 1:1 aus der 2007er-Version übernommen. Ganz ehrlich: Ein eckiges Huhn in einem aktuellen Shooter muss bzw. darf nicht sein.
Ein weiteres Problem: Die Performance. Selbst auf einem High-End-PC (AMD Ryzen 9 3950X, NVIDIA GeForce RTX 3090, 64 GB Arbeitsspeicher) lief der Titel auf „Sehr Hoch“ (zweithöchste Grafikeinstellung) und 4K-Auflösung nicht immer mit über 60 FPS. Grund für die maue Leistung ist die veraltete DirectX-11-Schnittstelle. Von Raytracing sollte man auch lieber die Finger lassen, da dieses Feature die Bildwiederholfrequenz weiter senkt. Leider haben es die Entwickler auch versäumt, die Charaktermodelle vernünftig aufzupeppen, gerade die Gesichtsanimationen vieler Nebenfiguren wirken veraltet. Auch die generellen Bewegungsanimationen sind nicht mehr zeitgerecht.
Unser Testvideo zu Crysis Remastered


Eigentlich ganz gut
Das Gameplay an sich macht auch 13 Jahre nach dem ursprünglichen Release Spaß. Dank Nanosuit und recht offener Spielewelt kann man sich so richtig schön austauben. Je nach Lust und Laune kann man Gegner im Frontalangriff erledigen (hier empfiehlt sich der Panzerungsmodus) oder man schaltet die Feinde nach und nach per Stealth-Attacke aus (Unsichtbarkeitsmodus + Waffe mit Schalldämpferaufsatz). Nettes Detail: In der PC-Fassung kann man auf Wunsch auch die alte Nanosuit-Steuerung aktivieren, mit der man alle Funktionen manuell ein- und ausschalten muss. Standardmäßig ist aber die bequemere Steuerung aktiv, wie man sie von den Konsolenfassungen bzw. ab Crysis 2 kennt. Darüber hinaus hält die Nanosuit-Power länger an. Schade bloß, dass die KI, wie schon in Crysis Classic, zum Teil heftige Aussetzer hat.

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