Noch eine Beta?

… die lieben Nachbarn.
Ja, wir haben es eingangs erwähnt – Fallout 76 ist ein Multiplayertitel. Die Wochen vor dem Release und während den Betaphasen waren gefüllt mit hitzigen Diskussionen, ob das etwas sei, was Fallout braucht. Vor allem, da Bethesda eine interessante Strategie verfolgt. Es gibt im Grunde keine menschlichen NPCs, nur Roboter und andere Spieler. Wo kriegen wir Quests her? Ganz einfach, aus unserer Umgebung. Wir finden ein Schriftstück, entdecken einen Ort oder empfangen eine Sendefrequenz, schwupps, schon haben wir eine Quest. Das Problem liegt nur eben darin, dass verdammt viele Quests darauf hinauslaufen, dass wir eine bestimmte Person finden sollen. Spoiler, die Person ist tot. Lange schon. Nach der dritten Quest, die uns in ihrem Verlauf vorgaukeln will, dass da vielleicht doch noch wer lebt, empfinden wir keine Enttäuschung mehr, nur noch Leere. Ein Witz, der beim zweiten Mal nicht mehr lustig war, wird fortgeführt. Was haben wir also statt NPCs? Spieler. Zuallererst fällt uns auf: Eigentlich brauchen wir die gar nicht. Yay, Singeplayer-Fallout gerettet? Naja. Wir brauchen sie deshalb nicht, weil die meisten Gegner lächerlich einfach sind. Benötigen wir mal mehr als zwei Schuss, ist das meist schon etwas besonderes. Andere, stärkere Gegner haben zum Teil so langsame Angriffsanimationen, dass wir sie durch simples Rückwärtslaufen auskontern. Aber dann gibt es da ja noch die Events. Das sind Ereignisse, die für mehrere Spieler gedacht sind. Mal geht es darum, ein großes Monster zu besiegen, mal viele Gegner auszuschalten. Da ist ein anderer Spieler nützlich, aber, immer noch, eigentlich nicht wirklich nötig. Mit genügend Munition machen wir das schon selbst, keine Sorge! Eigentlich hätte sich die Interaktion mit anderen Spielern in unserem Test auch auf das Austauschen von zwei, drei Emotes beschränken können. Gäbe es da nicht den Voicechat, der uns immer wieder daran erinnert, dass da draußen... andere sind. Von wütenden russischen über eindeutig minderjährige deutsche Spieler, wir haben einiges aus den Leben unserer Mitspieler gehört. Textchat für den PC? Fehlanzeige, ebenso wie Push-to-talk. Wie, Bethesda, wie?! Auch eine Aura des gefährlichen PvPs bleibt aus. Damit man einen anderen Spieler sinnvoll erledigen kann, schießt man auf ihn. Wenn er das erwidert, sind wir im PvP-Modus. Wenn ein Spieler also nicht überfallen werden will, wird er es einfach nicht. Wir testen auf dem PC, allerdings darf man sich darauf gefasst machen, dass das gesamte Spiel eigentlich auf die Steuerung mit dem Controler ausgelegt ist. Um es mit den Worten unseres Chefredakteurs Christoph zu sagen: „Wer bitte legt denn 'Zurück' auf Tab?“
Aber das Writing!
Wir verbinden Bethesda ja eigentlich mit gutem Writing. Bis zu einem gewissen Grad ist das hier auch so! Wir finden unglaublich viele Schriftstücke und Audioaufzeichnungen und können den Kampf der Generation vor uns, also denjenigen, die den unmittelbaren Krieg außerhalb der Bunker überlebt haben, gut nachverfolgen. In deutscher Synchronisation! Da Dokumente auch oft genug Questaufhänger sind, dürfen wir ja auch gutes Writing erwarten. Aber darüber hinaus? Die Hauptquests fühlt sich meistens recht inhaltslos an, viele Nebenquests degradieren uns zu simplen Laufburschen. Nett ist dafür der Survivalaspekt. Wir brauchen eben Nahrung und Wasser, sind immer auf der Suche nach Mahlzeiten, die uns nicht weiter radioaktiv verstrahlen. So wird zumindest ein wenig dafür gesorgt, dass sich unsere wilde Materialiensuche in den Ruinen der Welt nicht ganz so planlos anfühlt. Alles aber sehr bodenständig und einfach gehalten. Von hier an geht es dann leider bergab. Uns fehlt das Feeling früherer Spiele, den Drang zu entdecken und uns mit coolem Loot von besonderen Locations selbst zu belohnen! Wenn wir jetzt eine Wegmarke von zufällig generierten Gegnern befreit haben, kann es sein, dass diese schon wieder respawnen, bevor wir überhaupt die Kisten geplündert haben. Wir leben in einer Welt, die selbst auf den höchsten Grafikeinstellungen nicht schön ist. Einmal standen wir zwischen zwei Lightsettings. Links von uns Mittagssonne, rechts Abendrot – die Grenze wie mit dem Lineal gezogen auf unserer Waffenhand. Schwammige Texturen, gepaart mit Clippingfehlern, sind an der Tagesordnung. Und über all dieses zweidimensionale, billige Gras! Dazu gesellen sich eine Menge Bugs. Wie gesagt, der Baumodus strotzt nur so vor denen, an denen Bethesda fleißig patcht (letztens erst 15GB). Aber auch in der einfach Spielwelt. Gegnermodelle, die zwar auf uns zukommen, aber keine Animationen nutzen. Undichte Stellen in Wänden, durch die plötzlich Feinde laufen. Im Endgame erwartet uns dann eine schlichte Itemspirale. Wir finden die Abschusscodes einer Atomrakete, zünden sie und kreieren so ein Gebiet mit hochleveligen Monstern und besserem Loot. Zugegeben, hier können andere Spieler nützlich sein. Aber wenn wir ehrlich sind, machen wir das gleiche wie im restlichen Spiel, nur mit mehr Strahlenbelastung. Was uns aber am Ende wirklich den Atem verschlagen hat, ist der Ingameshop. Viele Spiele haben den heutzutage, klar. Es geht ja auch nur um Cosmetics, nichts mit Werten! Und natürlich können wir über Achievements und Herausforderungen Währung für den Shop freischalten. Das kostet viel Mühe, erledigt sich aber praktisch nebenbei. Dennoch, eine Lackierung für die Powerrüstung kann im Shop mal gut 1800 Punkte kosten. Das sind umgerechnet 18€. Dafür können wir uns fast Fallout 4 kaufen!
Unser Testvideo zu Fallout 76

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