Der Antiheld ist wieder da

Schatten beherbergen viele Gefahren. Vor allem, wenn etwas Grünes durch diese Schatten kriecht. Die französischen Entwickler von Cyanide Studios bereiten einmal mehr dem zynischsten Goblin der Videospiellandschaft die Bühne: Styx! Wir haben uns durch den neuesten Teil geschlichen und assassiniert. Im Test lest ihr, was wir davon halten!
Unendliche Rakash, nur ein Styx
Er ist grün, er ist gemein, er ist ständig genervt. Das erste Mal trafen wir Styx in Of Orcs and Men, mit der Styx-Reihe, die ein Prequel des Titels ist, bekommt er seinen ganz eigenen Auftritt. Und um den Anfang des neuen Spiels zu verstehen, müssen wir uns kurz erinnern, wie Master of Shadows endete (hiermit ist vor Spoilern gewarnt). Der Konflikt zwischen Styx und seinem Klon-Selbst gipfelt darin, dass der gigantische, von Menschen bewohnte Turm Akenash aus dem Himmel stürzt. Der Weltenbaum, der die magische Essenz Goldharz absondert, geht dabei ebenfalls hopps. Da sich einer der beiden Styxe jedoch hineinstürzt, erhebt sich aus der magischen Substanz die Goblinrasse, die im Grunde aus unendlichen Rakash, also magischen Goblinklonen, besteht. In Shards of Darkness spielen wir erneut den einzigen zur Sprache fähigen Goblin, der sich nur an den Namen Styx erinnert. Nur ist dieses Mal die Welt von verwirrten, ziemlich stupiden Goblins überschwemmt. Um der Lage Herr zu werden und die grüne Plage zu beseitigen, bildet sich unter den Menschen die Organisation Schlächter (englisch: C.A.R.N.A.G.E.). Doch während diese den gewöhnlichen Goblins das Leben schwer machen, haben sie ein reges Interesse an einem sprechenden und durchaus intelligenten Goblin, um eine eigene Agenda voranzutreiben. Denn die Dunkelelfen laden Botschafter aller Rasse nach Korrangar, ihre Stadt, ein, wo Styx eher beiläufig Pläne aufdeckt, die nicht nur die kürzlich entstandene Goblinheit bedrohen. Arsenal des Schattens
Styx gehört zu den wenigen (Anti-)Helden, die zwischen den Spielen nicht ihr komplettes Gedächtnis verlieren. Vieles von dem, was wir im ersten Teil erst lernen mussten, können wir nun auch noch. Zum Beispiel die Attentate aus der Luft heraus oder der Einsatz von Säurephiolen, um Leichen entdeckungssicher aufzulösen. Trotzdem, man kann sich stets verbessern! Inzwischen können wir auch Glasflaschen einsammeln, um diese als Ablenkung zu werfen. Standardmäßig können wir Sand einsammeln, um Fackeln auf Entfernung auszuknipsen, sowie zwischen vier Schwierigkeitsgraden auswählen. Nach jeder Mission verbessern wir unsere Fähigkeiten. Zum Beispiel lernen wir neue Rezepte für das frisch implementierte Craftingsystem, mit dem wir eigene Tränke, Dietriche und Wurfmesser herstellen. Oder Fallen, die ebenfalls neu sind! Treten Gegner darauf, sterben die nicht nur, sondern lösen sich beispielweise praktischerweise in Wohlgefallen auf. Fünf Skillbäume stehen uns zum Ausbau zur Verfügung, die jeweils letzte Fähigkeit schalten wir zusätzlich mit einem Stück reinem Quartz, der frisch entdeckten, potenten Magiequelle, frei. Außerdem bekommt die Gegenseite Nachwuchs. Zwerge sind neue Feinde, die mit ihren Knollnasen unseren Goblingestank schon aufnehmen, wenn sie uns noch gar nicht sehen können! Auch neu ist der Charme des Spiels. Cyanid Studios geht keinen schlechteren Weg, aber einen anderen. Styx war schon immer ein ziemlich zynischer, giftiger Grünling. Er beleidigt, er ätzt, er provoziert. Aber in Shards of Darkness macht er das nicht mehr in dem großen, epischen Akenash-artigen Setting. Es fühlt sich alles etwas kleiner an. Die monumentale Architektur des Vorgängerteils wird gegen die verwinkelte Höhlenheimat der Dunkelelfen getauscht. Und Styx selbst- und umgebungskritischer Humor wird an vielen Stellen durch Pop-Kultur-Witzen ergänzt. Es ist, als hätten sich die Entwickler Inspiration am letztes Jahr erschienenen Deadpool-Film geholt, um ihn im Fantasysetting umzusetzen. So bekommen zum Beispiel Star Wars, das A-Team, Dishonored und Assassin Creed ihr Fett weg, aber auch der erste Teil von Styx wird auf die Schippe genommen, wenn Styx mal nicht mit uns als Spieler Tacheles redet. Charmant!
Manches geht im Dunkeln verloren
Bei allen feinen Neuerungen hat Shards of Darkness dennoch ein paar Schwachstellen. Wenn wir davon sprechen, dass das riesige Arkenash eben, naja, epischer ist als die Heimat der Dunkelelfen, dann heißt das eben auch, dass wir diesmal weniger gigantische Aussichten haben. Auch die Spielzeit fällt wesentlich geringer aus als noch im Vorgänger, der noch einmal richtig zulegte, als man das Ende schon fast in Sicht sah. Die Storyline muss leider ebenfalls vor dem windungs- und identitätsproblemreichen ersten Teil zurückstehen und verläuft hier eher geradlinig, ab und an sogar etwas überhastet. Ist Styx gerade noch absolut gegen etwas, reicht ein Widerwort, um ihn umzustimmen. Eine deutsche Synchronisation gibt es nicht. Dafür ist die englische Sprachausgabe wieder ausgezeichnet, verliert nur eben etwas in den deutschen Untertitel. Außerdem gibt es nun einen Koop-Modus, in dem einer der Spieler die Rolle eines Klons des anderes übernimmt. Die eigenen Fähigkeiten bleiben dabei erhalten, aber man kann nicht mehr jederzeit speichern und auch Kampf ist für Klone nicht mehr möglich. In unserem Pre-Release-Test konnten wir für den Koop-Modus kein Spiel finden, um ihn zu testen.

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