Deutschland hat den Ruf, eine konservative Nation zu sein. Während Smartphones sich im Jahr 2010 in den meisten europäischen Ländern schon etabliert hatten, lagen die neumodischen Handys nur erst ganz allmählich unter deutschen Weihnachtsbäumen. Auch bei der Nutzung von Bezahldiensten per Smartphone hinken die Deutschen hinterher.
In Schweden wird beim Bezahlen geswisht In Schweden hat sich bereits vor Jahren das sogenannte Swishen im Sprachgebrauch etabliert. Damit wird das Bezahlen per Smartphone-App bezeichnet, analog zum Verb googeln, wenn man etwas im Internet recherchiert. Der gemeine Schwede trägt inzwischen kaum noch Bargeld mit sich herum. Ohne die Bezahl-App namens Swish kommt man in Stockholm kaum noch zurecht, sie wird unter anderem für Spendenaufrufe genutzt.
Neben der Geschwindigkeit des Geldtransfers hat Swish einen weiteren großen Vorteil: dass man Geld auch an Empfänger senden kann, die diese App selbst nicht installiert haben. Man sendet das Geld einfach ein eine Handynummer und schon wird die Bezahlung automatisch zugeordnet.
In Deutschland mag man es altbacken In Deutschland hingegen ist die beliebteste Zahlungsmethode im Internet noch immer das Bezahlen auf Rechnung, trotz des im Vergleich langwierigen und komplizierten Transaktionsablaufs. Laut einer Studie von musikmedia hat die E-Wallet Paypal im Jahr 2018 das Lastschriftverfahren überholt und somit auf Platz 2 vorgeschoben. Das liegt wohl nicht zuletzt am gut funktionierenden Paypal-Käuferschutz. Auf Platz 4 rangiert mit weniger als 11% die Bezahlung per Karte.
Die Vergangenheit hat gezeigt, dass die Deutschen eine zögerliche Nation sind. Man könnte es so interpretieren, dass sie neuartige Technologien zunächst in anderen Ländern testen lassen möchten. Ob sich das Bezahlen per Smartphone-App bei deutschen Benutzern durchsetzen wird, ist eine spannende Rätselfrage. Oft hängt der Erfolg bestimmter Errungenschaften von scheinbaren Kleinigkeiten ab.
Swish wurde in Schweden von einem Zusammenschluss aus mehreren Großbanken geplant und umgesetzt. In deutschen Landen hat es eine derartige Initiative bislang nicht gegeben. Zu den bekanntesten mobilen Payment-Apps gehören Zimpler und Apple Pay. Erst seit kurzem sind diese Zahlungsmethoden überhaupt in Deutschland verfügbar. Apple Pay versucht seit Dezember 2018, Marktanteile zu erkämpfen.
Es könnten Nischen-Märkte sein, die die Veränderung vorantreiben. Nehmen wir das Beispiel der Online-Casinos, denn auch dort lohnt sich ein Blick zurück. Vor 5 Jahren haben die großen Anbieter noch krampfhaft versucht, ihre Webseite und die Spiele möglichst ohne große Verluste als mobilen App-Download bereitzustellen. In den letzten Jahren werden neue und erneuerte Casinospiel-Webseiten jedoch direkt für mobile Endgeräte optimiert. So ist im Idealfall das Herunterladen der App nur noch eine Can-Have-Alternative zum mobilen Spielen im Webbrowser.
Apple Pay: Über Online-Casinos zum Marktanteil? Das Spielen in Online-Casinos per Smartphone und Tablet hat längst zu den Spieleinsätzen per Laptop und Computer aufgeschlossen. Gerade im Glücksspielbereich lässt sich auch bei den angebotenen Zahlungsmitteln der gleiche Trend erkennen. Immer mehr Online-Anbieter von Sportwetten, Poker und Casino betten Zimpler, Apple Pay und andere mobile Dienste in ihre Webseiten ein, wie die Webseite CasinoKomplett in einem Bericht unter folgendem Link erläutert: https://casinokomplett.com/zahlungsmethoden/handy-zahlung/. Besonders Apple hat das Markenprofil, das die Hemmungen beim Gebrauch neuer Technologien etwas lindern kann. Marken-Vertrautheit schafft Vertrauen. Auch per Google Play kann man inzwischen im Internet die Walzen der Spielautomaten rotieren lassen.
Gerade der Umstand, dass das in Deutschland beliebte Paypal sich mehr und mehr aus dem Glücksspielmarkt zurückzieht, könnte sich auswirken. Ob diese Lücke von E-Wallets wie Skrill und Neteller ausgefüllt werden kann? Zwar kann man auf den meisten Casino-Webseiten mit den beiden Methoden einzahlen, jedoch ist die Nutzung von Bonusangeboten in der Regel von diesen E-Wallets ausgeschlossen.
Setzen sich mobile Bezahl-Apps in Deutschland durch? Zu den fortschrittlichen Schweden werden wir wohl nicht aufschließen. Von einer eigenen Wortkreation für das Bezahlen per App sind wir so weit entfernt, wie der Hamburger SV von der Meisterschale. Die Wertschätzung von Bargeld erscheint in Deutschland höher als im europäischen Ausland.
Die Ängste, die mit dem Verschwinden den Banknoten aus dem Alltag zusammenhängen, wirken als starkes regulatives Element. Es kann sich aber lohnen, die Webseiten der Glücksspielanbieter im Auge zu behalten. Alles spricht dafür, dass die Casino- und Sportwetten-Seiten im Internet ein guter Indikator des weiteren Erfolgs von mobilen Zahlungen per App sind.

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