Das Abenteuer geht (leider?) weiter

Syberia, die geheimnisvolle Insel in Russland, auf der es noch immer Mammuts geben soll. 13 Jahre ist es her, dass wir das letzte Mal von ihr gehört haben, als uns die Franzosen von Microids Syberia II präsentierten. Jetzt geht die Reihe, die stolz mit dem Namen des belgischen Künstlers Benoît Sokal wirbt, in die nächste Runde. Wir haben uns für euch angeschaut, ob sich die lange Wartezeit seit dem letzten Teil gelohnt hat. Jenseits von Syberia
Erinnern wir uns kurz zurück: In Syberia I und II waren wir als Kate Walker, Anwältin aus den USA, quer durch Europa unterwegs, um den Erfinder Hans Voralberg zu finden, um den Verkauf seiner Spielzeugfabrik unter Dach und Fach zu bringen. Stattdessen aber halfen wir ihm, seinen Lebenstraum zu erfüllen, die Insel Syberia zu finden um dort auf Mammuts zu reiten, die es dort noch immer geben soll. Nachdem das in Syberia II gelingt, beginnt Syberia 3 weniger ruhmreich. Von einem Stamm der Youkol, dem zu kurz geratenem Nomadenvolk, das mit haarigen Schneestraußen durch Sibirien zieht, werden wir halb erfroren und bewusstlos am Ufer eines Flusses gefunden. Man bringt uns in das Krankenhaus der nahen Stadt Valsembor, vor deren Toren auch die Youkol ihr Lager aufschlagen. Nachdem wir uns erholt haben, bemerken wir, dass in dem Krankenhaus nicht alles so entspannt läuft, wie man uns glauben machen will, und auch die Youkol brauchen unsere Hilfe, um ihre nomadische Reise fortsetzen zu können. Während wir also einiges zu tun haben, wird Kate Walker von ihrer Vergangenheit eingeholt. Wer die ersten beiden Teile der Reihe nicht gespielt hat, tut gut daran, sich deren Story noch einmal im Internet durchzulesen. Denn Syberia 3 verzichtet darauf uns wirklich zu erklären, was alles geschehen ist. Jetzt auch mit Controller
Für das neue Abenteuer der taffen Rechtsanwältin wurde Syberia generalüberholt. Wir steuern sie nun entweder mit Tastatur und Maus oder einem Controller durch eine 3D-Welt. Kommen wir an einem Objekt von Interesse vorbei, interagieren wir aus einem Kreismenü heraus damit. Manchmal schauen wir nur, mal nehmen wir mit, mal agieren wir mit einem Gegenstand, wie gewohnt. Dabei sammeln wir nützliche Hilfsmittel auf, um Rätsel zu lösen, die uns das Vorankommen erschweren. Das Rad wird hier also nicht neu erfunden. Die Neuerungen in Sachen Steuerung haben jedoch auch ihre Schattenseiten. Zu Beginn des Spiels wird uns erklärt, dass es mehr Spaß macht, wenn wir einen Controller benutzen und für das Herumlaufen stimmt das auch, da die WASD-Steuerung recht hakelig und ungenau ist. Agieren wir dann jedoch mit einem Objekt, kommen wir kaum drum rum, die Maus doch zu benutzen, weil dann wiederum der Controller kaum das auswählt, was wir eigentlich wollen. Am Ende brauchen wir also entweder viel Geduld mit der umständlichen Steuerung, oder hängen unangenehm zwischen Controller und Maus fest. Die Rätsel sind derweil nicht schwer. Syberiaspieler wissen bereits, dass es keinen Tod, kein Verlieren gibt. Wir probieren Rätsel einfach so lange, bis es klappt, auch in Syberia 3. Jedoch sind diese ziemlich leicht und stellen wohl niemanden vor große Probleme, wenn sie nicht allzu skurril sind. Nur in ein paar Szenen haben wir die recht abwegige Lösung nur herausgefunden, weil die Gegenstände, die wir darin erhalten haben, äußerst überschaubar waren. So geriet das Ganze recht schnell zu einem „Alles einmal ausprobieren bis es stimmt“-Moment. Sonderlich viele Gegenstände haben wir eh nicht dabei. Vom Soundchaos und Paprikas
Auch an anderen Stellen schwächelt Syberia 3 stark. Die Grafik wirkt altbacken, die Animationen hölzern, was womöglich daran liegt, dass das Spiel bereits 2009 angekündigt wurde. In manchen Dialogen bewegt Kate Walker lediglich ihren Unterkiefer, was geradezu gruselig anmutet. Während die Musik wie gewohnt für die Reihe stimmig bleibt, ist die deutsche Synchronisation ein einziges Chaos. Lippensynchronisation ist ein Fremdwort und manchmal sind die deutschen Soundlines schlicht zu lang für die Gespräche und werden mittendrin abgebrochen und übersprungen. Die gleiche Handvoll Synchronsprecher wird wieder und wieder benutzt. An manchen Stellen wurde die Lautstärke von Gesprächen so weit heruntergedreht, dass man sie hinter der Musik nur vermuten kann. Die ein oder andere Cutscene muss gänzlich ohne Soundeffekte auskommen. Einmal mussten wir das Spiel neu laden, weil wir das Beobachten eines Gegenstandes nicht mehr abbrechen konnten, ein anderes Mal, weil Kate Walker an einer Paprika auf dem Boden hängen blieb. Für rund 40 Euro erwartet man doch mehr Feinabstimmung.

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