Kein Sieg für die USA

Knapp drei Jahre Zeit haben sich die Entwickler von MaschineGames für die Fortsetzung von Wolfenstein: The New Order gelassen. Ob sich die lange Wartezeit für Shooter-Fans gelohnt hat?
Der Kampf ist noch nicht vorbei
Wolfenstein 2: The New Colossus schließt nahtlos an die Geschehnisse des Vorgängers an. Nach dem finalen Kampf in The New Order sollte B.J. Blazkowicz eigentlich tot sein. Die Betonung liegt auf eigentlich, denn B.J. überlebt - irgendwie. Nur mit viel Glück überlebt der Shooterheld die schwere Bauchverletzung, doch die Genesung nimmt einige Zeit in Anspruch. In diesem Zeitraum bekommt man kurze Rückblenden aus der Kindheit von B.J. zu Gesicht, die -endlich- mehr Hintergründe des Charakters aufdecken. Und als es dann endlich losgeht, stellt man fest, dass man den Kampf gegen eine Nazi-Armee schwer verletzt im Rollstuhl antreten muss. Glück im Unglück: Nach kurzer Zeit bekommt man einen speziellen Kampfanzug, der einen wieder mobil macht. Positiver Nebeneffekt der Rüstung: Per Powersprung kann man an bestimmten Stellen den Boden durchbrechen, um in den nächsten Abschnitt zu gelangen. Im späteren Verlauf der Kampagne gibt es sogar wahlweise eine von drei Spezialfertigkeiten. Schnell und blutig
Am Gameplay selbst hat sich wenig geändert: in den linearen Leveln muss man als B.J. in den 60er-Jahren das Regime (in der internationalen Fassung sind es die Nazis) aus den USA vertreiben, die den Zweiten Weltkrieg verloren haben. Ein Teil der aufwendig in Szene gesetzten und durch einige lange Zwischensequenzen erzählten Handlung greift das Thema Rassismus auf. Eingebettet darin ist auch eine sensibel erzählte Familiengeschichte rund um den Helden. Dieser Teil der Story wirkt anrührend, passt aber nicht so richtig zu den morbid-zynischen Sequenzen mit Nazi-Chefin General Engel. Insgesamt sechs Schwierigkeitsgrade bietet Titel. Der knackigste Schwierigkeitsgrad namens „Mein Leben!“ steht nach dem ersten Durchgang zur Verfügung, er hat als Besonderheit gar keinen Rücksetzpunkt und nur ein Leben - wer einmal stirbt, was fast unvermeidbar ist, muss ganz von vorne beginnen. In den anderen Schwierigkeitsstufen kann man jederzeit manuell Savegames anlegen. Dazu kommen automatische Checkpoints, die fair verteilt wurden.
Pimp my B.J.
Die KI der Gegner ist recht gut ausgefallen: Trotz einiger Aussetzer springen die Gegner immer wieder glaubwürdig in Deckung, wagen sich dann vorsichtig hervor und feuern ein paar Schüsse ab. Ebenfalls ungewohnt für die Call-of-Duty-Generation: es gibt kein automatisches Heilungssystem. Während der knapp 12 Stunden langen Kampagne muss man also stets nach Medikits und Rüstungsteilen Ausschau halten, damit man nicht versehentlich ins digitale Gras beißt. Immerhin: 20 Lebenspunkte regeneriert man außerhalb des Kampfes immer automatisch. Direkt nach dem Feuergefecht ist das Schlachtfeld mit feindlichen Waffen- und Munitionsresten sowie mit Rüstung und anderen Extras übersät. Nervig: diese Gegenstände muss man einzeln per Tastendruck aufsammeln. Das mag minimale taktische Vorteile bieten, etwa wenn man ein Gesundheitspack für den übernächsten Kampf aufspart. Unterm Strich finden wir dieses Element aber auf Dauer störend - wir würden lieber zumindest alternativ einfach alles durch simples Darüberlaufen in unser Inventar befördern. Zusätzliche Spielzeit holen die Entwickler aus den optionalen Enigma-Missionen heraus. Für diese Extraaufgaben muss man feindliche Kommandanten erschießen und ihnen eine Schlüsselkarte abnehmen. Die Enigma-Missionen führen allerdings nur in Umgebungen, die auf Orten aus der Haupthandlung basieren.

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