Neue Zeiten

Eine frische Brise, die vom Meer herauf weht, Arbeiter auf dem Weg in die Fabrik und eine Stadt, die vor unseren Augen Viertel um Viertel wächst... Es ist wieder Anno-Zeit! Entwickler Blue Byte und Publisher Ubisoft starten mit Anno 1800 in die siebte Runde der beliebten Wirtschaftssimulation. Segel setzen, wir schauen uns Anno an!
Für Krone und Vater
Still war gestern. Überall in der alten Welt erhebt sich das Stampfen schwerer Maschinen, da die Industrialisierung stetig voranschreitet. Während die ersten Konserven vom Fließband rollen, strecken findige Geschäftsmänner und -frauen ihre Hände nach den Möglichkeiten der neuen Welt aus – so mancher auch mit drakonischen Mitteln, um die Einheimischen gefügig zu machen. Wir haben eigentlich wenig mit dem Wettlauf großer Unternehmen zu tun, bis uns eines Tages der Brief unserer Schwester erreicht: Unser skrupelloser Onkel hat das Familienunternehmen an sich gerissen, Vater ist schwer angeklagt im königlichen Gefängnis verstorben und hinter all dem scheint eine unbekannte, geheimnisvolle Macht zu stehen. Schweren Herzens lassen wir unser Vagabundenleben in den Kolonien hinter uns, um an die Seite unserer Schwester zurückzukehren. Gemeinsam machen wir es uns zur Aufgabe, ein Unternehmen aufzubauen, das Vater nicht nur stolz machen würde, sondern uns auch genügend Einfluss verschafft, um die mysteriösen Umstände seines Ablebens aufzudecken. Gut, dass wir als letzten Besitz eine eigene Insel in der Tasche haben und die treue Anhängerschaft unserer Familie hinter uns steht. Aufgepasst, Anno-Welt, hier geht ein neuer Stern am Industrie-Himmel auf!
Jeder fängt mal klein an
Bevor wir uns aber vom Smog der Fabrikschlote umwehen lassen können, müssen wir etwas Vorarbeit leisten. Unsere Getreuen brauchen zunächst das nötigste zum Leben. Ein Dach über dem Kopf wäre nett, Fisch zum Essen auf dem Tisch und die nötige Arbeitskleidung, um sich ans Tagwerk zu machen. Nahrung und Kleidung beziehen sie vom Markt der bestensfalls in praktischer Reichweite ihrer Häuser steht. Für den Fisch schicken wir Boote hinaus aufs Meer, für die Arbeitskleidung setzen wir unsere erste Produktionskette auf. Warum das so besonders ist? Weil Anno von Produktionsketten lebt! Kleidung ist allerdings einfach. Wir bauen Schafsfarmen, statten diese mit Feldern aus und setzen eine Schneiderei daneben. Fertig? Fast. Ein Lagerhaus fehlt noch! Jedes Erzeugnis unserer Insel muss in einem Lagerhaus untergebracht werden, allerdings teilen alle Lagerhäuser das gleiche Inventar. So transportieren wir Waren auch über weite Strecken direkt zu den Produktionsstätten. Spätere Produktionsketten bestehen mal schnell aus vier und mehr Gebäuden und natürlich brauchen wir immer mehr von allem.
Sind unsere Bürger zufrieden genug, kommt es, wie es kommen muss. Man verlangt nach sozialem Aufstieg! Aus Bauern werden Arbeitern, mit ganz neuen Bedürfnissen und Ansprüchen. Plötzlich verlangen die Bildung, Brot und Bier. Dafür stellt man uns nun Ziegel und Stahl als neue Baumaterialien her, aber irgendwann werden auch die Arbeiter nach neuen Höhen streben und alles geht wieder von vorne los, nur noch größer. Entweder geht uns dabei irgendwann der Platz aus oder wir bemerken, dass wir gar nicht alles Rohstoffe auf einer Insel anbauen können. Zum Beispiel: Um Gulaschkonserven zu fertigen brauchen wir Paprika. Wenn wir die nicht auf unserer Startinsel anbauen können, haben wir zwei Möglichkeiten: Entweder wir kaufen das rote Gemüse von unseren charaktervollen Mitbewerbern ein oder wir besiedeln ganz neue Inseln, jedes Mal mit einem ganz eigenen Pool an Arbeitern. Manchem mag unsere Expansion nicht gefallen... Vielleicht gibt es Streit? Krieg? Auch diplomatisch müssen wir immer auf der Hut sein. Die anderen Unternehmer haben alle Vorlieben und Dinge, die sie gar nicht leiden können. Wenn wir es uns mit allen verscherzen, haben wir schnell mal eine Flotte auf dem Weg zu unserem heimatlichen Hafen. Und dann ist da ja auch noch die neue Welt. Dort warten ganz neue Möglichkeiten auf uns! Eigene soziale Klassen, unbekannte Rohstoffe und neue Feinde. Wenn zu Hause also die ersten Einwohner nach einem guten Fässchen Rum verlangen, haben wir hoffentlich eine Zuckerrohrplantage in der neuen Welt.
Das große Wuseln
Anno 1800 ist vielleicht das beste Anno, um als Franchise-Neuling in die Welt der Wirtschaft einzusteigen. Die gesamte Kampagne ist ein gigantisches Tutorial, in dem uns die meisten Gameplay-Mechaniken nach und nach erklärt werden, eingebunden in eine nicht übermäßig aufregende, aber stimmige Story mit komplett auf Deutsch vertonten Figuren. Bei höheren Entwicklungsstufen müssen wir dann doch etwas Eigenantrieb aufbringen, wenn es um das Entdecken geht. Auf unseren Bildern und im Video bekommt ihr außerdem einen Eindruck davon, wie gut die Grafik von Anno 1800 gelungen ist. Kräftige Farben, abwechslungsreiche Gebäudemodelle und der erwartungsgemäße Industriesmog zaubern uns die perfekte Kulisse für unsere Wirtschaftseskapaden. Besonders glänzt Anno 1800 im Multiplayer. Bis zu vier Mitspieler dürfen hier um die Wette wirtschaften oder auch mal die Kanonen sprechen lassen.
Unser Testvideo zu Anno 1800


Ein paar Punkte müssen wir dann trotzdem aber abziehen. In der Kampagne hat uns zum Beispiel der abrupte und unzeremonielle Übergang in die neue Welt gestört – das Spiel wollte, dass wir dort direkt eine riesige Insel aufziehen, wir hatten aber gerade viel zu viel Spaß in der alten Welt. Und auch wenn bewaffnete Konflikte durchaus ihre Berechtigung im großen Spiel der Diplomatie haben, auf lange Sicht ziehen die sich eigentlich nur ziemlich. Ein paar Spieler sprechen von der Hardware-Gefräßigkeit, und auch wir hatten den ein oder anderen seltsamen Spike an Auslastung. Unseren Spielspaß hat das aber keinen Abbruch getan.
Anno 1800 ist seit dem 16. April 2019 für 54,99 Euro im stationären Handel sowie bei Uplay und im Epic Games Store erhältlich. Das Programm muss bei Ubisoft aktiviert werden, als Kopierschutz kommen Denuvo sowie VM Protect zum Einsatz. Alle Einzelspielerinhalte lassen sich auch Offline spielen.

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