Lange hat es gedauert

Ein vollkommen neues Spellforce-Spiel? Das ist schon etwas her. 2006 konnten wir uns über Spellforce 2 freuen, und jetzt, elf Jahre und verschiedene Studios später, bringen uns die Münchner von Grimlore Games ein neues Kapitel aus der Welt von Spellforce, dem Prequel zum ersten Teil. Ob wir uns über den neuen Teil genauso freuen, wie über seinen Vorgänger damals? Das lest ihr bei uns!
Es war einmal...
… vor langer, langer Zeit im Lande Nortander. Der böse Magier Tahar hat Teile des Adels und eine nicht grade kleine Anhängerschaft um sich versammelt um gegen die Krone zu kämpfen. Vorhang auf für den Magierkrieg, der erst nach Jahren des Kämpfens und einer Belagerung der Hauptstadt mit der Niederlage des fiesen Zauberers endet. Und fortan lebten alle im Lande glücklich und zufrieden... Gut, ganz so simpel ist es dann doch nicht. Schließlich sind wir das Kind des Schufts und wurden, nachdem wir gegen unseren dunklen Vater rebelliert haben, in die Reihen der königlichen Armee aufgenommen. Aufgenommen, aber nicht angenommen, schließlich kämpft niemand gerne Seite an Seite mit dem Spross des Erzfeindes. Trotzdem steigen wir durch die Ränge auf, weil wir schlichtweg zu kompetent sind, als dass man uns klein halten könnte – bis zu dem Tag, an dem wir zum ersten Mal vom Blutbrand hören. Diese ominöse Seuche löscht immer wieder ganze Dörfer im Reich aus und auch Zwerge und Elfen scheinen ihre Probleme damit zu haben. Was als einfacher Quarantäne-Job beginnt, sorgt schon bald dafür, dass unser Leben gehörig auf den Kopf gestellt wird. Zwischen göttlichen Visionen, königlichen Verfolgern und all den anderen kleinen und großen Problemen im Reich scheinen wir die einzigen zu sein, die das Geheimnis hinter dem Blutbrand aufdecken können. Also scharen wir ungleiche Verbündete um uns, bewaffnen uns und brechen auf, um die Welt zu retten. Wäre ja sonst auch keine Fantasy-Rollenspiel, oder? Strategisches Rollenspiel?
Wer frühere Spellforce-Titel gespielt hat, kennt das Prinzip. Neueinsteiger könnten vom Genremix, für den die Reihe bekannt ist, überrascht sein: Hier werden Rollenspiel und Strategiespiel miteinander kombiniert. Wir beginnen die meisten Missionen mit unserer frei gestaltbaren Spielfigur und gegebenenfalls bis zu drei Gefolgshelden, die alle ihre eigene Persönlichkeit haben. Zwar können wir in der Konstellation auch reichlich Kämpfe bestehen, manchmal brauchen wir dann aber eben doch mehr Feuerpower. Dann übernehmen wir das Kommando über eine Basis und bereiten eine von drei Fraktionen auf den Krieg vor. In guter Rollenspielmanier führen wir allerdings weiterhin Dialoge, sammeln Ausrüstung für unsere Recken und stecken Punkte in jeweils drei Fähigkeitsbäume. Was im ersten Moment nach einer verwirrenden Mischung klingt, spielt sich allerdings wirklich fein. Die Karten, auf denen wir Soldaten anführen, sind in Sektoren unterteilt. Alle Royal Vegas Spiele bieten detailreiche Grafiken und verblüffende Spezialeffekte. Erobern wir diese, können wir mehr Soldaten ausheben, haben mehr Zugriff auf Ressourcen und können dort eben auch Gebäude, wie Wachtürme, aufbauen. Währenddessen halten wir stets die Augen nach Schätzen offen. Den gelungenen Mix präsentiert uns Spellforce 3 auf wunderschön gestalteten Karten und mit einer stimmigen deutschen Synchronisation. Zwar begegnet uns die ein oder andere Gesprächsoption, die nicht ins Deutsche übersetzt wurde, aber das passiert selten und stört nicht wirklich. Vier Schwierigkeitsgrade stehen Spielern zu Verfügung, von 'Mir geht es nur um die Story' bis hin zu 'Ich will eine echte Herausforderung'. Die AI verhält sich in Kämpfen zwar nicht perfekt, die gelegentlichen guten Entscheidungen fallen aber positiv auf. Dennoch täuscht das nicht darüber hinweg, dass der Strategieteil des Spiels etwas flach wirkt... Man legt eben Wert auf den Rollenspielaspekt und die Story!
Magierkriege? Bugkriege
So hübsch die Karten und Artworks auch designt sind, Spellforce muss Abstriche in Sachen Charakterdesign machen. Die Animationen wirken meistens eher hakelig und so manches Mal legen unsere Einheiten eine, sagen wir, interessante Wegfindung an den Tag. Wer allerdings online einen Blick auf Nutzerkommentare geworfen hat, ahnt, dass Spellforce ein größeres Problem hat: Vielen Spielern sind Bugs begegnet, und auch während unseres Tests lief nicht alles fehlerfrei. Da haben sich zum Beispiel Arbeiter mal geweigert, Rohstoffe dorthin zu tragen wo wir sie gebraucht haben. Einheiten haben unseren Angriffsbefehl ignoriert und streunten durch die Weltgeschichte. Und gerade in Storymissionen sind solche Fehler ärgerlich – Storyrelevante Dialoge, die nicht ausgelöst wurden und Neustarts erforderten sind uns während des Tests auch begegnet. Allerdings patcht Entwickler Grimlore Games bereits fleißig an den Fehlern herum. Bleibt also nur zu hoffen, dass sie diese Fehler rasch in den Griff bekommen. Natürlich haben wir auch einen Blick in den Multiplayer geworfen! Unsere Matches liefen ohne große Verbindungsprobleme ab, allerdings fällt gerade im Multiplayer auf, dass sich die Einheitenaufstellung der drei Rassen (Menschen, Elfen und Orks) recht ähnlich anfühlt. Und wie bei allen Strategiespielen lässt sich direkt nach dem Release wenig über die Balance aussagen. Wurden wir in Gefechten von riesigen Ritterarmeen der Menschen plattgewalzt? Wurden wir. Haben wir im Gegensatz ganze Heere im Pfeilhagel unserer Bogenschützen vergehen lassen? Oh ja! Leider hatten wir nicht wirklich die Möglichkeit, die Kampagen im Koop zu spielen, da wir nur eine Testversion zur Verfügung hatten.

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