Nur ein Update...leider

Auch Konami schmeißt dieses Jahr wieder sein berühmtes Rasenschach auf die digitalen Bildschirme. Allerdings gibt sich Konami dieses Jahr zum allerersten Mal die Blöße und macht etwas, was EA seit Jahren immer wieder für Ihre Switch-Spieler getan hat: Sie bringen eine Legacy-Edition auf den Markt. Heißt auf gut Deutsch, es ist PES 2020, nur mit einem Saison-Update. Die Mannschaften werden aktualisiert und die wenigen Original Vereine, die PES hat, auf den neuesten Stand gebracht.
Das gleiche Spiel wie im letzten Jahr
Da Konami dieses Jahr nur ein Update raushaut, nehmen wir den Test des letzten Jahres und Ergänzen ihn um ein bis zwei Punkte. Kommen wir am Anfang auf das zu sprechen, was wichtig ist: Das Gameplay. Hier hat Konami ordentliche Arbeit geleistet und es geschafft, dass sich das Spiel unglaublich rund anfühlt. Es wurde zwar erneut das Tempo gedrosselt, aber das liegt nicht komplett am Spiel selbst, sondern auch den Animationen der einzelnen Spieler. Während ein Messi sehr flink unterwegs ist, spielt sich ein Hüne wie Niklas Süle eher schwerfällig. Dies bringt einiges an Dynamik in die Spiele. Ein weiterer Schritt in Richtung Simulation wird durch die Positionierung und die Haltung des Spielers erzeugt. War es damals noch möglich, fast punktgenaue Pässe zu einem Mitspieler zu bringen, egal wie man sich positioniert hat, ist es in eFootball PES 2020 nun so, dass Pässe nur sehr ungenau ankommen oder gar nicht, wenn sie zum Beispiel aus der Drehung gespielt werden oder per Hacke weitergeleitet werden. Man muss sich erst daran gewöhnen, wird aber belohnt, wenn man es verinnerlicht hat. Auch wenn es sich alles träger anfühlt, fühlt es sich realistisch an, wenn auf einmal ein Lionel Messi, welcher ein hohes Tempo hat, durchstartet und wir ihn nach einer guten Passstafette mit einem tödlichen Pass hinter die Abwehrkette schicken und das Ding ins Netz hauen. Aber auch bei den Abschlüssen kommt es auf die Positionierung und die Haltung unserer Spieler an. Stehen wir zu seitlich, kommt eher ein Kullerschuss beim mutigen Torangriff heraus. Werden wir bedrängt und unser Spieler bekommt den Körper nicht über den Ball, geht der Abschluss in den Nachthimmel des Camp Nou. Das gesamte Animationsrepertoire wirkt ungemein flüssig und zeigt dem Spieler, wo der Fehler gelegen hat. Erneut enthalten und leicht verfeinert hat sich das sogenannte Finesse-Dribbling-System. Hierfür hatte sich Konami niemand anderen als Andres Iniesta als Unterstützung geholt. Kurze Aufklärung: Andres Iniesta spielt momentan bei Vissel Kobe in Japan und ware jahrelang Dreh- und Angelpunkt in der spanischen Nationalelf und beim FC Barcelona. Er wurde Welt- und Europameister, spanischer Meister, Pokalsieger und hat vier(!) mal die Champions League gewonnen. Was ich hiermit sagen möchte, ist: Konami hat sich einen Berater und Unterstützer geholt, welcher sehr genau weiß, was ein Messi oder ein Ronaldo in bestimmten Situationen denkt und machen kann. Das Finesse-Dribbling-System schafft es auch bei gerade technisch starken Spielern eine sehr spannende Dynamik im 1vs1 oder 1vs2 auf engstem Raum zu simulieren. Es fühlt sich unglaublich befriedigend an, ein, zwei oder mehr Abwehrspieler durch diese Mechanik zu vernaschen und stehen zu lassen. Zwar kommt es auch hier auf die technischen und körperlichen Fähigkeiten an, aber das macht es nur noch realistischer und spannender – Szenen vor oder im Strafraum profitieren massiv von dieser Umsetzung! Auch das Ballgefühl gefällt mir sehr. Damit meine ich, dass der Ball ein freies Objekt ist. Pässe, die gespielt werden, können abgefangen werden oder gehen ins Nichts, wenn man sich vom Ball wegbewegt. Er klebt nicht am Fuß, sondern verspringt, wenn wir bedrängt werden. Es fühlt sich einfach richtig an.
Kaum Unterschiede zum letzten Jahr im Trainer Modus
Aber leider ist auch bei eFootball PES 2020 nicht alles Gold was glänzt. Das bezieht sich vor allem auf die Präsentation in den verschiedenen Modi. Gerade die Meisterliga und der "Werde zur Legende"-Modus kranken an einem sehr großen Problem: der Präsentation. Während wir bei Fifa mit Alex Hunter nun ins dritte Jahr gehen und dort eine mehr oder weniger gute Geschichte, vertonte Cutscenes und einen jungen Spieler, den wir steuern können, bekommen, gibt es bei eFootball PES 2020 nur einen jungen Spieler, welcher von uns gespielt wird. Keine Cutscenes, keine Vertonung. Die gesamte Präsentation ist schlicht altbacken. Genauso der Meisterliga-Modus. Letztes Jahr bestand die Möglichkeit, als Roberto Carlos, Zico oder Lothar Matthäus eine Karriere als Trainer einzuschlagen. Dieses Jahr stehen nun zum Beispiel Pep Guardiola, Frank Lampard oder Ryan Giggs als Model zur Verfügung. Aber auch hier ist wieder keine Vertonung enthalten und Zwischensequenzen, mit irgendeiner Form von Persönlichkeit, fehlen weiterhin. Durch selbst getroffene Entscheidungen soll zwar eine persönliche Geschichte erschaffen werden, wirken in den Konsequenzen aber eher marginal. Es wird über unsere Spiele gesprochen, aber ohne die Ergebnisse. Das Menü zwischen den Spielen ist aufgebaut wie eine langweilige Zeitung mit, naja, Menüpunkten halt. Es fühlt sich im Gegensatz zu Fifa einfach alles etwas langweiliger und zweckmäßig an. Hier krankt Konami leider schon seit langer Zeit. Verschachtelte Untermenüs, schlechte, beziehungsweise gerade einmal zweckmäßige Präsentation und keine Vertonung. Ein großer Kritikpunkt, da es einfach nicht mehr zeitgemäß ist; die Konkurrenz macht es hier eben besser. Der MyClub-Modus ist da schon stärker, bietet aber das, was bereits bekannt ist: Baut eine Mannschaft, welche aus aktuellen Spielern und Legenden bestehen kann, und spielt gegen die KI, gegen Freunde oder online. Die Möglichkeit, Echtgeld zu investieren, besteht weiterhin, fühlt sich aber nicht ganz so notwendig an wie bei Ultimate Team, um eine einigermaßen schlagfertige Truppe auf den Platz zu schicken. Im Endeffekt kommt es immer noch auf die Fähigkeiten des Spielers an. Die Matches gegen andere Spieler sind leider immer noch nicht ausgereift und bieten verschiedene Fehler.
Das weiterhin kleine Lizenzpaket
Ein paar Änderungen hat Konami aber auch dieses Jahr gehábt. Zum einen sind da die Partnerclubs. Dieses Jahr sind nämlich leider Inter Mailand und der AC Mailand weggefallen. Dafür hat sich der AS Rom für PES entschieden. Weiterhin nur offiziell in PES enthalten ist Juventus Turin. Diese heißen wahrscheinlich auch in Fifa 21 wieder Piemonte Calcio. Insgesamt ist das Lizenzpaket erneut sehr verhalten. In der Primera-Division ist nur der FC Barcelona als original Team enthalten. Die englische Premier League beinhaltet Manchester United und Arsenal London und im deutschen Oberhaus ist der FC Bayern München, der FC Schalke 04 und Bayer Leverkusen enthalten. Der Rest aus diesen Ligen ist erneut unter falschem Namen unterwegs und mit extrem hässlichen Trikots gesegnet worden. Komplett enthalten sind dagegen die Ligen aus Frankreich, den Niederlanden, Belgien, der Türkei, Russland, Dänemark, Schottland und der Schweiz. Dazu kommen verschiedene reale Wettbewerbe aus Südamerika und Asien.

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