Flache Gewässer

Schon vor über sechs Jahren konnte man auf der gamescom einen Prototypen von Aquanox 3 bestaunen. Danach wurde es aber wieder still um den Unterwasser-Actiontitel von Entwicklerteam Massive Development. Doch nun, mit einer ordentlichen Verspätung, ist Aquanox: Deep Descent endlich für den PC erschienen. Was Fans der Serie für ihr Geld geboten bekommen, könnt ihr in unserem ausführlichen Testbericht nachlesen!
Lange hat es gedauert
Die 3D-Unterwasser-Kampfsimulation Aquanox aus dem Jahr 2001 gilt bis heute als kleiner Geheimtipp innerhalb der Action-Community. Auch der Nachfolger Aquanox 2: Revelation, welcher zwei Jahre später erschien, sorgte für Begeisterung, was vor allem an der beeindruckenden Optik lag. Nachdem der österreichische Publisher JoWood pleiteging wanderten die Rechte zu THQ Nordic. Dort startete man eine Kickstarter-Kampagne, welche sehr erfolgreich verlief. Und nun zum Spiel. Aquanox: Deep Descent wurde in erster Linie für Fans der ersten Stunde gemacht. Daher gibt es gleich zu Beginn gewohnte Kost: Die Menschheit hat durch Kriege die Planetenoberfläche unbewohnbar gemacht. Den einzigen Rückzugsort bilden die Meere. Deep Descent spielt rund 300 Jahre nach dem Originalspiel. Man schlüpft in die Rolle von Kaelen, der mit drei weiteren Begleitern aus dem Kälteschlaf gerissen wird. Er und seine Mitstreiter, die sogenannten Cryos, sind vor der Katastrophe eingefroren worden. Demnach ist die „neue“ Welt einem fremd und es stehen viele offene Fragen im Raum. Schade, dass die eigentlich recht spannende Handlung in eher unspektakulären Gesprächssequenzen mit Porträts erzählt wird. Der Einstieg ist recht holprig geraten. Man trifft auf den Cryo Okabe, der einen mit Aufträgen und diversen Nebenjobs versorgt. Erst im späteren Spielverlauf gibt es Informationen aus der Vergangenheit und man trifft auf weitere Fraktionen. Maue Koop-Action
Im direkten Vergleich zum erst kürzlich erschienen Star Wars: Squadrons spielt sich Deep Descent sehr zäh. Und nein, das liegt nicht daran, dass sich die Unterwasserfahrzeuge träge steuern. Schließlich gehört genau diese Trägheit der U-Boote zum zentralen Konzept von Aquanox. Das Hauptproblem sind die öden Kämpfe. Diese laufen immer nach demselben Schema ab: Gegner anvisieren, bis auf ein paar Meter annähern und ballern. Es gibt keine Ausweichmanöver und kein vernünftiges Trefferfeedback. Lediglich zwei Balken bei der Zielmarkierung verraten einem den Zustand der Schilde und der Schiffe. Das treibt den Spielspaß nicht gerade in die Höhe. Immerhin: Der neue Vier-Spieler-Koop-Modus sorgt für etwas mehr Dynamik in den Kampfsituationen. Für die Langzeitmotivation haben die Entwickler eine Ingame-Währung (Credits) eingebaut, mit der man neue Schiffstypen erwerben kann. Auch neue Waffen und Fähigkeiten schaltet man nach und nach frei. Da wären Minen, die auf der Flucht abgeworfen werden, oder ein Vorwärtsschub, der die Geschwindigkeit kurzfristig erheblich erhöht. Darüber hinaus kann man auch Ressourcen in der Spielwelt von Aqua einsammeln. Leider gestaltet sich dieses Feature arg langweilig, da man Gefundenes erst per Knopfdruck scannen muss.
Kein Leckerbissen
Die Aquanox-Spiele waren bekannt für ihre fortschrittliche, effektschwangere Grafik auf Basis der KRASS-Engine (die deutsche Herkunft der Entwickler ist offensichtlich), welche auch die Verwendung in den populären Aquamark-Benchmarks erklärt. Zwar kommt bei Deep Descent ein leistungsstarker „Engine-Motor“ zum Einsatz (Unreal 4 Engine), doch wird dieser nie wirklich aufgedreht. Eine dynamische Unterwasserwelt und vor allem glaubwürdige Beleuchtung, wie in den beiden Vorgängern, bekommt man leider nie zu Gesicht. Lediglich die wuchtigen Explosionen wissen zu gefallen. Auch die deutsche Sprachausgabe ist kein Highlight.

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