Beta? Final?

Während die einen aufhören, Tales zu erzählen, fangen andere erst wieder frisch an! The Bard's Tale IV: Barrows Deep erschien erst vor wenigen Tagen, entwickelt und gepublisht von inXile Entertainment. Lang ist's her, denkt ihr? Jup. 14 Jahre liegt das letzte Sängerabenteuer zurück. Sammelt euch also, damit wir euch die Geschichte eines Barden erzählen können!
Das Klimpern der Macht
Ach ja, das Bardenleben. Wir verträumen den lieben langen Tag, geben uns der Inspiration der Musen hin und leeren so manchen Krug in der örtlichen Taverne. Das einzige, was dieses Leben auf den Kopf stellen könnte, wäre wohl... Na, was wissen wir... Vielleicht eine fanatische Kirche, die alle Andersartigen und Magiewirker auf dem Scheiterhaufen brennen lassen will? Und zack! Schon ist da eine! Leider schließt das auch Barden ein, schließlich wirken wir dank unserer Musik mächtige Magie und fallen somit rasch in denselben Topf wie Zwerge, Elfen und Zauberer. So werden wir relativ sang- und klanglos in die Welt geworfen, ohne wirkliche Orientierung und mit spärlichen Tutorials. Zum Glück schützt uns unsere Zugehörigkeit zur Gilde der Abenteurer in dem beschaulichen Städtchen Skara Brae vor den gierigen Häschern mit den Fackeln und Galgen. Oder sie tat es, denn kaum starten wir als Spieler unser Abenteuer, werden die magiehassenden Paladine mutig genug auch unsere Gilde, den letzte Zufluchtsort für jeden, der kein normaler Mensch ist, anzugreifen. Wir wären unseres Heldentitels nicht würdig, würden wir dem infamen Angriff nicht entkommen. Dennoch müssen wir unser Heldenleben fortan aus dem Untergrund heraus bestreiten. In all dem Chaos bemerken wir allerdings rasch, dass dort draußen größere Schrecken warten, als nur unzufriedene Hobby-Henker. Zeit für uns, ein Abenteuer zu erleben! Barde, Barde wechsel dich
Klar, es geht um die Geschichte eines Barden. Allerdings haben wir kurz nach Beginn des Spiels die Wahl, ob wir als Sangeskünstlerin Melody in die Welt hinausziehen oder unseren eigenen Charakter erschaffen. Optisch haben wir nicht viele Möglichkeiten – eine Handvoll Porträts stehen uns zur Auswahl, die dann auch das Aussehen des Helden bestimmen, dazu ein ein paar Stimmen, die wir auswählen können. Aber dann müssen wir auch keinen Barden wählen, sondern dürfen aus vier Klassen und verschiedenen Rassen, die alle ihre eigenen Boni haben, wählen. Jede der Klassen kommt auch mit eigenen Fähigkeitsbäumen daher, in die wir nach jedem errungenen Level Up Punkte verteilen. Nichts kann uns aufhalten! Außer natürlich die Gildenkommision. Denn wir dürfen unsere Skillbäume nur so und so weit aufstocken, bevor wir an ein Limit gelangen. Nur die weisen Lehrer der Kommision gewähren uns den nächsten Abschnitt unserer Fähigkeiten – vorausgesetzt, wir haben die nötigen Heldentaten vollbracht. Doch auch wenn wir nicht unserer Berufung als Barde folgen, spielt Musik eine große Rolle im Spiel. Nicht nur, dass an jeder Ecke musiziert wird, wir benutzen die magischen Melodien auch, um die Welt zu erkunden! In Egoperspektive reisen wir durch The Bard's Tale, benutzen hier ein Lied der koboldartigen Trow, um einen Schatz zu entdecken und trällern dort die Musik der Zwerge, um eine Mauer einzureißen, die uns im Weg steht. Unseren Fortschritt speichern wir an in der Spielwelt verteilten Steinen. Wenn wir ein Hindernis nicht wegtrommeln und -pfeifen können, liegt das meist daran, dass ein aggressiveres Vorgehen von Nöten ist. Denn auf der Flucht vor der Kirche greifen wir auch oft genug zur Waffe. Sehen wir unsere Feinde beim Questen frühzeitig, können wir mutig drauflos stürmen und uns die erste Runde sichern! Unsere Kämpfe tragen wir rundenbasiert auf einem vier mal vier Felder großen Schauplatz aus, auf dem eine Seite uns, eine Seite dem Feind gehört. Da unsere Angriffe nicht immer alle Felder erreichen können, achten wir auf das richtige Positioning unserer Recken. So kann unser Krieger mit seinem normalen Schlag zum Beispiel nur die drei Felder angreifen, die direkt vor ihm liegen. Wenn er in unserer hinteren Reihe steht, muss er also erstmal an die Front gelangen, bevor er zuhauen kann. Attacken und Fähigkeiten werden mit Gelegenheiten ausgelöst. Diese Aktionspunkte teilen sich unsere Gruppenmitglieder, wir müssen also klug entscheiden, was wir mit welchem Helden tun wollen. Unsere magischen Tricks werden dazu noch mit Zauberpunkten bezahlt, die jede Magierklasse auf seine Art generiert. Und wie machen Barden das? Klar, sie nehmen einen herzhaften Schluck vom alkoholischen Getränk ihres Vertrauens. In Feierlaune musiziert es sich doch am besten, nicht?
Betabarde
Nachdem The Bard's Tale 2004 einen Abstecher in die Welt der Action-Adventures gemacht hatte, ist man nun wieder zu Hause im Lande der Rollenspiele angekommen. Wir sammeln munter Quests in unserem Journal und sprechen mit jedem NPC, der willens ist. Dabei greift man den nostalgischen Charme von Oldschool-RPGs auf, ganz im Sinne der alten Reihe – nur etwas an die heutige Zeit angepasst. Wir verteilen Skillpunkte, organisieren Ausrüstung und kümmern uns um unser Vorankommen, stets begleitet vom wahnsinnig guten Soundtrack. Dass die Grafik nun wirklich nicht mehr up to date ist, stört hartgesottene Rollenspielveteranen ja nur selten. Anders sieht es dann aber mit den vielen Macken aus, die uns im Test begegnen. Die Synchronisation, die nur auf Englisch ist, können wir verkraften. Wenn dann aber auch eine große Portion der Texte nicht ins Deutsche übersetzt wurde, sieht das anders aus. Problematisch ist das, wenn uns ein Rätsel auf Englisch gestellt wird, die Hinweise aber alle auf Deutsch sind. Oder wenn wir mal wieder nicht die Auswahl einer Fähigkeit im Kampf abbrechen können. NPCs stehen an zwei Orten gleichzeitig, während das Spiel stark darauf hinweist, dass er nur an einem Ort sein sollte. Dort hört es mit technischen Problemen allerdings noch nicht auf. Dialogoptionen, die nirgendwo hinführen. Ellenlange Ladezeiten. Häufige und plötzliche FPS-Drops. Das ist super ärgerlich, da The Bard's Tale eben an anderen Stellen vieles richtig macht. Zwar geht die Story den Weg klassischer Fantasy-Abenteuer, ist aber gefüllt mit nicht zu schweren Rätseln, guten (englischen) Sprechern und dem gewohnten Bard's Tale-Charme. Es wirkt eben so, als hätte man die The Bard's Tale-Reihe auf den Weg in die Neuzeit geschickt, nur damit sie dann auf halbem Wege stehenbleibt. Momentan wirkt es eben optisch und mit all den Bugs eher wie eine Beta, statt wie ein fertiges Spiel.

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