Taktisch gut

Kurz nach dem Release von „The Dwarves“ liegt auch schon das nächste Spiel aus deutschem Haus auf unserem Redaktionstisch: Zusammen mit Publisher Daedalic Entertainment bringen uns die Müncher Entwickler Mimimi Productions „Shadow Tactics: Blade of the Shogun“, das in den letzten Wochen reichlich Preise eingeheimst hat. Wieviel Spaß wir mit Shadow Tactics hatten, lest ihr im Test!
Für den Shogun!
Wir sind Hayato, unseres Zeichens Ninja, und sind von Anfang an mitten im Geschehen. Die Festung Osaka wird vom Shogun belagert, der kurz davor steht, Japan zu einen. Und für diesen letzten benötigten Sieg bedient man sich unserer Dienste, denn wir sollen das Haupttor der Festung von innen öffnen. Also schleichen wir los, während um uns herum die Kanonen und Musketen donnern, und lassen uns auf dem Weg das Spiel erklären. Zum Beispiel, dass wir es tunlichst vermeiden sollten, von Gegnern gesehen zu werden. Denn jeder NPC in Shadow Tactics hat einen Sichtkegel, den er meist auch fleißig über seine Umgebung schweifen lässt. Dabei besteht jeder Sichtkegel aus zwei Teilen, einem inneren, in dem man uns immer sieht, und einem äußeren, in dem man uns nur sieht, wenn wir stehen. Schleichen und kriechen wir in diesem äußeren Teil des Kegels, übersieht man uns einfach. Also ziehen wir los, schalten hier und da eine Wache aus, verstecken uns in Büschen vor Patrouillen und ziehen uns mit unserem Enterhaken auf Dächer und Mauern hoch, um über den Köpfen von nichtsahnenden Gegnern voranzukommen. Steuern wir später mehrere Charaktere, können wir im Schattenmodus jedem von ihnen eine Aufgabe zuteilen, die sie dann zeitgleich ausführen. Hayato vertraut nicht nur auf sein Schwert, sondern auch auf Shuriken, die wir nach dem Einsatz immer wieder einsammeln müssen, und das Werfen von Steinen, um Gegner kurzzeitig abzulenken. So ausgerüstet, sammeln wir im Missionsverlauf noch zwei weitere, spielbare Charaktere auf und sprengen das Tor der Festung schließlich von innen. Mission erfolgreich, Japan vereint, Frieden wiederhergestellt. Allerdings ist es nie so einfach, denn eben dieser Friede wird auch schon bedroht. Schattenhafte Figuren scheinen eine Rebellion gegen den Shogun vorzubereiten, und wer wäre besser dafür geeignet, sie aufzuhalten, als wir? Für jede Aufgabe den richtigen Ninja. Oder Samurai. Oder Schützen!
Relativ schnell haben wir unsere Truppe beisammen. Fünf spielbare Charaktere geraten unter unsere Kontrolle, jeder mit einem eigenen Set an Fähigkeiten. Der Samurai Mugen hat wesentlich mehr Leben als unsere anderen Charaktere, kann aber wegen seiner schweren Rüstung nicht an Efeuranken hochklettern oder von Absätzen runterspringen. Dafür kann er einen mächtigen Gebietsangriff durchführen und eine Sakeflasche werfen, die Wachen anlockt, wenn sie in deren Sichtkegel gerät (Wer kann schon einem Schluck Sake im Wachdienst widerstehen?). Das Mädchen, Yuki, das Hayato als ihren Sensei ansieht, kann eine Falle aufstellen, die unvorsichtige Wachen tötet, und auf einer Flöte spielen, um diese auch anzulocken. Aiko kann sich mit einer Verkleidung unbemerkt unter Gegnern bewegen oder ein Niespulver werfen, das den Sichtkegel drastisch reduziert. Der schrullige Schütze Takuma verlässt sich auf sein weitreichendes Gewehr, ein paar Granaten und seinen abgerichteten Tanuki Kuma, der Gegner mit Purzelbäumen und anderen Kunststücken kurzzeitig ablenkt. Uns begegnen im Laufe des Spiels drei Gegnertypen. Einfache Wachen sind eigentlich kaum ein Problem, leicht ablenkbar und schnell auszuschalten. Strohhüte stehen an einem festen Punkt und bewegen sich auch nie von dort weg, egal wie sehr man versucht, sie abzulenken (sie können also einem Schluck Sake widerstehen). Feindliche Samurai sind schließlich die härtesten Nüsse: Nur Mugen kann sie problemlos auszuschalten, unsere anderen Kämpfer müssen sie erst anschießen, bevor sie verwundbar genug sind. Gut vorbereitet machen wir uns also ans Rebellionsverhindern. Wie genau wir das machen ist uns überlassen; erledigen wir jeden Gegner und schleppen ihn außer Sicht oder benutzen wir ihn, um andere Wachen anzulocken und so vielleicht eine günstige Gelegenheit zu schaffen, weitere Feinde auszuschalten? In Nachtmissionen können wir Fackeln löschen. Allerdings macht das Wachen, die es bemerken, misstrauisch und sie entzünden diese wieder. In Missionen mit Schnee hinterlassen wir für kurze Zeit Spuren, denen Wachen auf den Grund gehen wollen. Das alles kann uns das Leben erschweren, kann aber auch dazu verwendet werden, Hinterhalte zu legen. Und Ninjas lieben Hinterhalte! Kanpai!
Shadow Tactics stolpert nur über Kleinigkeiten. Zum Beispiel könnte es einigen sauer aufstoßen, dass es keine deutsche Synchronisation gibt, sondern nur eine englische und eine japanische; letztere ist allerdings wirklich gut. Unterhalten sich unsere Charaktere während einer Mission, ist es in unserem Test öfter passiert, dass einige Tonspuren mehrmals wiederholt wurden. Und auch die Ladezeiten sind länger, als man erwarten würde. Aber, wie gesagt, es sind Kleinigkeiten. Dafür erinnert uns Shadow Tactics daran, wie lange unser letzter Quicksave her ist. Niemand will perfekte Planungsarbeit verlieren, weil man das fixe Speichern vergessen hat! Man kann auch schwer sagen, wieviel Spielzeit in Shadow Tactics steckt. Ist man wirklich vorsichtig, beobachtet die Patrouillenwege der Wachen genau, können die Missionen schnell eine Stunde dauern, manchmal auch darüber hinaus. Jede Mission hat ein eigenes Set an Achievements, eines davon stets „Schließe die Mission in X Minuten“, wofür man nicht nur sehr ehrgeizig, sondern auch wirklich gut sein muss. Dies wiederum hebt den Wiederspielwert enorm an. Im Regelfall sollte man aber Geduld mitbringen. Spieler, denen der normale Schwierigkeitsgrad zu einfach ist, können auch auf Hardcore spielen. Dann haben wir weniger Leben, und Gegner reagieren wesentlich schneller auf uns, was uns das schleichen erheblich erschwert. Wer erstmal nur einen Blick riskieren will, kann sich auf Steam eine Demo mit den ersten zwei Missionen laden.

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