Indie by EA

Schreien, um die Welt zu retten? Und wenn schon nicht die Welt, dann immerhin diesen Wald! Entwickler Zoink! lässt uns mit Fe in eine gesangsreiche Welt eintauchen, frisch gepublished von EA. Wir haben die Frage, wie Indie ein Spiel sein kann, wenn ein Gigant wie EA als Publisher bereit steht, beiseite geschoben und uns aufgemacht, in den Kampf für den Wald zu ziehen.
Alles für die Tiere
Gegen wen kämpfen wir eigentlich? Und was genau haben wir eigentlich vor? So genau wissen wir das zu Beginn gar nicht. Also tappseln wir mit unserer fuchsähnlichen Hauptfigur erstmal in die einzige Richtung, die sich uns bietet. Dabei sehen wir Tiere, die zunächst scheu vor uns fliehen, bevor wir sie mit unseren frisch entdecken Tierschreien zu unseren Freunden machen. Mit ihrer Hilfe entdecken wir nach und nach, was wir eigentlich tun sollten. Die erste Entdeckung: In diesem Wald ist nicht alles heile Welt. Hochaufragende, schwarzgerüstete Gestalten staken durch die Gegend, lassen ihren furchterregenden Blick über alles schweifen, was sich bewegt und fangen so alle Tiere ein, derer sie habhaft werden können. Uns geht es nicht anders, wenn sie uns erblicken. Bekämpfen können wir sie auch nicht! Also schleichen und hüpfen wir einfach davon. Aber unsere Waldrettung hat ja erst begonnen. Denn vielleicht müssen wir die schwarzen Gestalten gar nicht selbst bekämpfen, um zu gewinnen. Vielleicht müssen wir ja einfach nur genügend Tiere aus den Fängen ihrer Häscher befreien! Dann ölen wir mal unsere Gesangsstimme und legen los!
Schreien für die Freundschaft
Denn unsere Kommunikationsfähigkeit steht im Mittelpunkt von Fe. Zunächst können wir nur Jungtiere auf unsere Seite bringen. Und das ist auch dringend nötig, denn jeder unserer neuen Freunde hat einen eigenen Schrei, der uns in der Umgebung neue Wege eröffnet indem die Flora auf die Geräuschkulisse reagiert. Wäre das nicht praktisch, wenn wir selbst auch diese speziellen Rufe benutzen können? Aber das können wir doch! Dafür müssen wir zuerst das Oberhaupt einer bestimmten Tierart befreien oder ihm eben zur Hand gehen. Wollen wir den Schrei der Vögel erlernen, bringen wir Mutter Vogel ihre Eier zurück, die von Gerüsteten geklaut wurden. Wenn wir dann ihre Sprache sprechen, reagieren auch erwachsene Vögel auf uns und bieten uns ihre Dienste als praktisches Fluglinie an. Sechs Rufe erlernen wir im Laufe des Spiels, die uns alle helfen, neue Gebiete zu entdecken und besser voranzukommen. Damit wir nicht nur schreiend in der Welt vorankommen, sammeln wir außerdem lila Kristalle, die wir wiederum gegen nützliche Fähigkeiten eintauschen. So erlernt unser kleiner Avatar zum Beispiel das Baumklettern oder das Gleiten. Wir suchen also immer neue Wege, die Welt zu bereisen und voranzukommen. Und das alles nur, um die fiesen Tierfänger zu sabotieren. Wenn wir sie schon nicht zerstören können, dann können wir mit den richtigen Wurfgeschossen zumindest ihre Käfige zerstören. So befreien wir Fauna und Flora, die wiederum gegen die Schwarzgerüsteten zurückschlagen können. Und während wir weiterziehen, um neue Gebiete zu entdecken, tun wir das mit dem guten Gefühl, süße kleine Tierchen gerettet zu haben. Trotz der schwammigen Steuerung mit der Tastatur. Wir raten zum Controller!
Ganz gemütlich, aber nicht mehr
Was sich wie ein inoffizieller Nachfolger von Pocahontas liest, wird uns in minimalistischem, lilagefärbtem Design präsentiert. Die Geschichte wird uns ohne große Worte vermittelt, meistens folgen wir nur unserem praktischen Vogelgefährten, der uns stets zum nächsten Ziel führt. Sind wir dann mit Tieren konfrontiert, können wir recht schnell erkennen, ob sie nur vor uns zurückschrecken oder sofort auf Konfrontationskurs gehen wollen. Zwar sind wir hier, um ihnen zu helfen, aber scheinbar hat das denen niemand gesagt! Trotzdem, egal wie oft man nach uns schnapt, stampft und schlägt, es ist ein gutes Gefühl, wenn wir den Kampf gegen die stillen Häscher Stück für Stück vorantreiben. Richtig verlieren können wir ohnehin nicht, stets gibt es einen nahen Autosave, von dem aus wir es einfach nochmal versuchen. Das senkt den Schwierigkeitsgrad enorm. Wollen wir tiefer in die Welt der Häscher eintauchen, können wir in der ganzen Spielwelt verstreut Erinnerungssteine finden, die uns kurze Passagen aus dem Leben der Tierfänger zeigen. Trotzdem fällt es schwer, wirklich in den Sog der Geschichte zu geraten. Viele der Storyelemente sind weit verteilt und dann muss man auch hoffen, dass wir sie in der chronologischen Reihenfolge finden.
Außerdem ist die Welt trotz all der potenziellen Tiergefährten reichlich leer. Zwar können wir hier und da recht viel von unserer Umgebung sehen, viel zu entdecken gibt es allerdings nicht. Damit strotzt Fe zwar nicht vor abwechslungsreichem Gameplay und viel Aufregung, setzt aber auf die Gemütlichkeit der lilanen Welt, dem guten Gefühl der Tierbefreiung und dem doch recht schicken Look. Durch die erst zu suchende Story kommt aber nur wenig Tiefgang auf. Und nach wenigen, sehr kurzen Stunden ist der ganze Zauber auch schon wieder vorbei.

Kommentar schreiben