Endlich GTA5-Niveau?

Von Chicago nach Frisco, von Aiden zu Marcus und von harter Rache zu buntem Frohsinn. Watch Dogs 2 wirkt bedeutend lockerer als der erste Teil, wirkt spaßiger, strotzt vor Popkultur Anspielungen und nimmt sich selbst nicht ernst. Ob das nun aber gut ist oder eher der Sargnagel auf dem Deckel der bisher noch so jungen Serie, das erfahrt ihr im Test.
San Francisco
Hacken muss nicht immer bitterer Ernst sein. Kaum, dass ctOS uns ins Auge fasst, waschen wir unsere Weste auch direkt schon rein und chillen mit den Jungs der San Francisco DedSec-Truppe ab und beginnen den Kampf gegen das Establishment. Klingt entspannt? Ist es auch, vor allem weil Watch Dogs 2 euch mit massenhaft Popkulturreferenzen bombardiert. Stellenweise bringen euch die eben zum Schmunzeln, stellenweise zum augenrollen. Ja genau, manchmal wirkt die hippe, jugendliche Art dann eben doch etwas aufgesetzt. Grundsätzlich steht der lockerere Stil dem Spiel jedoch deutlich besser zu Gesicht und das trotz der eigentlich fast schon austauschbaren Hauptstory, die euch mit eigentlich so ziemlich jedem aneinandergeraten lässt, der bei drei noch nicht außer Hackweite ist. Vom FBI, über die Mafia bis hin zu !nvite (Facebook) macht ihr euch Feinde wo ihr könnt und keine Sorge: am Ende geht es ja dennoch darum, ctOS zu deaktivieren, immerhin ist ein Netzwerk, das alles miteinander verbindet, doch sowieso der einzig wahre Feind.

DedSec
Sei es nun die Sprayerin, der Autist oder der bisschen heftigere Kerl mit der Maske und der Emote-Brille, die Charaktere sind überzeichnet, ausgeflippt und auf ihre Art schon auf gewisse Art verdammt cool. Wie gesagt, es ist ein Stil, den man mögen muss, doch gerade die Tatsache, dass weder die DedSec-Leute selbst sich allzu ernst nehmen, noch, dass Ubisoft das scheinbar während der Entwicklung getan hat, spielt dem ganzen Setting ziemlich gut in die Hände. Die einzelnen Figuren wirken auf ihre Art überzeugend und sind zumindest reizvoll genug um uns in ihren Bann zu ziehen und was braucht es denn eigentlich mehr? Wir müssen auch ehrlich sagen, dass wir von den Spielmechaniken selbst doch recht positiv überrascht waren. Nicht bloß von der offenen Welt, dazu kommen wir später, sondern eben tatsächlich von den Mechaniken selbst. Das Hacken fühlt sich besser an und tatsächlich habt ihr dank der Spielzeuge, der Drohne und dem RC Jumper nun ja theoretisch wirklich die Möglichkeit euch quer durch die Missionen zu hacken, ohne euch selbst die Hände schmutzig zu machen. Auch wenn unsere zu Beginn sehr fruchtenden Hack-Sprünge dann doch meist in wildem Geballer endeten, ist ja zumindest der Ansatz eigentlich ziemlich fein. Hier liegt übrigens eines der größeren Probleme des Ganzen. Denn auch wenn eure Spielereien immer dafür sorgen, dass ihr enorm viel mächtiger seid als eure Kontrahenten und ihr sie eigentlich durch geschickt gesetzte Fallen und das Hacken der Umgebung ausschalten könnt – sobald es zum richtigen Gefecht kommt merkt ihr plötzlich, dass ihr eben eigentlich doch nur ein Hacker seid und dass sowas recht schnell in die Hose gehen kann.
Das eigentliche Pro
Der Punkt ist eben der: wir sind von der Hauptstory einfach nicht so recht überzeugt. Das mag daran liegen, dass wir auch von unglaublich tiefsinnigen Smash Hits wie Mr. Robot nur mäßig beeindruckt sind, aber so ganz konnte uns die Haupthandlung eben doch nicht überzeugen. Dafür gefiel uns die Welt. Denn wo wir sonst immer, bei jedem anderen Spiel aus dem Hause Ubisoft die grausige Monotonie ankreiden, die man uns auf rappelvollen Karten, übersäht mit generischen Nebenquests, Eroberungs- und Turmerklimmaufgaben entgegen drückt, fühlt sich Watch Dogs 2 irgendwie anders an. Echter. Greifbarer. Wir können jeden Menschen genauer unter die Lupe nehmen, an dem wir vorbeikommen, sehen sein Einkommen und seinen Job, seinen Namen, manche Personen unterhalten sich über trivialen Mist, und wir können auf unsere ganz eigene Hackerart mit den Leuten interagieren. Natürlich wiederholen sich die Reaktionen im Laufe der 30 Spielstunden, die wir in das Spiel jagen, aber negativ fällt es ja dennoch nicht wirklich auf. Gleichzeitig scheinen uns die Nebenaufgaben, vom Taxifahren bis hin zum (ja, da beginnt es wieder) auf Türme klettern und Selfies machen, eigentlich ganz gut in die Welt eingefügt.

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