Pixelige Retro

Gerade zu Zeiten des NES und SNES wurden viele Spieler immer wieder verwirrt durch die Veröffentlichungs-Reihenfolge japanischer Entwickler. Denn es gab immer wieder Spiele, die überhaupt nicht im Westen veröffentlicht wurden. So war das in den USA veröffentlichte Final Fantasy 2 eigentlich der vierte Teil der Reihe und ein Chrono Trigger hat es erst nach Jahren auf den europäischen Markt geschafft. Aber warum diese Zeitreise? Square, mittlerweile als Square Enix, hat vor geraumer Zeit die originalen ersten drei Teile in einem Pixel Remaster neu veröffentlicht. Zum Zeitpunkt dieses Tests ist auch der vierte bereits erschienen.
Final Fantasy 1
Hier wurde die Grundlage der Final Fantasy Reihe gelegt, auch wenn der erste Teil eigentlich das Spiel mit der langweiligsten Story darstellt. Wir sind mit einer Truppe aus vier Helden unterwegs. Diese können verschiedene Berufe haben, wie zum Beispiel Krieger oder Schwarzmagier, allerdings sind diese fest verankert und können nicht gewechselt werden. Die Story ist sehr einfach erklärt: Prinzessin retten, die vier Weltsteine aktivieren, dabei Unmengen an Monster verprügeln und zum Schluss den Oberbösewicht verhauen, um die Welt zu retten. Auch das Spielprinzip ist eher bieder: Neben dem Verprügeln von tausenden an Monstern, bereisen wir die Welt, besuchen Städte, reden mit ihren Bewohnern und erkunden Dungeons. Es gibt keine Questmarker und man muss in den Texten extrem gut aufpassen, sonst ist man sehr schnell in der Welt verloren. Da jeder Job unterschiedliche Eigenschaften hat, gibt es natürlich viele verschiedene Ausrüstungsgegenstände und Zauber. Der Schwarzmagier kann daher nur Angriffszauber und Statusveränderungen erlernen, während der Krieger nur durch bessere Waffen stärker wird. Gewöhnungsbedürftig, im Gegensatz zu heutigen RPGs, wirkt das Zaubersystem: Es gibt nämlich keine MP. Zauber können nur eine bestimmte Anzahl von Malen verwendet werden. Diese Punkte erhöhen sich zwar mit den Level Up’s aber gerade mächtige Zauber kann man im Gegenzug nur selten nutzen. Hier ist haushalten angesagt. Aber insgesamt ist Final Fantasy 1 eigentlich der perfekte Einstieg in die alten Titel der Reihe. Es fühlt sich durch das bare Gameplay und die schlichte Story einfach und unkompliziert an, bietet auf der anderen Seite aber doch diesen gewissen Schwierigkeitsgrad, der zum Grinden veranlasst. Außerdem wurde dem Pixel Remaster einige Quality of Life-Features spendiert. Ihr könnt jetzt nämlich überall speichern! Ob als richtiges Savegame auf der Oberwelt oder als Schnellspeicher-Option in den Dungeons. Man ist also weitaus weniger der Gefahr ausgesetzt, weit zurückzufallen. Außerdem hilft die Schnellkampf-Funktion beträchtlich beim Leveln unserer Helden. Bei dieser Option werden die letzten verwendeten Aktionen erneut verwendet. Ihr könnt sogar in den Optionen einstellen, dass diese Funktion immer genutzt werden soll, was es noch weitaus entspannter macht.
Final Fantasy 2
Final Fantasy 2 wurde zwar mittlerweile schon öfter und in verschiedenen Versionen veröffentlicht, aber diese hier ist in meinen Augen die beste. Das liegt vor allem an der Schnellkampf-Funktion. Bietet der erste Teil JRPG-Kost in Reinform, stellt der zweite Teil das komplette Gegenteil dar. Wo die Geschichte vom Vorgänger eher noch banal wirkt, versucht Final Fantasy 2 eine sehr packende Story zu erzählen. Denn wo wir vorher Helden waren, sind wir nun vier Rebellen, welche sich an einem bösen Imperator rächen wollen. Was die Zugänglichkeit angeht, ist Final Fantasy 2 im Vergleich zu anderen JRPGs aber weit entfernt. Die Welt ist von Beginn an fast komplett erkundbar und viele Quests können teilweise sogar wenig geskippt werden. Das schlimmste ist allerdings, dass Spieler auch direkt am Anfang in Bereiche auf der Spielwelt vorstoßen können, in denen der Tod lauert. Der Punkt, der allerdings damals wie heute die Spielerschaft aber am meisten gespalten und für viele Diskussionen gesorgt hat: Das Levelprinzip. Denn hier hat Square alles auf den Kopf gestellt, was in vorherigen JRPGs klar definiert war - wir bekämpfen Monster, bekommen XP und werden stärker. In Final Fantasy 2 leveln wir unsere Helden aber über den Einsatz von Fähigkeiten. Wollt ihr mehr Stärke haben? Dann nutzt den Angriff. Ihr braucht mehr MP, weil euer Held ein Zauberer werden soll? Dann nutzt Magie. Dies gilt für alle Stats, ob Stärke, MP oder auch die Zauber selber. Zauber können nämlich nicht in stärkerer Form gekauft werden, sondern steigen mit der Häufigkeit ihrer Verwendung. Das gleiche gilt für die verschiedenen Waffenarten. Insgesamt können Waffen und Magie bis auf Level 16 gebracht werden. Die maximalen Stats der Charaktere, wie zum Beispiel Stärke, sollten bei 99 liegen. Gerade wegen diesem doch sehr ungewöhnlich anmutenden Levelprinzip gilt Final Fantasy 2 mitunter als das schwerste Spiel der Reihe. Es erfordert nämlich viel Grind oder das wissentliche Ausnutzen der Spielmechaniken, um eine extrem schlagfertige Truppe zu erhalten. Hier kommt die Schnellkampf-Funktion zum Tragen und macht dieses riesige Grindfest sehr viel einfacher. So könnt ihr Kämpfe immer und immer wieder mit der zuletzt ausgewählten Aktion beginnen und simulieren lassen. Das ist es nicht einfach nur ein Quality of Life-Feature, sondern ein absolut geniales Feature um Zeit zu sparen.
Final Fantasy 3
Wo wir in Final Fantasy 2 gemeckert haben, können wir in Final Fantasy 3 nur den Hut ziehen. Denn im dritten Teil wurde das über Jahre hinweg genutzte und hochdekorierte Jobsystem zuerst implementiert. Ihr startet nämlich als Zwiebelritter und habt schon nach kurzer Zeit die Möglichkeit, euch aus einigen Jobs etwas neues herauszupicken, ob nun Mönch oder Schwarzmagier zum Beispiel. Und ja, das war auch schon in Teil 1 der Fall. Auch in Final Fantasy 3 gehen die verschiedenen Jobs mit anderen Stärken und Schwächen einher. Allerdings ist es im Gegensatz zum ersten Teil möglich, die Jobs zu wechseln. Dies bringt einige taktische Möglichkeiten, für zum Beispiel Bosskämpfe, mit sich. Hohe Zauberresistenz? Warum nicht mit vier Dunkel-Rittern auf den Boss einprügeln. Das Jobsystem aus Final Fantasy 3 ist heute wie damals einfach extrem gut durchdacht und hat sich nicht umsonst über Jahre gehalten. Außerdem ist es einfach motivierend, gegen Zeitaufwand und Grind seine Charaktere in omnipotente Monster zu verwandeln. Leider krankt auch Final Fantasy 3 wieder an der Story, ist aber die beste der ersten drei Teile. Auch hier kommen die Quality of Life-Funktionen zum tragen. So durfte man in der Urfassung in Dungeons nicht speichern, was sich mit der Quicksave-Funktion glücklicherweise erledigt hat.
Wenn ihr euch ein Spiel aus den ersten drei Teilen aussuchen solltet, würde ich schon aufgrund des sehr motivierenden Jobsystems definitiv zum dritten Teil raten. Auch wenn alle Teile ihre Vor- und Nachteile haben, macht Final Fantasy 3 doch am meisten richtig.
Retro-Schönheiten
Der entscheidende Punkt ist bei allen Spielen, dass diese Pixel Remaster-Versionen einfach extrem schön sind. Es sind wirkliche Retro-Schönheiten, die nun endlich auch in Europa erschienen sind. Die alten, leeren Dungeon-Kampfbildschirme haben exquisite Hintergründe erhalten, die Animationen sind sehr weich (trotz ihrer Retro-Komponente) und die musikalische Untermalung ist einfach nur absolute Klasse und sollte hier noch einmal besonders hervorgehoben werden! Denn diese hat mich teilweise staunend sitzen lassen. Hier wurde nicht einfach remastered, sondern orchestral neu eingespielt und nirgends sonst bemerkt man, welches Feeling Nobuo Uematsu damals bereits hatte. Ganz stark! Insgesamt fühle ich mich trotz aller Story-Probleme oder Designentscheidungen (Siehe Final Fantasy 2) aber bestens unterhalten, sowohl spielerisch als auch audiovisuell. Mir persönlich gefallen diese Versionen einfach wesentlich besser als die 3D Remakes für den Nintendo DS oder die anderen bereits erschienenen Versionen. Natürlich gibt es aber auch Schnitzer. Wie schlimm diese für jeden einzelnen sind, muss jeder für sich selbst bewerten, denn ich habe sie als nicht sonderlich Spiel-ruinierend angesehen. Da wäre zum einen ein Problem mit der Unity Engine, welche Wasser teilweise gar nicht oder stark flackernd darstellt. Das ist mir in Final Fantasy 1 aber auch nur einmal aufgefallen, allerdings gibt es viele Forenbeiträge, in denen dieses Problem mehrfach erwähnt wird. Das andere “Problem” liegt in der gewählten Schriftfont. Diese wirkt nämlich ziemlich fehl am Platz, da sie gestochen scharf ist und irgendwie so gar nicht in das Retro Feeling der Pixel Remaster-Versionen passt. Kleiner Tipp: Nutzt Google und sucht nach dem “Final Fantasy Pixel Remaster Font Mod”, sollte euch die Font stören. Ein Issue, welches aber nicht die Spiele in ihrer Art betrifft, sind leider die Veröffentlichungstrategie sowie die Preisfrage. Denn hier muss sich dann doch jeder selbst fragen: Möchte ich für die ersten beiden Teile jeweils 12 Euro und für den dritten Teil gar 18 Euro auf die digitale Ladentheke legen? Ich persönlich würde Ja sagen. Ich begründe das aber mit meiner Liebe zu diesen Final Fantasy-Teilen.

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