Monster-Sim

Wer braucht schon dunkle, blutrünstige Meister, wenn wir das selbst eigentlich viel besser könnten? Also, diese ganze Sache mit dem Superschurken-Sein! Das ist der Grundgedanke des neuesten Spiels von Entwickler Wild Factor, MachiaVillain. Für euch haben auch wir uns zum dunklen Lord aufgeschwungen.
Ketten sprengen
Ein niederer Diener in der bösen Armee irgendeines Meisters zu sein ist Knochenarbeit. Viel entspannter wäre es da doch, seine eigenen Diener durch die Gegend zu schubsen! Also stellen wir kurzerhand einen Antrag bei der Liga der machiavellistischen Schurken und werden auch prompt als düsterer Oberschurke anerkannt. Dazu gehört natürlich auch eine Menge Verantwortung, schließlich übergibt man uns mit der Schurkenurkunde drei böse Diener und ein böses Fleckchen Land, auf dem wir unsere böse Villa bauen dürfen. Rasch stellen wir fest, dass das Leben eines fiesen Meisters nicht nur daraus besteht, die Füße hochzulegen. Unsere geistig ziemlich beschränkten Diener tun wirklich nur genau das, was wir ihnen auftragen und legen sonst zufrieden die Hände in den Schoß. Und dann wollen die ja auch noch gefüttert werden! Klar, unsere Zombies, Skelette und Psychopathen ernähren sich natürlich nur von der Grundzutat von Soylent Green: Menschenfleisch! Während wir also schauen, dass jeder Diener was zu tun hat, unser diabolisches Anwesen Raum um Raum erweitert wird und wir uns düsterer Forschung widmen, müssen wir auch zu jeder Zeit dafür sorgen, dass frische Menschenopfer ihren Weg in unseren Pfuhl der Verdorbenheit finden. Vielleicht war das sorgenfreie Leben als Diener gar nicht SO schlecht, wie wir immer gedacht haben, hmm?
Verwaltungsarbeit der Dunkelheit
Es heißt also, unser Organisationstalent unter Beweis zu stellen. Dabei erinnert MachiaVillain stark von Dungeon Keeper und Prison Architect inspiriert. Wir entwerfen immer neue Räume für unsere Villa und entwickeln dabei stets neue Wege, naive Menschen in die tödlichen Tiefen unseres Zuhauses zu locken. Damit das reibungslos funktioniert, weisen wir unseren monströsen Untergebenen verschiedene Aufgaben zu – der eine ist besser im Ressorucen sammeln, ein anderer kümmert sich besser darum, die vom Leben befreiten Opfer in handlich essbare Portionen zu zerteilen. Unsere Diener kommen also alle mit eigenen Eigenschaften daher und auch ihr Typ beeinflusst unser Spiel. Vampire dürfen zum Beispiel nicht zu lange im Sonnenlicht stehen, sonst fangen sie Feuer. Skelette können ihre Knochen als Waffen werfen, müssen sich aber später mit Frischknochen wieder regenerieren. Wollen wir Opfer anlocken, tun wir das ganz klassisch: Mit Spam! Sie haben eine Kreuzfahrt gewonnen und müssen ihre Karten nurnoch bei uns zu Hause abholen! Oder wir bieten eine entspannte Pen&Paper-Runde in atmosphärischer Kulisse an! Die frisch eingetroffenen Narren können wir dann einfach abschlachten. Oder wir wollen bei der Liga etwas Eindruck schinden und uns die besondere Ressource Bösinium verdienen. Dann halten wir uns an all die klischeehaften Horrorfilmregeln. Töte ein Opfer nur, wenn es alleine in einem Raum ist. Erledige die Jungfrau zuletzt. Und lass verdammt nochmal den Hund in Ruhe! Zu Beginn stehen uns nur rudimentäre Einrichtungen zur Verfügung, mit etwas teuflischem Hinrschmalz erweitern wir unser Reportoire aber nach und nach. Außerdem müssen wir uns noch um das ein oder andere Zufallsevent kümmern. Wie die Angriffe radioaktiver Riesenspinnen, die unseren Dienern ans untote Leder wollen. Oder der Barkeeper der nahen Vampirkneipe, der für seine Hipster-Kundschaft lokal produziertes Menschenblut braucht. Und erregen wir in der nächsten Stadt zu viel Misstrauen mit unseren Machenschaften, haben wir es plötzlich auch noch mit einer Gruppe bewaffneter Möchtegernhelden zu tun, die Jagd auf Monster machen. MachiaVillain verhehlt während all dem zu keinem Zeitpunkt, dass es versucht möglichst viele Klischees mitzunehmen. Das regt meistens zum Schmunzeln an, hier und da wirkt es aber etwas gekünstelt. Trotzdem, alles ist natürlich teuflisch böse! Das ist schließlich das Wichtigste.
Dunkeldüster
Aber nicht nur die Myriaden Aufgaben eines Lords (oder einer Lady) der Bosheit machen uns trotz stimmiger Soundkulisse das Leben schwer. Leider hat auch MachiaVillain selbst so seine Schattenseiten. Die deutsche Übersetzung ist annehmbar, allerdings ist die Vertonung rein auf Englisch. Recht umständlich gestaltet sich auch die Menüführung und verlangt uns tausende Klicks ab um unsere Pläne zu verwirklichen. Auf der Tutorialseite hätte man einiges besser machen können. Zwar wird uns die grundlegende Steuerung und die ersten Schritte erklärt, aber vieles bleibt weiter im Dunkeln. Unsere ersten Versuche in MachiVillain waren mehr ein großes Alles-Falsch-Machen um es beim nächsten Mal ein klein wenig besser zu versuchen. Leider setzt dazu noch oft Routine ein. Wir bauen stets die gleichen Einrichtungen zu Beginn, sichern stets die gleichen Ressourcenquellen. Sind wir dann aus der Startphase raus, bauen wir ein klein wenig und müssen uns auch schon um unsere nächsten Opfer kümmern. Das geht zu Beginn noch klar, wird aber zunehmend komplizierter, wenn wir mehr Diener haben, mehr Ressourcen brauchen und auch die Bauzeiten fortgeschrittener Einrichtungen stark ansteigen. Das heißt nicht, dass MachiaVillain alles schlecht macht. Es fehlt einfach eine Menge Politur und Balancing. Die coolen Ideen und der gruselige Charme sind ja schon da. Nur leider merkt man eben doch noch einige Schwächen.

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